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Mathe begreifbar · Grundlagenfach · Arithmetik & Algebra · Zehnerpotenzen und Quadratwurzeln

Anwendungsaufgaben — Zehnerpotenzen und Quadratwurzeln

Hinweis: Die Aufgaben decken sechs verschiedene Grössenordnungs-Bereiche ab — von astronomischen Entfernungen (\(10^8\,\text{m}\)) bis zu Mikroelektronik-Zeitskalen (\(10^{-9}\,\text{s}\)). Die Spalte „Grössenordnung" zeigt jeweils die zentrale Skala der Aufgabe.

Nr.BereichTitelGrössenordnungSchwierigkeit
1AstronomieErde — Sonne — Mars\(10^{8}\,\text{m}\)●●○
2MikroelektronikTaktzyklus eines Mikrocontrollers\(10^{-9}\,\text{s}\)●●○
3BauwesenQuadratische Grundfläche\(10^{0}\,\text{m}\)●●○
4ElektrotechnikEffektivwert einer Wechselspannung\(10^{2}\,\text{V}\)●●●
5AkustikSchalldruck-Verhältnisse\(10^{-5}\,\text{Pa}\)●●●
6OptikDatendichte einer DVD\(10^{-7}\,\text{m}\)●●●
Astronomie

1. Erde — Sonne — Mars ●●○

Die mittlere Entfernung Erde — Sonne beträgt rund \(1{.}5 \cdot 10^{8}\,\text{km}\), die mittlere Entfernung Mars — Sonne rund \(2{.}28 \cdot 10^{8}\,\text{km}\).

(a) Wie viele Mal grösser ist die Marsbahn (im Verhältnis)? Schreibe das Ergebnis in wissenschaftlicher Notation.
(b) Licht legt \(3 \cdot 10^{5}\,\text{km/s}\) zurück. Wie viele Sekunden braucht es von der Sonne zur Erde?
(c) Drücke das Ergebnis in Minuten aus.

Mikroelektronik

2. Taktzyklus eines Mikrocontrollers ●●○

Ein Mikrocontroller läuft mit \(250\,\text{MHz}\) Taktfrequenz.

(a) Wie lange dauert ein einzelner Taktzyklus (in Sekunden, in wissenschaftlicher Notation und mit SI-Vorsatz)?
(b) Wie viele Zyklen führt der Mikrocontroller in einer Stunde aus?
(c) Eine Operation dauert \(8\) Zyklen. Wie viele Operationen pro Sekunde sind möglich?

Bauwesen

3. Quadratische Grundfläche ●●○

Ein Zimmer hat einen quadratischen Grundriss mit der Fläche \(A = 27\,\text{m}^2\).

(a) Bestimme die Seitenlänge exakt — als Wurzelterm und teilweise gezogen.
(b) Wie lange ist die Diagonale (Anwendung des Satzes von Pythagoras: \(d = a\sqrt{2}\))?
(c) Vergleiche dein exaktes Ergebnis mit dem Dezimalwert auf zwei Stellen.

Elektrotechnik

4. Effektivwert einer Wechselspannung ●●●

Bei einer sinusförmigen Wechselspannung gilt \(U_\text{eff} = \dfrac{U_\text{max}}{\sqrt{2}}\). Die Netzspannung in der Schweiz hat \(U_\text{eff} = 230\,\text{V}\).

(a) Stelle die Formel nach \(U_\text{max}\) um und mache den Nenner rational.
(b) Berechne \(U_\text{max}\) exakt (mit Wurzel) und als Dezimalwert.
(c) Welche Leistung wird an einem Widerstand \(R = 100\,\Omega\) umgesetzt? (Formel: \(P = \dfrac{U_\text{eff}^2}{R}\))

Akustik

5. Schalldruck-Verhältnisse ●●●

Die Hörschwelle des menschlichen Ohrs liegt bei \(p_0 = 2 \cdot 10^{-5}\,\text{Pa}\). Die Schmerzgrenze liegt bei \(p_1 = 20\,\text{Pa}\).

(a) Wie viele Mal grösser ist der Schalldruck an der Schmerzgrenze gegenüber der Hörschwelle? Schreibe das Verhältnis in wissenschaftlicher Notation.
(b) Drücke beide Werte mit SI-Vorsätzen aus (\(p_0\) in µPa, \(p_1\) in Pa).
(c) Eine Lärmquelle hat \(p = 0{.}2\,\text{Pa}\) — wie viele Grössenordnungen über der Hörschwelle?

Optik

6. Datendichte einer DVD ●●●

Eine DVD speichert ca. \(4{.}7\,\text{GB}\) Daten auf einer beschreibbaren Fläche von rund \(86\,\text{cm}^2\). 1 Byte = \(8\) Bit.

(a) Wie viele Bits passen pro Quadratzentimeter? Schreibe das Ergebnis in wissenschaftlicher Notation.
(b) Eine angenommene Bitstelle ist quadratisch. Welche Seitenlänge \(s\) hat sie (in µm)? Tipp: \(s = \sqrt{\text{Fläche pro Bit}}\).
(c) Vergleiche mit der Wellenlänge eines Lasers (\(\lambda = 650\,\text{nm}\)).

Musterlösungen

1. (a) \(\dfrac{2{.}28 \cdot 10^{8}}{1{.}5 \cdot 10^{8}} = 1{.}52 = 1{.}52 \cdot 10^{0}\) — Marsbahn ist 1.52-mal grösser (das Verhältnis ist dimensionslos; die Zehnerpotenzen kürzen sich weg, in wissenschaftlicher Notation bleibt der Exponent \(0\)). (b) \(t = \dfrac{1{.}5 \cdot 10^{8}}{3 \cdot 10^{5}} = 0{.}5 \cdot 10^{3} = 500\,\text{s}\). (c) \(500 : 60 \approx 8{.}33\,\text{min}\) (also rund 8 Minuten 20 Sekunden). Lichtlaufzeit: Diese 500 s sind kein abstraktes Rechenergebnis — Funksignale zum Mars brauchen je nach Konstellation 3-22 Minuten in eine Richtung. Astronauten würden auf der ISS in jenen 8 Minuten etwa zweimal die Erde umrunden.

2. (a) \(T = \dfrac{1}{f} = \dfrac{1}{250 \cdot 10^{6}} = 4 \cdot 10^{-9}\,\text{s} = 4\,\text{ns}\). (b) \(1\,\text{h} = 3600\,\text{s}\); Zyklen pro Stunde \(=250 \cdot 10^{6} \cdot 3600 = 9 \cdot 10^{11}\). (c) \(\dfrac{250 \cdot 10^{6}}{8} = 3{.}125 \cdot 10^{7}\) Operationen/s. Greifbar gemacht: 250 MHz heisst 250 Millionen Taktzyklen pro Sekunde — pro Stunde also 900 Milliarden. In einer Sekunde gehen mehr Zyklen vorbei als die Schweiz Einwohner hat (×30).

3. (a) \(a = \sqrt{27} = \sqrt{9 \cdot 3} = 3\sqrt{3}\,\text{m}\). (b) \(d = a\sqrt{2} = 3\sqrt{3} \cdot \sqrt{2} = 3\sqrt{6}\,\text{m}\). (c) \(3\sqrt{3} \approx 5{.}20\,\text{m}\); \(3\sqrt{6} \approx 7{.}35\,\text{m}\). Flächen-Umrechnung beachten: Ist die Fläche in cm² gegeben (etwa \(27\,\text{cm}^2\)), darf man nicht einfach \(\sqrt{27}\) als „cm" lesen — \(1\,\text{cm}^2 = 10^{-4}\,\text{m}^2\), bei Längen ist es \(1\,\text{cm} = 10^{-2}\,\text{m}\). Beim Wechsel von Fläche zu Länge wird der Exponent halbiert.

4. (a) \(U_\text{max} = U_\text{eff} \cdot \sqrt{2}\) — kein Nenner zu rationalisieren mehr nötig. (Aus \(\frac{1}{\sqrt{2}}\) wäre \(\frac{\sqrt{2}}{2}\) geworden.) (b) \(U_\text{max} = 230\sqrt{2}\,\text{V} \approx 325{.}3\,\text{V}\). (c) \(P = \dfrac{230^2}{100} = \dfrac{52\,900}{100} = 529\,\text{W}\). Greifbar gemacht: Die Spitzen­spannung einer Schweizer Steckdose ist also nicht 230 V, sondern \(\approx 325\,\text{V}\) — sie wechselt 50-mal pro Sekunde sinusförmig zwischen \(+325\) und \(-325\,\text{V}\). 230 V ist der Effektivwert, also der äquivalente Gleichspannungswert für gleiche Leistung.

5. (a) \(\dfrac{20}{2 \cdot 10^{-5}} = 10 \cdot 10^{5} = 10^{6}\) — also eine Million Mal grösser. (b) \(p_0 = 20\,\text{µPa}\); \(p_1 = 20\,\text{Pa}\). (c) \(\dfrac{0{.}2}{2 \cdot 10^{-5}} = 0{.}1 \cdot 10^{5} = 10^{4}\) — vier Grössenordnungen. Dezibel-Brücke: Schalldruck-Verhältnisse werden in der Praxis als dB angegeben — \(L = 20 \cdot \log_{10}(p/p_0)\). Faktor \(10^6\) entspricht \(20 \cdot 6 = 120\,\text{dB}\) (Düsenjet); Faktor \(10^4\) entspricht \(80\,\text{dB}\) (Strassenverkehr). Logarithmen formal in 3.4 Exponential- und Logarithmusfunktionen.

6. (a) Bits gesamt: \(4{.}7 \cdot 10^{9} \cdot 8 = 3{.}76 \cdot 10^{10}\) Bit. Pro cm²: \(\dfrac{3{.}76 \cdot 10^{10}}{86} \approx 4{.}37 \cdot 10^{8}\) Bit/cm². (b) Fläche pro Bit: \(\dfrac{1}{4{.}37 \cdot 10^{8}}\,\text{cm}^2 \approx 2{.}29 \cdot 10^{-9}\,\text{cm}^2 = 2{.}29 \cdot 10^{-13}\,\text{m}^2\). \(s = \sqrt{2{.}29 \cdot 10^{-13}} \approx 4{.}79 \cdot 10^{-7}\,\text{m} \approx 0{.}48\,\text{µm}\). (c) \(\lambda = 650\,\text{nm} = 0{.}65\,\text{µm}\) — die Bit-Grösse liegt in derselben Grössenordnung wie die Wellenlänge des Lasers. Physikalische Grenze: Eine Linse kann keine Strukturen auflösen, die deutlich kleiner sind als die verwendete Wellenlänge. Blu-Ray nutzt deshalb einen blauen Laser (\(\lambda \approx 405\,\text{nm}\)) und schafft mehr Bits pro mm² — physikalisch nicht zufällig kürzer.