Mathe begreifbar · Grundlagenfach · 4.2 Diagramme
Anwendungsaufgaben — Diagramme
Sechs Anwendungsaufgaben aus Datenanalyse und Diagrammwahl. Mit Lösungen.
Aufgaben
🟠 Aufgabe 1 — Histogramm konstruieren
Eine Klasse misst die Körpergrössen (in cm) von 25 Schülerinnen:
158, 162, 165, 167, 168, 169, 170, 170, 171, 171, 172, 173, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 182, 183, 185, 187, 189
- Wie viele Klassen empfiehlt die Faustregel?
- Bestimme Klassenbreite und Klassengrenzen.
- Berechne die Klassenhäufigkeiten.
- Charakterisiere die Verteilung (symmetrisch, schief, unimodal, bimodal).
🟠 Aufgabe 2 — Diagrammwahl rechtfertigen
Für jeden der folgenden Datensätze: nenne den passenden Diagrammtyp und begründe.
- Lieblingsmusikrichtung von n = 30 Personen (5 Kategorien).
- Wartezeiten in Minuten an einer Kasse, n = 80.
- Anzahl Geschwister bei n = 22 Schülerinnen.
- Lernzeit (Stunden) und Punkte in der Prüfung von n = 40 Lernenden.
🟠 Aufgabe 3 — Boxplot lesen
Ein Boxplot von Prüfungsergebnissen zeigt: min = 2.5, Q1 = 4.0, Median = 4.8, Q3 = 5.2, max = 5.7.
- Welche Form hat die Verteilung? Begründe.
- Wie gross ist die Quartilsdifferenz?
- Wo liegen die mittleren 50 % der Werte?
- Schätze: Mittelwert grösser oder kleiner als Median? Warum?
🟠 Aufgabe 4 — Streudiagramm interpretieren
Ein Streudiagramm zeigt für 50 Lernende: x = Lernzeit (Stunden), y = Prüfungspunkte. Die Punkte liegen näherungsweise auf einer steigenden Geraden, mit einigen Ausnahmen.
- Welcher Zusammenhang liegt vor?
- Bedeutet das, dass „mehr Lernen" automatisch zu „mehr Punkten" führt? Diskutiere.
- Warum sind „Ausnahmen" (Punkte abseits der Geraden) zu erwarten?
🟠 Aufgabe 5 — Diagramm-Kritik
Eine Zeitung zeigt ein Kuchendiagramm der Wahlergebnisse mit 11 Parteien. Der grösste Sektor hat 28 %, der kleinste 0.3 %. Diskutiere zwei konkrete Probleme dieser Darstellung und schlage eine bessere Alternative vor.
🟠 Aufgabe 6 — Verteilungsform aus Kontext erraten
Welche Verteilungsform erwartest du für die folgenden Erhebungen? Begründe in einem Satz.
- Vermögen aller Bewohner einer Stadt.
- Körpergrösse einer Schulklasse mit gemischten Geschlechtern.
- Zeit, die Studierende für die gleiche Klausur brauchen.
- Augenfarbe in einer Klasse.
Lösungen
🟢 Lösung 1 — Histogramm konstruieren
- \(\sqrt{25} = 5\) Klassen.
- min = 158, max = 189, Spanne = 31. Klassenbreite \(b = 31/5 = 6.2\) — aufgerundet auf 7 cm. Klassen: [158; 165[, [165; 172[, [172; 179[, [179; 186[, [186; 193[.
- Klassenhäufigkeiten:
- [158; 165[: 2 Werte (158, 162)
- [165; 172[: 8 Werte (165, 167, 168, 169, 170, 170, 171, 171)
- [172; 179[: 8 Werte (172, 173, 173, 174, 175, 176, 177, 178)
- [179; 186[: 5 Werte (179, 180, 182, 183, 185)
- [186; 193[: 2 Werte (187, 189)
- Annähernd symmetrisch und unimodal mit Gipfel im Bereich 165–179 cm. Plausibel für ein Mischmaterial aus Frauen und Männern in einer Klasse.
🟢 Lösung 2 — Diagrammwahl rechtfertigen
- Kuchen- oder Balkendiagramm — kategoriales Merkmal, 5 Kategorien (Kuchen funktioniert noch gut).
- Histogramm — stetiges Merkmal, Wartezeiten in Klassen einteilen.
- Balkendiagramm mit Lücken — diskretes Merkmal, kleine Anzahl Werte.
- Streudiagramm — bivariate Daten, sucht Zusammenhang zwischen den beiden Grössen.
🟢 Lösung 3 — Boxplot lesen
- Linksschief. Der Median (4.8) liegt näher am Q3 (5.2) als am Q1 (4.0), und der untere Whisker reicht weit hinunter (bis 2.5). Der „Schwanz" der Verteilung zieht nach links.
- QD = Q3 − Q1 = 5.2 − 4.0 = 1.2.
- Die mittleren 50 % liegen zwischen 4.0 und 5.2 (= Box).
- Mittelwert kleiner als Median. Bei linksschiefen Verteilungen zieht der lange linke Schwanz den Mittelwert nach unten.
🟢 Lösung 4 — Streudiagramm
- Positiver linearer Zusammenhang — mehr Lernzeit korreliert mit mehr Punkten.
- Nein, nicht automatisch. Hier sind zwei verschiedene Punkte zu unterscheiden:
- Korrelation ≠ Kausalität: Eine positive Korrelation zwischen Lernzeit und Punkten beweist nicht, dass mehr Lernen auch mehr Punkte verursacht. Möglich wären auch Drittvariablen (Motivation, Vorwissen, Schlaf) oder umgekehrte Kausalität.
- Individuelle Unterschiede: Selbst wenn ein Kausalzusammenhang besteht, wirkt er nicht bei allen gleich stark. Lernmethoden, Konzentration und Lerneffizienz unterscheiden sich von Person zu Person — eine konkrete Stunde mehr lernen führt nicht garantiert zu \(x\) Punkten mehr.
- Reale Daten enthalten immer Streuung — Tagesform, Aufgabenglück, individuelle Effizienz. Eine perfekte Gerade wäre verdächtig (zu sauber, oft auf Manipulation oder kleinen n hinweisend).
🟢 Lösung 5 — Diagramm-Kritik
Probleme:
- 11 Sektoren sind zu viele — kleine Anteile (0.3 %) sind im Kuchen praktisch unsichtbar.
- Beschriftung wird unlesbar oder muss ins Legende ausgelagert, was den schnellen Vergleich erschwert.
- Vergleiche zwischen ähnlich grossen Sektoren sind im Kuchen schwerer als im Balkendiagramm (Augen sind besser im Höhenvergleich als im Winkelvergleich).
Alternative: Horizontales Balkendiagramm, Parteien nach Grösse sortiert. So sind alle Werte direkt vergleichbar und auch kleine Anteile bleiben sichtbar.
🟢 Lösung 6 — Verteilungsform
- Stark rechtsschief — wenige sehr Vermögende erzeugen einen langen Schwanz nach rechts.
- Bimodal — zwei Gipfel, je einer für Frauen und Männer (durchschnittlich unterschiedliche Körpergrösse).
- Symmetrisch und unimodal (näherungsweise normalverteilt) — die meisten brauchen mittellange Zeit, wenige sehr kurz oder sehr lang.
- Keine kontinuierliche Form — kategorial. Daher Balken- oder Kuchendiagramm, nicht Histogramm.