Grundlagenfach · Lerngebiet 2 · Gleichungen, Ungleichungen und Gleichungssysteme · 35 Lektionen

2.2a Lineare Gleichungen

RLP 2.2 · Teil 1 von 2

Eine lineare Gleichung wie \(2x - 5 = 11\) lässt sich mit wenigen Äquivalenzumformungen lösen — sauber, eindeutig und nachprüfbar. Hier lernst du die Standard-Lösungsmethoden, übst den Umgang mit Parametern (wann hat die Gleichung keine, eine oder unendlich viele Lösungen?).

📋 Kompetenzen nach RLP 2030 — Teilgebiet 2.2
  • lineare Gleichungen lösen, verschiedene Lösungsmethoden erklären und anwenden, inkl. Parameterdiskussion auch ohne Hilfsmittel

Die quadratischen Gleichungen werden in Teil 2 (g2-2b) behandelt.

🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
  • Ich kann lineare Gleichungen mit Äquivalenzumformungen sicher lösen und die Schritte begründen.
  • Ich kann die Normalform \(a \cdot x + b = 0\) herstellen und die Lösung \(x = -\tfrac{b}{a}\) deuten.
  • Ich kann die drei Lösungsfälle (genau eine Lösung, keine, unendlich viele) erkennen und unterscheiden.
  • Ich kann eine Parameterdiskussion führen: die Lösung in Abhängigkeit von \(k\) formulieren und Sonderfälle benennen.
  • Ich kann lineare Ungleichungen lösen — inklusive Vorzeichenkipp bei Multiplikation mit negativen Zahlen.

Einstieg — Mietkosten als Geradenmodell

Eine Werkstatt mietet eine Hebebühne. Die Mietfirma berechnet eine Grundgebühr von 45 CHF plus 12 CHF pro Stunde. Wie viele Stunden lassen sich für ein Budget von 117 CHF mieten?

Modellbildung: Sei x die Anzahl Mietstunden, K die Mietkosten in Franken. Dann ist

\[ K(x) \;=\; 12 \cdot x + 45 \]

eine lineare Funktion. Die Frage „wie viele Stunden für 117 CHF?" wird zur linearen Gleichung

\[ 12 \cdot x + 45 \;=\; 117. \]

Schieber: Wann erreicht K(x) das Budget?

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Die Lösung der Gleichung ist genau der Kippunkt: dort sind linke und rechte Seite wertgleich. Links davon gilt \(<\), rechts davon \(>\) — die Gleichung trennt die beiden Ungleichungs-Bereiche.

Der Schieber verändert x. Die linke Seite zeigt die Mietkosten, die rechte das Budget. Die Lösung ist der Wert, bei dem beide Seiten gleich sind.

3
Aktuelle Bilanz
12·3 + 45 = 81    vs.    117

Die Lösung lässt sich grafisch ablesen: dort, wo die Gerade K(x) = 12·x + 45 die waagrechte Linie K = 117 schneidet. Das ergibt x = 6 Stunden. Algebraisch erhält man dasselbe Ergebnis durch Äquivalenzumformungen — dazu kommen wir gleich.

Definition und Normalform

📘 Definition · Lineare Gleichung

Eine lineare Gleichung in einer Variablen ist eine Gleichung, die sich durch Äquivalenzumformungen auf die Form

\[ a \cdot x + b \;=\; 0 \qquad \text{mit } a \neq 0,\; b \in \mathbb{R} \]

bringen lässt. Diese Form heisst Normalform. Die Variable x kommt dabei nur in der ersten Potenz vor — keine Quadrate, keine Wurzeln, kein x im Nenner.

BegriffSymbolBedeutung
Koeffizient \(a\) Faktor vor der Variablen, \(a \in \mathbb{R},\; a \neq 0\)
Absolutglied \(b\) konstanter Summand, \(b \in \mathbb{R}\)
Lösungsformel \(x = -\dfrac{b}{a}\)gilt nur, wenn \(a \neq 0\)
Normalform \(a \cdot x + b = 0\)Zielform für die Klassifikation
🟢 Beispiel · Auf Normalform bringen

Die Gleichung \(12 \cdot x + 45 = 117\) ist eine lineare Gleichung. Subtraktion von 117 auf beiden Seiten liefert die Normalform:

\[ 12 \cdot x + 45 - 117 \;=\; 0 \quad\Longleftrightarrow\quad 12 \cdot x - 72 \;=\; 0. \]

Hier ist \(a = 12\) und \(b = -72\). Daraus die Lösungsformel: \(x = -\dfrac{-72}{12} = 6\).

✏️ Mini-Check — Normalform
Multiple Choice

Die Normalform der linearen Gleichung lautet …

  • \(a x^2 + b = 0\)
  • \(a \cdot x + b = 0\) mit \(a \neq 0\)
  • \(a \cdot x + b\)
Lösung anzeigen
B. Ohne Gleichheitszeichen (C) ist es nur ein Term; mit \(x^2\) (A) wäre die Gleichung quadratisch.
Lückentext

\(2x - 3 = 5\) hat die Lösung \(x =\) .

Lösung anzeigen
\(4\): \(2x = 8\), also \(x = 4\).
Kurze Rechnung

Bringe \(2x - 3 = 5\) auf Normalform.

Lösung anzeigen
Beidseitig \(-5\): \(2x - 8 = 0\) — Form \(ax + b = 0\) mit \(a = 2\), \(b = -8\).
Transfer

Warum verlangt die Definition \(a \neq 0\)?

Lösungsweg anzeigen
Mit \(a = 0\) verschwindet die Variable: \(0 \cdot x + b = 0\) ist keine Gleichung in \(x\) mehr, sondern nur noch die Aussage \(b = 0\) — je nach \(b\) immer wahr oder immer falsch.

Drei Sichten auf dieselbe Gleichung

Die Gleichung \(a \cdot x + b = c\) lässt sich auf drei Arten lesen — algebraisch, tabellarisch und grafisch. Alle drei Darstellungen enthalten dieselbe Information, machen aber unterschiedliche Aspekte sichtbar.

Drei Darstellungen: \( 2 \cdot x - 3 = 5 \)

Schiebe x. Die Wertetabelle zeigt linke und rechte Seite, der Graph zeigt die Geraden \(y = 2x - 3\) und \(y = 5\). Die Lösung ist der Schnittpunkt.

3
xlinke Seite \(2x - 3\)rechte Seite \(5\)gleich?
Drei Darstellungen · dieselbe Gleichung, dreimal gesehen
💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Eine Gleichung lösen heisst: die Stelle finden, an der linke und rechte Seite denselben Wert haben. In der Tabelle ist das die Zeile mit dem Haken, im Graphen der Schnittpunkt der beiden Geraden. Tabelle, Graph und Term sind drei Ansichten derselben Frage — keine drei verschiedenen Verfahren.

Die algebraische Sicht ist die Gleichung selbst. Die tabellarische Sicht probiert Werte aus. Die grafische Sicht zeichnet beide Seiten als Funktionen — der x-Wert des Schnittpunkts ist die Lösung. Letzteres heisst Funktionen-Methode und wird im Kapitel 3.2 Lineare Funktionen systematisch ausgebaut.

Lösungsverfahren — Äquivalenzumformungen ↩ 1.3

Eine lineare Gleichung wird gelöst, indem man die Variable durch Äquivalenzumformungen Schritt für Schritt isoliert. Die Strategie ist immer dieselbe: zuerst alle x-Terme auf eine Seite, dann alle Konstanten auf die andere, schliesslich durch den Koeffizienten teilen.

📘 Strategie · Lineare Gleichung lösen
  1. Klammern auflösen, Brüche durch Multiplikation eliminieren.
  2. Alle x-Terme auf eine Seite, alle Konstanten auf die andere Seite.
  3. Zusammenfassen.
  4. Durch den Koeffizienten von x dividieren.
  5. Probe in der ursprünglichen Gleichung.

Schrittweise: \( 5 \cdot x - 7 \;=\; 2 \cdot x + 8 \) ↩ 2.1

Klick „Nächster Schritt" — jede Zeile zeigt den Umformungsschritt mit der angewandten Operation rechts.

🟢 Beispiel · Mit Brüchen

Löse \(\dfrac{x}{3} + 2 \;=\; \dfrac{x}{2} - 1\).

Beide Seiten mit 6 multiplizieren (Hauptnenner), um die Brüche zu eliminieren:

\[ 2 \cdot x + 12 \;=\; 3 \cdot x - 6. \]

Subtraktion von \(2 \cdot x\) und Addition von 6 auf beiden Seiten:

\[ 18 \;=\; x. \]

Probe: \(\tfrac{18}{3} + 2 = 8\) und \(\tfrac{18}{2} - 1 = 8\). ✓

⚠ Häufige Fehler
  • Vorzeichen vergessen beim Hinüberbringen: Aus \(2x = 3x - 6\) wird durch Subtraktion von 3x die Gleichung \(-x = -6\), nicht \(x = -6\).
  • Klammer falsch verteilt: Aus \(2(x - 3) = 4\) wird \(2x - 6 = 4\) — der Faktor 2 muss auf beide Glieder.
  • Mit 0 multipliziert: Multiplikation oder Division mit 0 ist keine Äquivalenzumformung.
✏️ Mini-Check — Lösungsverfahren
Multiple Choice

\(5x - 7 = 2x + 8\): Welcher erste Schritt sammelt die Variablen links?

  • beidseitig \(: 5\)
  • beidseitig \(- 2x\)
  • beidseitig \(\cdot\, 2\)
Lösung anzeigen
B. \(- 2x\) ergibt \(3x - 7 = 8\) — alle \(x\)-Glieder auf einer Seite.
Lückentext

Ziel der Äquivalenzumformungen ist, die Variable zu .

Lösung anzeigen
isolieren — am Ende steht \(x = \ldots\) allein.
Kurze Rechnung

Löse \(5x - 7 = 2x + 8\) fertig.

Lösung anzeigen
\(3x - 7 = 8\) → \(3x = 15\) → \(x = 5\).
Transfer

Löse \(4 \cdot (x - 2) = 2x + 6\).

Lösungsweg anzeigen
Klammer auflösen: \(4x - 8 = 2x + 6\). Dann \(2x = 14\), also \(x = 7\). Probe: \(4 \cdot 5 = 20 = 14 + 6\) ✓.

Drei Lösungsfälle

Bringt man eine lineare Gleichung auf die Normalform \(a \cdot x + b = 0\), so entscheidet das Wertepaar \((a, b)\) darüber, wie viele Lösungen es gibt:

Fall 1: eindeutig
\(a \neq 0\)
\(\mathbb{L} = \{ -\tfrac{b}{a} \}\)
Fall 2: leer
\(a = 0,\; b \neq 0\)
\(\mathbb{L} = \emptyset\)
Fall 3: alle
\(a = 0,\; b = 0\)
\(\mathbb{L} = \mathbb{R}\)

Klick auf einen Fall — sieh die typische Gleichung

Die drei Fälle entstehen aus völlig harmlos aussehenden Gleichungen. Jeweils ist die Geometrie unterschiedlich: zwei sich schneidende Geraden, parallele Geraden oder identische Geraden.

Beispielgleichung
3·x + 2 = 11

Eindeutiger Lösungsfall. Die Gleichung wird durch Äquivalenzumformungen auf x = 3 reduziert. Geometrisch sind das zwei sich schneidende Geraden \(y = 3x + 2\) und \(y = 11\).

Drei Lösungsfälle · was beim Umformen mit \(x\) passiert
💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Die Lösungsanzahl entscheidet sich daran, was beim Umformen passiert. Bleibt \(x\) stehen, gibt es genau eine Lösung (die Geraden schneiden sich). Verschwindet \(x\) und es bleibt eine falsche Aussage wie \(3 = 5\), gibt es keine Lösung (parallel). Bleibt eine wahre Aussage wie \(5 = 5\), ist jede Zahl Lösung (identisch).
🟢 Beispiel · Fall 2 (keine Lösung)

\(2 \cdot (x + 3) \;=\; 2 \cdot x + 9\). Ausmultiplizieren:

\[ 2 \cdot x + 6 \;=\; 2 \cdot x + 9. \]

Subtraktion von \(2 \cdot x\) liefert \(6 = 9\). Das ist falsch für jedes x. Also \(\mathbb{L} = \emptyset\).

🟢 Beispiel · Fall 3 (Identität)

\(4 \cdot x + 8 \;=\; 4 \cdot (x + 2)\). Ausmultiplizieren rechts:

\[ 4 \cdot x + 8 \;=\; 4 \cdot x + 8. \]

Beide Seiten sind identisch. Die Gleichung ist für jedes x wahr. Also \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\).

Parameterdiskussion

In der Praxis enthält eine Gleichung oft einen Parameter — einen zweiten Buchstaben neben der Unbekannten \(x\), von dem man wissen will, wie die Lösung von ihm abhängt. Beispiel: Wir untersuchen

\[ k \cdot x + 6 \;=\; 2 \cdot x + 3 \cdot k \qquad (k \in \mathbb{R}). \]

Sortieren auf die Form \(a(k) \cdot x = b(k)\):

\[ (k - 2) \cdot x \;=\; 3 \cdot k - 6 \quad\Longleftrightarrow\quad (k - 2) \cdot x \;=\; 3 \cdot (k - 2). \]

Jetzt entscheidet der Parameterwert k, in welchen der drei Lösungsfälle wir landen.

Schiebe den Parameter k

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Eine Parameterdiskussion behandelt alle \(k\)-Werte auf einmal: am Sonderwert ändert sich der Lösungsfall, überall sonst gibt es genau eine Lösung als Formel in \(k\).

Die Anzeige zeigt links die Zwischenform \((k-2) \cdot x = 3(k-2)\) und rechts den daraus folgenden Lösungsfall.

4
(4 − 2)·x = 3·(4 − 2)
Fall 1: a = 2 ≠ 0 → eindeutig lösbar.
x = 3
📘 Vorgehen bei Parameterdiskussion
  1. Gleichung auf die Form \(a(k) \cdot x = b(k)\) sortieren.
  2. Den kritischen Parameterwert finden, bei dem \(a(k) = 0\) wird.
  3. Drei Fälle unterscheiden:
    • \(a(k) \neq 0\): eindeutig lösbar, \(x = \tfrac{b(k)}{a(k)}\).
    • \(a(k) = 0\) und \(b(k) \neq 0\): keine Lösung.
    • \(a(k) = 0\) und \(b(k) = 0\): Identität, \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\).
  4. Die Lösungsmenge in Abhängigkeit von k formulieren.
🟢 Beispiel · Lösung in Abhängigkeit von \(k\)

Für die obige Gleichung \((k-2) \cdot x = 3 \cdot (k - 2)\) gilt:

  • k = 2: beide Seiten werden 0, also \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\) (Identität).
  • k ≠ 2: Division durch \((k - 2)\) ergibt \(x = 3\), also \(\mathbb{L} = \{3\}\).

Bemerkenswert: für jedes k ≠ 2 ist die Lösung dieselbe (x = 3). Das hatten wir nicht zwingend erwarten müssen — es kommt vom Faktor \((k-2)\) auf beiden Seiten.

🟢 Zweites Beispiel · jetzt mit leerer Lösungsmenge

Das vorige Beispiel liefert beim kritischen Wert \(k = 2\) eine Identität (\(\mathbb{L} = \mathbb{R}\)) — das ist Fall 3. Der andere Sonderfall „keine Lösung" (\(\mathbb{L} = \emptyset\), Fall 2) tritt nur auf, wenn bei \(a(k) = 0\) der Term \(b(k)\) nicht ebenfalls verschwindet. Das zeigt folgendes System:

\[ k \cdot x + 1 \;=\; 2 \cdot x + 3 \qquad (k \in \mathbb{R}). \]

Sortieren auf \(a(k) \cdot x = b(k)\):

\[ (k - 2) \cdot x \;=\; 2. \]

Hier ist \(a(k) = k - 2\) und \(b(k) = 2\) — eine Konstante, die unabhängig von k ungleich 0 ist. Drei Fälle:

  • k ≠ 2: \(a(k) \neq 0\), eindeutig lösbar mit \(x = \tfrac{2}{k - 2}\).
  • k = 2: \(a(k) = 0\) und \(b(k) = 2 \neq 0\), also \(0 \cdot x = 2\) — das ist für kein x erfüllbar. \(\mathbb{L} = \emptyset\).

Probe für \(k = 3\): Gleichung \(3x + 1 = 2x + 3 \Rightarrow x = 2\). Formel: \(x = \tfrac{2}{3-2} = 2\) ✓. Für \(k = 4\): \(4x + 1 = 2x + 3 \Rightarrow 2x = 2 \Rightarrow x = 1\). Formel: \(x = \tfrac{2}{4-2} = 1\) ✓.

Vergleich der beiden Beispiele: Was Fall 2 von Fall 3 unterscheidet, ist allein \(b(k)\): verschwindet \(b\) am kritischen Wert mit, gibt's eine Identität (Fall 3); verschwindet \(b\) nicht mit, gibt's einen Widerspruch (Fall 2).

✏️ Mini-Check — Lösungsfälle und Parameter
Multiple Choice

\(2x + 3 = 2x + 3\) hat …

  • keine Lösung
  • genau eine Lösung
  • unendlich viele Lösungen
Lösung anzeigen
C. Die Gleichung ist allgemeingültig: \(\mathbb{L} = \mathbb{R}\).
Lückentext

\(0 \cdot x = 5\) hat Lösung.

Lösung anzeigen
keine — \(\mathbb{L} = \emptyset\), die Aussage \(0 = 5\) ist für jedes \(x\) falsch.
Kurze Rechnung

Löse \(k \cdot x = 6\) — für \(k \neq 0\) und für \(k = 0\).

Lösung anzeigen
\(k \neq 0\): genau eine Lösung \(x = \tfrac{6}{k}\). \(k = 0\): \(0 = 6\) ist falsch, \(\mathbb{L} = \emptyset\).
Transfer

Für welchen Wert von \(k\) hat \(kx - 2x = 4\) keine Lösung?

Lösungsweg anzeigen
Zusammenfassen: \((k - 2) \cdot x = 4\). Für \(k = 2\) wird daraus \(0 = 4\) — Widerspruch, \(\mathbb{L} = \emptyset\). Für alle \(k \neq 2\) gibt es genau eine Lösung \(x = \tfrac{4}{k-2}\).

Lineare Ungleichungen

Eine lineare Ungleichung entsteht, wenn das Gleichheitszeichen durch \(<,\;\le,\;>\) oder \(\ge\) ersetzt wird. Statt einer einzelnen Lösung erhält man typischerweise ein Intervall.

📘 Umformen wie bei Gleichungen — mit einer Ausnahme

Addition und Subtraktion sowie Multiplikation und Division mit einer positiven Zahl funktionieren genau wie bei Gleichungen. Aber: Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl kehrt das Ungleichheitszeichen um.

\(-x \le 5 \;\;\mid\, \cdot(-1) \;\;\Longleftrightarrow\;\; x \ge -5\)

Vorzeichenkipp beim Multiplizieren

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Ein negatives \(k\) spiegelt die Zahlengerade am Nullpunkt. Dabei kehrt sich jede Reihenfolge um — deshalb muss das Ungleichheitszeichen mitkippen. Für \(k = 0\) fällt alles auf die Null: Aus \(2 < 5\) wird \(0 = 0\). Multiplikation mit \(0\) ist darum keine Äquivalenzumformung; sie zerstört die Information.

Multipliziere die wahre Aussage \(2 < 5\) mit \(k\) und beobachte, was mit der Reihenfolge geschieht:

Multiplikation beider Seiten mit k
🟢 Beispiel — Mietkosten als Ungleichung

Ab welcher gefahrenen Strecke übersteigen die Kosten \(K(x) = 30 + 0.45 \cdot x\) das Budget von 75 CHF?

\(30 + 0.45 \cdot x > 75 \;\;\mid\, -30\)

\(0.45 \cdot x > 45 \;\;\mid\, : 0.45\)

\(x > 100\). Lösungsmenge: \(\mathbb{L} = \{x \in \mathbb{R} \mid x > 100\}\) — also ab mehr als 100 km.

Vertiefung: Zwei Ungleichungs-Aufgaben (Vorzeichen-Umkehr und doppelte Ungleichung) findest du in der Druckseite „Teste dich selbst".

💡 Strategie — bei linearen Gleichungen vor dem Rechnen sortieren

Bevor du eine lineare Gleichung Schritt für Schritt umformst, lohnt sich ein kurzer Überblick:

  1. Klammern auflösen (Distributivgesetz) — danach sind alle \(x\)-Terme einzeln sichtbar.
  2. Brüche entfernen — mit dem Hauptnenner durchmultiplizieren, dann hat man nur noch ganze Koeffizienten.
  3. Sortieren — alle \(x\)-Terme auf eine Seite, alle Konstanten auf die andere.
  4. Durch den \(x\)-Koeffizienten teilen — letzter Schritt zur isolierten Variablen.

Wer von Anfang an erkennt, welche Schritte nötig sind, vermeidet überflüssiges Hin-und-Her — und kann bei einer Parametergleichung sofort sehen, wo der kritische Koeffizient \((a)\) auftritt.

⚠ Häufiger Fehler — Vorzeichen beim Umstellen

Beim Verschieben eines Summanden über das Gleichheitszeichen ändert sich sein Vorzeichen. Aus \(2x + 5 = 11\) wird also \(2x = 11 - 5 = 6\), nicht \(2x = 11 + 5\). Wer mit Äquivalenzumformungen rechnet (\(-5\) auf beiden Seiten), läuft selten in diese Falle — bei mentalem „Rüberholen" passiert sie häufig. Tipp: Im Zweifel die Äquivalenzumformung explizit hinschreiben.

✏️ Mini-Check — Lineare Ungleichungen
Multiple Choice

\(-2x < 6\) — die Lösungsmenge ist …

  • \(x < -3\)
  • \(x > -3\)
  • \(x < 3\)
Lösung anzeigen
B. Division durch \(-2\) kippt das Zeichen: \(x > -3\).
Lückentext

Bei Multiplikation oder Division mit einer negativen Zahl das Ungleichheitszeichen.

Lösung anzeigen
kippt (dreht sich um).
Kurze Rechnung

Löse \(3x - 5 \leq 7\).

Lösung anzeigen
\(3x \leq 12\), also \(x \leq 4\) — kein Kipp, da durch \(+3\) geteilt wird.
Transfer

Schreibe die Lösungsmenge von \(x > -3\) als Intervall.

Lösungsweg anzeigen
\(\mathbb{L} = \;]-3;\, \infty[\) — links offen (die \(-3\) gehört nicht dazu), rechts offen gegen unendlich.

Aufgaben

🟠 A1Lösungsfall erkennen

Ordne jeder Gleichung den passenden Lösungsfall zu (eindeutig · keine Lösung · Identität). Klick auf die Buttons.

🟠 A2Auf Normalform bringen

Bringe die Gleichungen auf die Normalform \(a \cdot x + b = 0\) und gib a und b an.

  1. \(7 \cdot x - 4 = 3 \cdot x + 12\)
  2. \(5 - 2 \cdot (x + 1) = x\)
  3. \(\dfrac{x}{4} + 3 = \dfrac{x}{2} - 1\)
🟢 Lösung
  1. \(4 \cdot x - 16 = 0\), also \(a = 4,\; b = -16\).
  2. \(5 - 2x - 2 - x = 0 \Rightarrow -3x + 3 = 0\), also \(a = -3,\; b = 3\) (oder gleichwertig \(3x - 3 = 0\)).
  3. Mit 4 multiplizieren: \(x + 12 = 2x - 4 \Rightarrow -x + 16 = 0\), also \(a = -1,\; b = 16\).
🟠 A3Lösen mit Probe

Löse die Gleichungen und führe die Probe durch.

  1. \(3 \cdot (x - 2) = 2 \cdot x + 1\)
  2. \(\dfrac{2x - 1}{3} = \dfrac{x + 4}{5}\)
  3. \(\dfrac{x}{2} - \dfrac{x - 3}{4} = 1\)
🟢 Lösung
  1. \(3x - 6 = 2x + 1 \Rightarrow x = 7\). Probe: \(3(7-2) = 15\), \(2 \cdot 7 + 1 = 15\) ✓. \(\mathbb{L} = \{7\}\).
  2. Mit 15 multiplizieren: \(5(2x-1) = 3(x+4) \Rightarrow 10x - 5 = 3x + 12 \Rightarrow 7x = 17 \Rightarrow x = \tfrac{17}{7}\). Probe einsetzen ✓.
  3. Mit 4 multiplizieren: \(2x - (x-3) = 4 \Rightarrow x + 3 = 4 \Rightarrow x = 1\). Probe: \(\tfrac{1}{2} - \tfrac{-2}{4} = \tfrac{1}{2} + \tfrac{1}{2} = 1\) ✓.
🟠 A4Eigene Lösung eingeben

Löse \(\;4 \cdot x + 11 \;=\; 9 \cdot x - 4\) und gib x ein.

🟠 A5Parameterdiskussion

Diskutiere die Lösungsmenge der Gleichung in Abhängigkeit vom Parameter m ∈ ℝ:

\[ m \cdot x - 4 \;=\; 2 \cdot x + 2 \cdot m. \]

Wann ist sie eindeutig lösbar? Wann hat sie keine Lösung? Wann ist sie eine Identität?

🟢 Lösung

Sortieren: \((m - 2) \cdot x = 2m + 4\), also \((m - 2) \cdot x = 2 \cdot (m + 2)\).

Fallunterscheidung:

  • m = 2 → linke Seite wird 0, rechte Seite wird \(2 \cdot 4 = 8 \neq 0\). Widerspruch, also \(\mathbb{L} = \emptyset\).
  • m ≠ 2 → eindeutig lösbar mit \(x = \dfrac{2(m+2)}{m-2}\).

Bemerkung: Für \(m = -2\) wird \(x = \tfrac{2 \cdot 0}{-4} = 0\) — die Standardformel funktioniert hier problemlos, anders als bei \(m = 2\). Kritisch ist also nur \(m = 2\), wo der Faktor \((m-2)\) vor dem \(x\) null wird.

Eine Identität (Lösungsmenge ganz \(\mathbb{R}\)) tritt für kein \(m\) auf: dafür müssten beide Seiten gleichzeitig null werden — also \((m-2) = 0\) und \(2(m+2) = 0\). Das widerspricht sich (\(m = 2\) bzw. \(m = -2\)).

🟠 A6Anwendung — Gleicher Stand

Anbieter A verlangt eine Grundgebühr von 30 CHF plus 0.20 CHF pro Minute Telefonzeit. Anbieter B hat keine Grundgebühr, aber 0.35 CHF pro Minute. Ab welcher Gesprächsdauer kostet A weniger als B?

🟢 Lösung

Sei t die Gesprächsdauer in Minuten. Kosten: \(K_A(t) = 0.20 \cdot t + 30\) und \(K_B(t) = 0.35 \cdot t\). Die Frage „Ab wann kostet A weniger als B?" ist eine Ungleichung:

\[ 0.20 \cdot t + 30 \;<\; 0.35 \cdot t \;\;\mid\, -0.20 \cdot t \] \[ 30 \;<\; 0.15 \cdot t \;\;\mid\, : 0.15 \] \[ 200 \;<\; t \quad\text{bzw.}\quad t \;>\; 200. \]

Antwort: Ab t > 200 Minuten ist A günstiger. Bei t = 200 Minuten kosten beide gleich viel (je 70 CHF) — das ist der Schnittpunkt der beiden Kostengeraden.

🟠 A7Zwei Stundenlohn-Modelle Brücke zu 3.2

Eine Schülerin überlegt sich zwei Nebenjobs:

  • (A) Café-Job: 25 CHF pro Stunde, sonst nichts.
  • (B) Stadtführungen: 18 CHF pro Stunde plus eine pauschale Antrittsgebühr von 70 CHF pro Tag (auch wenn nur eine Stunde geleistet wird).
  1. Stelle für beide Jobs eine lineare Funktion auf, die den Tagesverdienst \(L(t)\) in Abhängigkeit von der Arbeitszeit \(t\) (in Stunden) beschreibt.
  2. Bei welcher Arbeitszeit verdient sie in beiden Jobs gleich viel?
  3. Welches Modell ist für einen Halbtagsjob (4 h) lukrativer?
🟢 Lösung
  1. \(L_A(t) = 25\cdot t\) und \(L_B(t) = 18\cdot t + 70\).
  2. Gleichsetzen: \(25t = 18t + 70 \Rightarrow 7t = 70 \Rightarrow t = 10\,\text{h}\). Gemeinsamer Wert: \(L = 250\,\text{CHF}\).
  3. Bei \(t = 4\): \(L_A = 100\,\text{CHF}\), \(L_B = 72 + 70 = 142\,\text{CHF}\). Für Halbtage sind Stadtführungen klar lukrativer — die Pauschale wirkt sich stark aus. Erst ab 10 h Tagesarbeit lohnt sich der Café-Job.
🟠 A8Reine Ungleichung mit Zeichenkippung Kurz

Bestimme die Lösungsmenge der Ungleichung:  \(5 - 2 \cdot x \;\ge\; 13\).

🟢 Lösung

Konstante isolieren:

\[ 5 - 2 \cdot x \;\ge\; 13 \quad\big|\, -5 \] \[ -2 \cdot x \;\ge\; 8 \]

Jetzt durch \(-2\) teilen. Achtung — negativer Faktor: Ungleichheitszeichen kippt (\(\ge\) wird zu \(\le\)):

\[ x \;\le\; -4. \]

Lösungsmenge: \(\mathbb{L} = \{x \in \mathbb{R} \mid x \le -4\} = \,]\!-\!\infty;\;-4]\). Probe mit \(x = -5\): \(5 - 2 \cdot (-5) = 5 + 10 = 15 \ge 13\) ✓. Probe mit \(x = -3\) (sollte nicht erfüllt sein): \(5 - 2 \cdot (-3) = 11 \not\ge 13\) ✓ (also korrekt ausserhalb).

Zusammenfassung

⭐ Merksatz

Eine lineare Gleichung beschreibt einen Schnittpunkt zweier Geraden. Sortiere x-Terme und Konstanten getrennt; bei einem Parameter trenne auf \(a(k) \cdot x = b(k)\) und prüfe drei Fälle.

Lineare Gleichung \(a \cdot x + b = 0\) mit \(a, b \in \mathbb{R}\)
Lösungsformel \(x = -\dfrac{b}{a}\) für \(a \neq 0\)
Drei Fälle eindeutig (\(a \neq 0\)) · keine Lösung (\(a=0,\; b\neq 0\)) · Identität (\(a=b=0\))
Lösungsstrategie Klammern → Brüche → x sortieren → dividieren → Probe
Geometrie Lösung = x-Wert des Schnittpunkts der beiden Seitengeraden
Parameterdiskussion auf \(a(k) \cdot x = b(k)\) bringen, dann drei Fälle in k

Zusatzmaterial

Externe Videos & Aufgabensammlungen

🎬 Erklärvideos (Playlists)
📝 Aufgabensammlungen