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Mathe begreifbar · Grundlagenfach · Lineare Gleichungen

Lineare Gleichungen — Handout

1. Definition

Eine lineare Gleichung in einer Variablen \(x\) lässt sich auf die Normalform bringen:

\[ a \cdot x + b = 0 \qquad (a, b \in \mathbb{R}) \]

Eine Gleichung heisst linear, weil die Variable nur in der ersten Potenz vorkommt (kein \(x^2\), kein \(\sqrt{x}\), nicht im Nenner).

2. Auf Normalform bringen

Drei Schritte führen jede lineare Gleichung in einer Variablen zur Normalform:

  1. Klammern auflösen, Brüche durch Multiplikation mit dem Hauptnenner beseitigen.
  2. Alle Glieder mit \(x\) auf eine Seite, alle anderen Glieder auf die andere Seite bringen (Äquivalenzumformungen).
  3. Zusammenfassen zu \(a \cdot x + b = 0\).

3. Lösen

Aus \(a \cdot x + b = 0\) folgt für \(a \neq 0\):

\[ x \;=\; -\dfrac{b}{a} \qquad \mathbb{L} = \left\{-\dfrac{b}{a}\right\} \]

Beim Lösen werden Äquivalenzumformungen verwendet (siehe Kapitel 2.1):

OperationBedingung
beide Seiten \(\pm c\) (Addition/Subtraktion)
beide Seiten \(\cdot c\) oder \(:c\) (Multiplikation/Division)\(c \neq 0\)

4. Drei Lösungsfälle

Beim Auflösen von \(a \cdot x + b = 0\) entscheiden die Parameter \(a\) und \(b\) über die Lösungsmenge:

FallBedingungLösungsmengeBeispiel
eindeutig lösbar \(a \neq 0\) \(\mathbb{L} = \{-b/a\}\) \(2x - 6 = 0 \Rightarrow x = 3\)
keine Lösung \(a = 0\) und \(b \neq 0\) \(\mathbb{L} = \emptyset\) \(0 \cdot x + 5 = 0\)
unendlich viele Lösungen (Identität) \(a = 0\) und \(b = 0\) \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\) \(2x + 4 = 2(x + 2)\)

5. Lineare Ungleichungen

Bei \(a \cdot x + b \;\square\; 0\) mit \(\square \in \{<, \leq, >, \geq\}\) gelten dieselben Umformungsregeln — mit einer Ausnahme:

⚠ Vorzeichen-Umkehr

Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl kehrt das Relationszeichen um: \(\;-2x < 6 \;\Leftrightarrow\; x > -3.\)

6. Lineare Gleichungen mit Parameter

Wenn die Koeffizienten selbst von einem Parameter \(k\) abhängen, schreiben wir:

\[ a(k) \cdot x \;=\; b(k) \]

Dann müssen drei Fälle unterschieden werden:

FallBedingungLösung
eindeutig \(a(k) \neq 0\) \(x = b(k) / a(k)\)
keine Lösung \(a(k) = 0\) und \(b(k) \neq 0\) \(\mathbb{L} = \emptyset\)
unendlich \(a(k) = 0\) und \(b(k) = 0\) \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\)

Als Erstes wird der kritische Parameterwert gesucht, der \(a(k) = 0\) macht — und nur für diesen Wert müssen die Sonderfälle untersucht werden.

Beispiel: Diskutiere \((k-2) \cdot x = k^2 - 4\) in Abhängigkeit von \(k\).

Hier ist \(a(k) = k-2\) und \(b(k) = k^2 - 4 = (k-2)(k+2)\). Kritischer Wert: \(a(k) = 0 \Leftrightarrow k = 2\).

Ein Fall „keine Lösung" tritt hier nicht auf, weil \(b(k)\) genau bei \(k = 2\) ebenfalls null wird.

7. Drei Darstellungen

Eine lineare Gleichung lässt sich auf drei äquivalente Arten beschreiben:

FormBeispielStärke
algebraisch \(2x - 3 = 5\) exaktes Rechnen
Wertetabelle \(x = 4 \Rightarrow 2 \cdot 4 - 3 = 5\) ✓ Probe, Erkennen der Lösung
grafisch Schnittpunkt der Geraden \(y = 2x - 3\) und \(y = 5\) qualitatives Verständnis

8. Zusammenfassung

Normalform \(a \cdot x + b = 0\) mit \(a, b \in \mathbb{R}\)
Lösung (für \(a \neq 0\)) \(x = -b/a\)
drei Lösungsfälle eindeutig · keine · unendlich (je nach \(a, b\))
Vorgehen Klammern auflösen → \(x\)-Glieder isolieren → durch Koeffizient teilen
Probe Lösung in die ursprüngliche Gleichung einsetzen
Merksatz. Eine lineare Gleichung hat genau eine Lösung — ausser bei Identität (unendlich viele) oder Widerspruch (keine). Wer nach dem Sortieren \(0 = c\) erhält, prüft das Vorzeichen von \(c\): \(c = 0\) heisst Identität (alle reellen Zahlen lösen), \(c \neq 0\) heisst Widerspruch (gar keine Zahl löst).