2.2a Lineare Gleichungen
Eine lineare Gleichung wie \(2x - 5 = 11\) lässt sich mit wenigen Äquivalenzumformungen lösen — sauber, eindeutig und nachprüfbar. Hier lernst du die Standard-Lösungsmethoden, übst den Umgang mit Parametern (wann hat die Gleichung keine, eine oder unendlich viele Lösungen?).
- lineare Gleichungen lösen, verschiedene Lösungsmethoden erklären und anwenden, inkl. Parameterdiskussion auch ohne Hilfsmittel
Die quadratischen Gleichungen werden in Teil 2 (g2-2b) behandelt.
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
- Ich kann lineare Gleichungen mit Äquivalenzumformungen sicher lösen und die Schritte begründen.
- Ich kann die Normalform \(a \cdot x + b = 0\) herstellen und die Lösung \(x = -\tfrac{b}{a}\) deuten.
- Ich kann die drei Lösungsfälle (genau eine Lösung, keine, unendlich viele) erkennen und unterscheiden.
- Ich kann eine Parameterdiskussion führen: die Lösung in Abhängigkeit von \(k\) formulieren und Sonderfälle benennen.
- Ich kann lineare Ungleichungen lösen — inklusive Vorzeichenkipp bei Multiplikation mit negativen Zahlen.
Einstieg — Mietkosten als Geradenmodell
Eine Werkstatt mietet eine Hebebühne. Die Mietfirma berechnet eine Grundgebühr von 45 CHF plus 12 CHF pro Stunde. Wie viele Stunden lassen sich für ein Budget von 117 CHF mieten?
Modellbildung: Sei x die Anzahl Mietstunden, K die Mietkosten in Franken. Dann ist
\[ K(x) \;=\; 12 \cdot x + 45 \]eine lineare Funktion. Die Frage „wie viele Stunden für 117 CHF?" wird zur linearen Gleichung
\[ 12 \cdot x + 45 \;=\; 117. \]Die Lösung lässt sich grafisch ablesen: dort, wo die Gerade K(x) = 12·x + 45 die waagrechte Linie K = 117 schneidet. Das ergibt x = 6 Stunden. Algebraisch erhält man dasselbe Ergebnis durch Äquivalenzumformungen — dazu kommen wir gleich.
Definition und Normalform
Eine lineare Gleichung in einer Variablen ist eine Gleichung, die sich durch Äquivalenzumformungen auf die Form
\[ a \cdot x + b \;=\; 0 \qquad \text{mit } a \neq 0,\; b \in \mathbb{R} \]bringen lässt. Diese Form heisst Normalform. Die Variable x kommt dabei nur in der ersten Potenz vor — keine Quadrate, keine Wurzeln, kein x im Nenner.
| Begriff | Symbol | Bedeutung |
|---|---|---|
| Koeffizient | \(a\) | Faktor vor der Variablen, \(a \in \mathbb{R},\; a \neq 0\) |
| Absolutglied | \(b\) | konstanter Summand, \(b \in \mathbb{R}\) |
| Lösungsformel | \(x = -\dfrac{b}{a}\) | gilt nur, wenn \(a \neq 0\) |
| Normalform | \(a \cdot x + b = 0\) | Zielform für die Klassifikation |
Die Gleichung \(12 \cdot x + 45 = 117\) ist eine lineare Gleichung. Subtraktion von 117 auf beiden Seiten liefert die Normalform:
\[ 12 \cdot x + 45 - 117 \;=\; 0 \quad\Longleftrightarrow\quad 12 \cdot x - 72 \;=\; 0. \]Hier ist \(a = 12\) und \(b = -72\). Daraus die Lösungsformel: \(x = -\dfrac{-72}{12} = 6\).
✏️ Mini-Check — Normalform
Die Normalform der linearen Gleichung lautet …
- \(a x^2 + b = 0\)
- \(a \cdot x + b = 0\) mit \(a \neq 0\)
- \(a \cdot x + b\)
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\(2x - 3 = 5\) hat die Lösung \(x =\) .
Lösung anzeigen
Bringe \(2x - 3 = 5\) auf Normalform.
Lösung anzeigen
Warum verlangt die Definition \(a \neq 0\)?
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Drei Sichten auf dieselbe Gleichung
Die Gleichung \(a \cdot x + b = c\) lässt sich auf drei Arten lesen — algebraisch, tabellarisch und grafisch. Alle drei Darstellungen enthalten dieselbe Information, machen aber unterschiedliche Aspekte sichtbar.
Die algebraische Sicht ist die Gleichung selbst. Die tabellarische Sicht probiert Werte aus. Die grafische Sicht zeichnet beide Seiten als Funktionen — der x-Wert des Schnittpunkts ist die Lösung. Letzteres heisst Funktionen-Methode und wird im Kapitel 3.2 Lineare Funktionen systematisch ausgebaut.
Lösungsverfahren — Äquivalenzumformungen ↩ 1.3
Eine lineare Gleichung wird gelöst, indem man die Variable durch Äquivalenzumformungen Schritt für Schritt isoliert. Die Strategie ist immer dieselbe: zuerst alle x-Terme auf eine Seite, dann alle Konstanten auf die andere, schliesslich durch den Koeffizienten teilen.
- Klammern auflösen, Brüche durch Multiplikation eliminieren.
- Alle x-Terme auf eine Seite, alle Konstanten auf die andere Seite.
- Zusammenfassen.
- Durch den Koeffizienten von x dividieren.
- Probe in der ursprünglichen Gleichung.
Löse \(\dfrac{x}{3} + 2 \;=\; \dfrac{x}{2} - 1\).
Beide Seiten mit 6 multiplizieren (Hauptnenner), um die Brüche zu eliminieren:
\[ 2 \cdot x + 12 \;=\; 3 \cdot x - 6. \]Subtraktion von \(2 \cdot x\) und Addition von 6 auf beiden Seiten:
\[ 18 \;=\; x. \]Probe: \(\tfrac{18}{3} + 2 = 8\) und \(\tfrac{18}{2} - 1 = 8\). ✓
- Vorzeichen vergessen beim Hinüberbringen: Aus \(2x = 3x - 6\) wird durch Subtraktion von 3x die Gleichung \(-x = -6\), nicht \(x = -6\).
- Klammer falsch verteilt: Aus \(2(x - 3) = 4\) wird \(2x - 6 = 4\) — der Faktor 2 muss auf beide Glieder.
- Mit 0 multipliziert: Multiplikation oder Division mit 0 ist keine Äquivalenzumformung.
✏️ Mini-Check — Lösungsverfahren
\(5x - 7 = 2x + 8\): Welcher erste Schritt sammelt die Variablen links?
- beidseitig \(: 5\)
- beidseitig \(- 2x\)
- beidseitig \(\cdot\, 2\)
Lösung anzeigen
Ziel der Äquivalenzumformungen ist, die Variable zu .
Lösung anzeigen
Löse \(5x - 7 = 2x + 8\) fertig.
Lösung anzeigen
Löse \(4 \cdot (x - 2) = 2x + 6\).
Lösungsweg anzeigen
Drei Lösungsfälle
Bringt man eine lineare Gleichung auf die Normalform \(a \cdot x + b = 0\), so entscheidet das Wertepaar \((a, b)\) darüber, wie viele Lösungen es gibt:
\(2 \cdot (x + 3) \;=\; 2 \cdot x + 9\). Ausmultiplizieren:
\[ 2 \cdot x + 6 \;=\; 2 \cdot x + 9. \]Subtraktion von \(2 \cdot x\) liefert \(6 = 9\). Das ist falsch für jedes x. Also \(\mathbb{L} = \{\,\}\).
\(4 \cdot x + 8 \;=\; 4 \cdot (x + 2)\). Ausmultiplizieren rechts:
\[ 4 \cdot x + 8 \;=\; 4 \cdot x + 8. \]Beide Seiten sind identisch. Die Gleichung ist für jedes x wahr. Also \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\).
Parameterdiskussion
In der Praxis enthält eine Gleichung oft einen Parameter — einen zweiten Buchstaben neben der Unbekannten \(x\), von dem man wissen will, wie die Lösung von ihm abhängt. Beispiel: Wir untersuchen
\[ k \cdot x + 6 \;=\; 2 \cdot x + 3 \cdot k \qquad (k \in \mathbb{R}). \]Sortieren auf die Form \(a(k) \cdot x = b(k)\):
\[ (k - 2) \cdot x \;=\; 3 \cdot k - 6 \quad\Longleftrightarrow\quad (k - 2) \cdot x \;=\; 3 \cdot (k - 2). \]Jetzt entscheidet der Parameterwert k, in welchen der drei Lösungsfälle wir landen.
- Gleichung auf die Form \(a(k) \cdot x = b(k)\) sortieren.
- Den kritischen Parameterwert finden, bei dem \(a(k) = 0\) wird.
- Drei Fälle unterscheiden:
- \(a(k) \neq 0\): eindeutig lösbar, \(x = \tfrac{b(k)}{a(k)}\).
- \(a(k) = 0\) und \(b(k) \neq 0\): keine Lösung.
- \(a(k) = 0\) und \(b(k) = 0\): Identität, \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\).
- Die Lösungsmenge in Abhängigkeit von k formulieren.
Für die obige Gleichung \((k-2) \cdot x = 3 \cdot (k - 2)\) gilt:
- k = 2: beide Seiten werden 0, also \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\) (Identität).
- k ≠ 2: Division durch \((k - 2)\) ergibt \(x = 3\), also \(\mathbb{L} = \{3\}\).
Bemerkenswert: für jedes k ≠ 2 ist die Lösung dieselbe (x = 3). Das hatten wir nicht zwingend erwarten müssen — es kommt vom Faktor \((k-2)\) auf beiden Seiten.
Das vorige Beispiel liefert beim kritischen Wert \(k = 2\) eine Identität (\(\mathbb{L} = \mathbb{R}\)) — das ist Fall 3. Der andere Sonderfall „keine Lösung" (\(\mathbb{L} = \{\,\}\), Fall 2) tritt nur auf, wenn bei \(a(k) = 0\) der Term \(b(k)\) nicht ebenfalls verschwindet. Das zeigt folgendes System:
\[ k \cdot x + 1 \;=\; 2 \cdot x + 3 \qquad (k \in \mathbb{R}). \]Sortieren auf \(a(k) \cdot x = b(k)\):
\[ (k - 2) \cdot x \;=\; 2. \]Hier ist \(a(k) = k - 2\) und \(b(k) = 2\) — eine Konstante, die unabhängig von k ungleich 0 ist. Drei Fälle:
- k ≠ 2: \(a(k) \neq 0\), eindeutig lösbar mit \(x = \tfrac{2}{k - 2}\).
- k = 2: \(a(k) = 0\) und \(b(k) = 2 \neq 0\), also \(0 \cdot x = 2\) — das ist für kein x erfüllbar. \(\mathbb{L} = \{\,\}\).
Probe für \(k = 3\): Gleichung \(3x + 1 = 2x + 3 \Rightarrow x = 2\). Formel: \(x = \tfrac{2}{3-2} = 2\) ✓. Für \(k = 4\): \(4x + 1 = 2x + 3 \Rightarrow 2x = 2 \Rightarrow x = 1\). Formel: \(x = \tfrac{2}{4-2} = 1\) ✓.
Vergleich der beiden Beispiele: Was Fall 2 von Fall 3 unterscheidet, ist allein \(b(k)\): verschwindet \(b\) am kritischen Wert mit, gibt's eine Identität (Fall 3); verschwindet \(b\) nicht mit, gibt's einen Widerspruch (Fall 2).
✏️ Mini-Check — Lösungsfälle und Parameter
\(2x + 3 = 2x + 3\) hat …
- keine Lösung
- genau eine Lösung
- unendlich viele Lösungen
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\(0 \cdot x = 5\) hat Lösung.
Lösung anzeigen
Löse \(k \cdot x = 6\) — für \(k \neq 0\) und für \(k = 0\).
Lösung anzeigen
Für welchen Wert von \(k\) hat \(kx - 2x = 4\) keine Lösung?
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Lineare Ungleichungen
Eine lineare Ungleichung entsteht, wenn das Gleichheitszeichen durch \(<,\;\le,\;>\) oder \(\ge\) ersetzt wird. Statt einer einzelnen Lösung erhält man typischerweise ein Intervall.
Addition und Subtraktion sowie Multiplikation und Division mit einer positiven Zahl funktionieren genau wie bei Gleichungen. An zwei Stellen aber kehrt sich das Ungleichheitszeichen um.
Erstens: Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl.
\(-x \le 5 \;\;\mid\, \cdot(-1) \;\;\Longleftrightarrow\;\; x \ge -5\)
Zweitens: das Vertauschen der beiden Seiten. Diese Stelle wird leicht übersehen: Wer beim Sortieren die Unbekannte rechts stehen lässt, muss das Zeichen mitdrehen, sobald er die Lösung in der üblichen Form mit \(x\) auf der linken Seite aufschreibt.
\(-3 < x \;\;\Longleftrightarrow\;\; x > -3\)
In beiden Fällen ändert sich nur die Schreibweise, nicht die Aussage — die kleinere Zahl bleibt die kleinere.
Ab welcher gefahrenen Strecke übersteigen die Kosten \(K(x) = 30 + 0.45 \cdot x\) das Budget von 75 CHF?
\(30 + 0.45 \cdot x > 75 \;\;\mid\, -30\)
\(0.45 \cdot x > 45 \;\;\mid\, : 0.45\)
\(x > 100\). Lösungsmenge: \(\mathbb{L} = \{x \in \mathbb{R} \mid x > 100\}\) — also ab mehr als 100 km.
Vertiefung: Zwei Ungleichungs-Aufgaben (Vorzeichen-Umkehr und doppelte Ungleichung) findest du in der Druckseite „Teste dich selbst".
Bevor du eine lineare Gleichung Schritt für Schritt umformst, lohnt sich ein kurzer Überblick:
- Klammern auflösen (Distributivgesetz) — danach sind alle \(x\)-Terme einzeln sichtbar.
- Brüche entfernen — mit dem Hauptnenner durchmultiplizieren, dann hat man nur noch ganze Koeffizienten.
- Sortieren — alle \(x\)-Terme auf eine Seite, alle Konstanten auf die andere.
- Durch den \(x\)-Koeffizienten teilen — letzter Schritt zur isolierten Variablen.
Wer von Anfang an erkennt, welche Schritte nötig sind, vermeidet überflüssiges Hin-und-Her — und kann bei einer Parametergleichung sofort sehen, wo der kritische Koeffizient \((a)\) auftritt.
Beim Verschieben eines Summanden über das Gleichheitszeichen ändert sich sein Vorzeichen. Aus \(2x + 5 = 11\) wird also \(2x = 11 - 5 = 6\), nicht \(2x = 11 + 5\). Wer mit Äquivalenzumformungen rechnet (\(-5\) auf beiden Seiten), läuft selten in diese Falle — bei mentalem „Rüberholen" passiert sie häufig. Tipp: Im Zweifel die Äquivalenzumformung explizit hinschreiben.
✏️ Mini-Check — Lineare Ungleichungen
\(-2x < 6\) — die Lösungsmenge ist …
- \(x < -3\)
- \(x > -3\)
- \(x < 3\)
Lösung anzeigen
Bei Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl das Ungleichheitszeichen.
Lösung anzeigen
Löse \(3x - 5 \leq 7\).
Lösung anzeigen
Schreibe die Lösungsmenge von \(x > -3\) als Intervall.
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Aufgaben
Ordne jeder Gleichung den passenden Lösungsfall zu (eindeutig · keine Lösung · Identität). Klick auf die Buttons.
Bringe die Gleichungen auf die Normalform \(a \cdot x + b = 0\) und gib a und b an.
- \(7 \cdot x - 4 = 3 \cdot x + 12\)
- \(5 - 2 \cdot (x + 1) = x\)
- \(\dfrac{x}{4} + 3 = \dfrac{x}{2} - 1\)
- \(4 \cdot x - 16 = 0\), also \(a = 4,\; b = -16\).
- \(5 - 2x - 2 - x = 0 \Rightarrow -3x + 3 = 0\), also \(a = -3,\; b = 3\) (oder gleichwertig \(3x - 3 = 0\)).
- Mit 4 multiplizieren: \(x + 12 = 2x - 4 \Rightarrow -x + 16 = 0\), also \(a = -1,\; b = 16\).
Löse die Gleichungen und führe die Probe durch.
- \(3 \cdot (x - 2) = 2 \cdot x + 1\)
- \(\dfrac{2x - 1}{3} = \dfrac{x + 4}{5}\)
- \(\dfrac{x}{2} - \dfrac{x - 3}{4} = 1\)
- \(3x - 6 = 2x + 1 \Rightarrow x = 7\). Probe: \(3(7-2) = 15\), \(2 \cdot 7 + 1 = 15\) ✓. \(\mathbb{L} = \{7\}\).
- Mit 15 multiplizieren: \(5(2x-1) = 3(x+4) \Rightarrow 10x - 5 = 3x + 12 \Rightarrow 7x = 17 \Rightarrow x = \tfrac{17}{7}\). Probe einsetzen ✓.
- Mit 4 multiplizieren: \(2x - (x-3) = 4 \Rightarrow x + 3 = 4 \Rightarrow x = 1\). Probe: \(\tfrac{1}{2} - \tfrac{-2}{4} = \tfrac{1}{2} + \tfrac{1}{2} = 1\) ✓.
Löse \(\;4 \cdot x + 11 \;=\; 9 \cdot x - 4\) und gib x ein.
Diskutiere die Lösungsmenge der Gleichung in Abhängigkeit vom Parameter m ∈ ℝ:
\[ m \cdot x - 4 \;=\; 2 \cdot x + 2 \cdot m. \]Wann ist sie eindeutig lösbar? Wann hat sie keine Lösung? Wann ist sie eine Identität?
Sortieren: \((m - 2) \cdot x = 2m + 4\), also \((m - 2) \cdot x = 2 \cdot (m + 2)\).
Fallunterscheidung:
- m = 2 → linke Seite wird 0, rechte Seite wird \(2 \cdot 4 = 8 \neq 0\). Widerspruch, also \(\mathbb{L} = \{\,\}\).
- m ≠ 2 → eindeutig lösbar mit \(x = \dfrac{2(m+2)}{m-2}\).
Bemerkung: Für \(m = -2\) wird \(x = \tfrac{2 \cdot 0}{-4} = 0\) — die Standardformel funktioniert hier problemlos, anders als bei \(m = 2\). Kritisch ist also nur \(m = 2\), wo der Faktor \((m-2)\) vor dem \(x\) null wird.
Eine Identität (Lösungsmenge ganz \(\mathbb{R}\)) tritt für kein \(m\) auf: dafür müssten beide Seiten gleichzeitig null werden — also \((m-2) = 0\) und \(2(m+2) = 0\). Das widerspricht sich (\(m = 2\) bzw. \(m = -2\)).
Anbieter A verlangt eine Grundgebühr von 30 CHF plus 0.20 CHF pro Minute Telefonzeit. Anbieter B hat keine Grundgebühr, aber 0.35 CHF pro Minute. Ab welcher Gesprächsdauer kostet A weniger als B?
Sei t die Gesprächsdauer in Minuten. Kosten: \(K_A(t) = 0.20 \cdot t + 30\) und \(K_B(t) = 0.35 \cdot t\). Die Frage „Ab wann kostet A weniger als B?" ist eine Ungleichung:
\[ 0.20 \cdot t + 30 \;<\; 0.35 \cdot t \;\;\mid\, -0.20 \cdot t \] \[ 30 \;<\; 0.15 \cdot t \;\;\mid\, : 0.15 \] \[ 200 \;<\; t \quad\text{bzw.}\quad t \;>\; 200. \]Antwort: Ab t > 200 Minuten ist A günstiger. Bei t = 200 Minuten kosten beide gleich viel (je 70 CHF) — das ist der Schnittpunkt der beiden Kostengeraden.
Eine Schülerin überlegt sich zwei Nebenjobs:
- (A) Café-Job: 25 CHF pro Stunde, sonst nichts.
- (B) Stadtführungen: 18 CHF pro Stunde plus eine pauschale Antrittsgebühr von 70 CHF pro Tag (auch wenn nur eine Stunde geleistet wird).
- Stelle für beide Jobs eine lineare Funktion auf, die den Tagesverdienst \(L(t)\) in Abhängigkeit von der Arbeitszeit \(t\) (in Stunden) beschreibt.
- Bei welcher Arbeitszeit verdient sie in beiden Jobs gleich viel?
- Welches Modell ist für einen Halbtagsjob (4 h) lukrativer?
- \(L_A(t) = 25\cdot t\) und \(L_B(t) = 18\cdot t + 70\).
- Gleichsetzen: \(25t = 18t + 70 \Rightarrow 7t = 70 \Rightarrow t = 10\,\text{h}\). Gemeinsamer Wert: \(L = 250\,\text{CHF}\).
- Bei \(t = 4\): \(L_A = 100\,\text{CHF}\), \(L_B = 72 + 70 = 142\,\text{CHF}\). Für Halbtage sind Stadtführungen klar lukrativer — die Pauschale wirkt sich stark aus. Erst ab 10 h Tagesarbeit lohnt sich der Café-Job.
Bestimme die Lösungsmenge der Ungleichung: \(5 - 2 \cdot x \;\ge\; 13\).
Konstante isolieren:
\[ 5 - 2 \cdot x \;\ge\; 13 \quad\big|\, -5 \] \[ -2 \cdot x \;\ge\; 8 \]Jetzt durch \(-2\) teilen. Achtung — negativer Faktor: Ungleichheitszeichen kippt (\(\ge\) wird zu \(\le\)):
\[ x \;\le\; -4. \]Lösungsmenge: \(\mathbb{L} = \{x \in \mathbb{R} \mid x \le -4\} = \,]\!-\!\infty;\;-4]\). Probe mit \(x = -5\): \(5 - 2 \cdot (-5) = 5 + 10 = 15 \ge 13\) ✓. Probe mit \(x = -3\) (sollte nicht erfüllt sein): \(5 - 2 \cdot (-3) = 11 \not\ge 13\) ✓ (also korrekt ausserhalb).
Zusammenfassung
Eine lineare Gleichung beschreibt einen Schnittpunkt zweier Geraden. Sortiere x-Terme und Konstanten getrennt; bei einem Parameter trenne auf \(a(k) \cdot x = b(k)\) und prüfe drei Fälle.
| Lineare Gleichung | \(a \cdot x + b = 0\) mit \(a, b \in \mathbb{R}\) |
| Lösungsformel | \(x = -\dfrac{b}{a}\) für \(a \neq 0\) |
| Drei Fälle | eindeutig (\(a \neq 0\)); keine Lösung (\(a=0,\; b\neq 0\)); Identität (\(a=b=0\)) |
| Lösungsstrategie | Klammern → Brüche → x sortieren → dividieren → Probe |
| Geometrie | Lösung = x-Wert des Schnittpunkts der beiden Seitengeraden |
| Parameterdiskussion | auf \(a(k) \cdot x = b(k)\) bringen, dann drei Fälle in k |
Clips
Clips zu den Animationen — was jede Animation zeigt
Transkripte — der gesprochene Text zum Mitlesen
Lineare Gleichungen: Minus vor der Klammer
- 0:00Eine Klammer mit einem Minus davor. Hier entscheidet sich, ob die ganze Aufgabe stimmt.
- 0:09Minus zwei mal x ist minus zwei x. Minus zwei mal minus vier ist plus acht.
- 0:21Ein Zeichen Unterschied — und ein völlig anderes Ergebnis.
- 0:31Die Probe entscheidet. Einundzwanzig ist nicht fünf — der linke Weg ist falsch.
- 0:42So sieht der ganze Weg aus, mit angeschriebenen Umformungen und Lösungsmenge.
- 0:55Das Minus gehört zu jedem Summanden in der Klammer. Im Zweifel: Probe.
Lineare Gleichungen: nennerfrei mit dem kgV
- 0:00Eine Gleichung mit Zahlenbrüchen. Die macht man zuerst nennerfrei.
- 0:09Die Nenner sind zwei und drei. Das kleinste gemeinsame Vielfache ist sechs.
- 0:19Mal sechs. Und zwar jeden Summanden einzeln, auch die Vier ohne Bruchstrich.
- 0:32Klammer auflösen, sortieren, fertig.
- 0:43Probe: links minus neun, rechts minus neun. Stimmt.
- 0:53Wer die Vier vergisst, bekommt minus zwei. Und die Probe verrät es sofort.
- 1:02Mit dem kgV multiplizieren heisst: jeden Summanden. Auch den ohne Nenner.
Lineare Gleichungen: drei Ausgänge
- 0:00Jede lineare Gleichung endet in einem von drei Fällen.
- 0:09Der Normalfall: das x bleibt stehen, und am Schluss steht eine Zahl.
- 0:21Manchmal fällt das x weg. Dann ist die Gleichung nicht kaputt — sie antwortet anders.
- 0:28Minus fünfzehn ist nicht vier. Eine falsche Aussage — also gibt es keine Lösung.
- 0:40Sechs ist sechs. Eine wahre Aussage — also passt jedes x.
- 0:51Erst rechnen. Dann anschauen, was übrig geblieben ist.
- 1:00Ist das x weg, liest man die übrig gebliebene Aussage. Wahr heisst alle, falsch heisst keine.
Ungleichungen: das Zeichen kippt
- 0:00Ungleichungen rechnet man wie Gleichungen. Bis auf eine einzige Stelle.
- 0:09Zwei ist kleiner als drei. Mal minus eins: minus zwei ist grösser als minus drei.
- 0:21Plus und minus ändern nichts. Mal und geteilt durch eine positive Zahl auch nicht.
- 0:30Mal sechs macht die Brüche weg. Sechs ist positiv, das Zeichen bleibt stehen.
- 0:40Geteilt durch minus fünf. Jetzt dreht das Zeichen: x ist kleiner gleich eins.
- 0:51Man kann das Kippen auch umgehen: das x auf die andere Seite bringen, dann bleibt der Faktor positiv.
- 1:04Wer die beiden Seiten tauscht, dreht das Zeichen mit. Sonst behauptet man das Gegenteil.
- 1:15Null erfüllt die Ungleichung, zwei nicht. Genau das sagt x kleiner gleich eins.
- 1:24Zwei Mal dreht das Zeichen: bei negativ mal oder geteilt, und beim Seitentausch. Sonst nie.
Ungleichungen: Lösungsmenge und Intervall
- 0:00Die Rechnung ist fertig. Aber das ist noch nicht die Antwort.
- 0:08Entweder als Menge oder als Intervall. Beides heisst genau dasselbe.
- 0:17Ein Zeichen Unterschied entscheidet, ob die Eins dazugehört oder nicht.
- 0:28Auch Ungleichungen können unerfüllbar oder allgemeingültig sein.
- 0:41Aus der Rechnung von vorhin: x kleiner gleich eins, sauber angeschrieben.
- 0:51Gefragt ist die Lösungsmenge, nicht nur die Zahl.
Parametergleichung: nach x auflösen
- 0:00Eine Gleichung, in der ausser dem x noch andere Buchstaben stehen.
- 0:09Links mit Zahlen, rechts mit Parametern. Schritt für Schritt derselbe Weg.
- 0:21Schritt eins: alles mit x nach links, alles andere nach rechts.
- 0:31Schritt zwei: beide Terme links enthalten x. Also x ausklammern.
- 0:40Schritt drei: durch die Klammer teilen. Und zwar durch alles, was drinsteht.
- 0:50Oben und unten die Vorzeichen drehen. Der Bruch bleibt derselbe, sieht aber freundlicher aus.
- 0:59Sortieren, ausklammern, dividieren. Und immer fragen, ob man teilen darf.
Parametergleichung: Bedingung für Lösung
- 0:00Am Schluss der letzten Rechnung stand eine Bedingung. Woher kommt die?
- 0:08Dann wird der Nenner null. Und durch null teilen ist nicht definiert.
- 0:16Statt zu behaupten, setzen wir fünf ein und schauen, was aus der Gleichung wird.
- 0:28Ist b null, stimmt die Aussage immer. Ist b nicht null, stimmt sie nie.
- 0:38Nur wenn a ungleich fünf ist, gibt es genau eine Lösung. Deshalb die Bedingung.
- 0:46Durch etwas teilen heisst: es darf nicht null sein. Dieselbe Regel wie bei jedem Nenner.
Budget-Schieber: die Lösung ist der Kipppunkt
- 0:00Eine Hebebühne kostet fünfundvierzig Franken Grundgebühr und zwölf Franken pro Stunde. Das Budget ist hundertsiebzehn Franken. Bei welcher Stundenzahl kippt der Vergleich?
- 0:10Bei drei Stunden kostet die Miete einundachtzig Franken. Das ist weniger als hundertsiebzehn: Der Punkt liegt unter der grünen Budget-Linie.
- 0:20Bei sechs Stunden kostet die Miete genau hundertsiebzehn Franken. Beide Seiten sind gleich, also ist x gleich sechs die Lösung. Hier schneidet die Gerade die Budget-Linie.
- 0:30Bei acht Stunden kostet die Miete hunderteinundvierzig Franken, mehr als das Budget. Der Punkt liegt jetzt über der grünen Linie.
- 0:39Merke: Die Lösung der Gleichung ist genau der Kipppunkt. Links von sechs ist die linke Seite kleiner, rechts davon grösser. Die Gleichung trennt die beiden Bereiche der Ungleichung.
Drei Darstellungen: Abstand null ist die Lösung
- 0:00Die Gleichung zwei x minus drei gleich fünf lässt sich als Term, als Tabelle und als Graph lesen. Was zeigen Tabelle und Graph an der Lösung?
- 0:09Bei x gleich eins ist die linke Seite minus eins, kleiner als fünf. Im Graphen liegen die beiden Punkte sechs Einheiten auseinander.
- 0:19Bei x gleich vier sind beide Seiten fünf. Der Abstand ist null, die beiden Geraden schneiden sich im Punkt vier, fünf. Also ist x gleich vier die Lösung.
- 0:28Bei x gleich sechs ist die linke Seite neun, grösser als fünf. Der Abstand wächst wieder, jetzt liegt die blaue Gerade oben.
- 0:38Merke: Eine Gleichung lösen heisst, die Stelle zu finden, an der beide Seiten gleich sind. In der Tabelle kippt dort das Zeichen, im Graphen wird der Abstand null. Tabelle, Graph und Term sind drei Ansichten derselben Frage.
Drei Lösungsfälle: was von x übrig bleibt
- 0:00Drei harmlos aussehende Gleichungen. Forme jede um, bis x allein stünde. In welchem Fall verschwindet x, und was bleibt dann übrig?
- 0:09Drei x plus zwei gleich elf. Minus zwei, dann durch drei: x gleich drei. x bleibt stehen, es gibt genau eine Lösung. Die beiden Geraden schneiden sich.
- 0:19Zwei x plus fünf gleich zwei x plus eins. Minus zwei x, und x ist weg. Übrig bleibt fünf gleich eins, eine falsche Aussage. Es gibt keine Lösung, die Geraden sind parallel.
- 0:31Rechts ausmultipliziert steht auf beiden Seiten vier x plus acht. Minus vier x ergibt acht gleich acht, eine wahre Aussage. Jede Zahl ist Lösung, beide Seiten sind dieselbe Gerade.
- 0:43Merke: Bleibt x beim Umformen stehen, gibt es genau eine Lösung. Verschwindet x, entscheidet die Aussage, die übrig bleibt: Ist sie falsch, gibt es keine Lösung, ist sie wahr, ist jede Zahl Lösung.
Parameter k: der Sonderwert entscheidet
- 0:00Beide Beispiele haben links den Faktor k minus zwei vor x. Rechts steht in A drei mal k minus zwei, in B die Zahl zwei. Bei welchem k ändert sich der Lösungsfall?
- 0:11In Beispiel A mit k gleich vier steht zwei x gleich sechs, also x gleich drei. Schiebst du k weiter, bleibt x bei drei, solange k nicht zwei ist.
- 0:21Bei k gleich zwei werden beide Seiten null. Es bleibt null gleich null, eine wahre Aussage. Jede Zahl ist Lösung.
- 0:30In Beispiel B wird bei k gleich zwei die linke Seite null, rechts bleibt zwei. Null gleich zwei ist falsch: Es gibt keine Lösung.
- 0:40Merke: Am Sonderwert k gleich zwei wird der Faktor vor x null. Dann entscheidet die rechte Seite: Verschwindet sie mit, ist jede Zahl Lösung, bleibt sie stehen, gibt es keine. Für jedes andere k gibt es genau eine Lösung.
Vorzeichenkipp: negatives k spiegelt die Zahlengerade
- 0:00Die wahre Aussage zwei kleiner fünf wird mit k multipliziert. Was passiert mit der Reihenfolge, wenn k negativ wird?
- 0:09Mit k gleich zwei wird aus zwei die Vier und aus fünf die Zehn. Beide werden gestreckt, die Reihenfolge bleibt: vier ist kleiner als zehn.
- 0:19Mit k gleich null fallen beide Zahlen auf die Null. Aus der wahren Ungleichung wird null gleich null. Die Multiplikation mit null ist keine Äquivalenzumformung.
- 0:28Mit k gleich minus zwei wird aus zwei die minus Vier und aus fünf die minus Zehn. Die Zahlengerade wird am Nullpunkt gespiegelt: Jetzt ist minus vier grösser als minus zehn.
- 0:39Merke: Ein negativer Faktor spiegelt die Zahlengerade am Nullpunkt. Dabei kehrt sich die Reihenfolge um, darum kippt das Zeichen. Die Multiplikation mit null zerstört die Information.