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Mathe begreifbar · Grundlagenfach · Grundlagen Gleichungen

Grundlagen Gleichungen — Handout

1. Definition

Eine Gleichung ist die Aussage, dass zwei Terme den gleichen Wert haben:

\[ T_1(x) \;=\; T_2(x) \]

Die Aussage ist erst dann wahr oder falsch, wenn für die Variable \(x\) (oder mehrere Variablen) ein konkreter Wert eingesetzt wird. Ein Wert, der die Gleichung wahr macht, heisst Lösung; alle Lösungen zusammen bilden die Lösungsmenge \(\mathbb{L}\).

2. Bausteine

BegriffSymbolBedeutung
Variable \(x, y, t, \dots\)Platzhalter für eine unbekannte Zahl
Term \(T(x)\) Rechenausdruck, z.B. \(4 \cdot x + 3\)
Lösung \(x_0\) Wert, für den \(T_1(x_0) = T_2(x_0)\)
Lösungsmenge \(\mathbb{L}\) Menge aller Lösungen, z.B. \(\mathbb{L} = \{3\}\)
Grundmenge \(\mathbb{G}\) Menge der zugelassenen Werte für \(x\)

3. Verwandte Aussageformen

FormSchreibweiseBeispiel
Gleichung \(T_1 = T_2\) \(4x + 3 = 15\)
Ungleichung \(T_1 < T_2,\; \leq,\; >,\; \geq\)\(2x + 5 \leq 11\)
Gleichungssystemmehrere Gleichungen, gleiche Variablen\(x + y = 7,\; 2x - y = 2\)
Identität \(T_1 = T_2\) für alle Werte der Variablen\((a+b)^2 = a^2 + 2ab + b^2\)

4. Sachverhalt → Gleichung

Drei Schritte führen vom Aufgabentext zur Gleichung:

  1. Was ist gesucht? — Variable benennen (z.B. \(x =\) Masse eines Pakets).
  2. Was ist gegeben? — bekannte Zahlen und Beziehungen sammeln.
  3. Welche Gleichheit oder Ungleichheit liegt vor? — den Sachverhalt als Gleichung, Ungleichung oder Gleichungssystem aufschreiben.

5. Algebraische Äquivalenz

Zwei Gleichungen sind äquivalent (\(\Longleftrightarrow\)), wenn sie dieselbe Lösungsmenge haben. Eine Äquivalenzumformung ist eine Umformung, die die Lösungsmenge nicht verändert:

OperationBedingungWirkung
auf beiden Seiten dieselbe Zahl \(c\) addierenisoliert die Variable
auf beiden Seiten dieselbe Zahl \(c\) subtrahierenisoliert die Variable
beide Seiten mit \(c\) multiplizieren\(c \neq 0\)skaliert
beide Seiten durch \(c\) dividieren\(c \neq 0\)skaliert

Bei Ungleichungen kehrt sich das Relationszeichen um, sobald mit einer negativen Zahl multipliziert oder dividiert wird.

⚠ Keine Äquivalenzumformungen

Quadrieren (\(a = b \Rightarrow a^2 = b^2\)) und Multiplizieren mit einem variablen Term, der null werden kann, sind keine Äquivalenzumformungen. Sie können Scheinlösungen hinzufügen oder Lösungen verlieren — eine Probe ist Pflicht.

6. Gleichungstypen erkennen

TypFormLösungsmethode
linear \(a \cdot x + b = 0\) Äquivalenzumformungen
quadratisch \(a \cdot x^2 + b \cdot x + c = 0\) Mitternachtsformel, Faktorisierung
Bruchgleichung \(\dfrac{p(x)}{q(x)} = r(x)\) mit \(q(x)\) multiplizieren, Definitionsbereich beachten
Wurzelgleichung \(\sqrt{p(x)} = r(x)\) isolieren, quadrieren, Probe Pflicht

Den Typ zu erkennen ist der erste Lösungsschritt — er bestimmt das Verfahren und entscheidet, ob eine Probe zwingend ist.

7. Probe

Die Probe setzt die berechnete Lösung in die ursprüngliche Gleichung ein und prüft, ob beide Seiten denselben Wert ergeben:

\[ T_1(x_0) \stackrel{?}{=} T_2(x_0) \]

Bei Wurzel- und Bruchgleichungen ist die Probe Pflicht, weil Quadrieren und Multiplizieren mit variablen Termen Scheinlösungen erzeugen können.

8. Lösungsmenge

SituationBezeichnungLösungsmengeBeispiel
eindeutig lösbar — (Normalfall) \(\mathbb{L} = \{x_0\}\) \(2x = 6 \Rightarrow \mathbb{L} = \{3\}\)
mehrere Lösungen — (Normalfall) \(\mathbb{L} = \{x_1, x_2, \dots\}\) \(x^2 = 4 \Rightarrow \mathbb{L} = \{-2,\, 2\}\)
keine Lösung Widerspruch \(\mathbb{L} = \{\,\} = \emptyset\) \(x = x + 1\)
unendlich viele Lösungen Identität \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\) \(2(x+1) = 2x + 2\)

9. Zusammenfassung

Gleichung \(T_1(x) = T_2(x)\) — wahr für \(x \in \mathbb{L}\)
Lösung jeder Wert, der die Gleichung wahr macht
Äquivalenzumformung verändert die Lösungsmenge nicht (\(+, -, \cdot c\) mit \(c \neq 0\), \(:c\) mit \(c \neq 0\))
Typ erkennen linear · quadratisch · Bruch · Wurzel — bestimmt das Verfahren
Probe Lösung in die ursprüngliche Gleichung einsetzen
Merksatz. Eine Gleichung ist eine Waage. Was du auf der einen Seite tust, musst du auf der anderen Seite auch tun — und nur dann bleibt die Lösungsmenge gleich. Bei Wurzel- und Bruchgleichungen ist die Probe Pflicht.