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Mathe begreifbar · Grundlagenfach · 5.2b Vierecke

Handout — Theorie

1. Bezeichnungen und Innenwinkelsumme

📘 Definition

Ein Viereck hat vier Eckpunkte \(A, B, C, D\), vier Seiten \(a = AB,\; b = BC,\; c = CD,\; d = DA\), vier Innenwinkel \(\alpha, \beta, \gamma, \delta\) und zwei Diagonalen \(e = AC,\; f = BD\).

⭐ Innenwinkelsumme

\[\alpha + \beta + \gamma + \delta = 360°\]

Beweis: Eine Diagonale zerlegt das Viereck in zwei Dreiecke, die zusammen \(2 \cdot 180° = 360°\) ergeben.

Allgemein für das n-Eck (ab Dreieck): \(\sigma_n = (n-2) \cdot 180°\). Diagonalen vom Eckpunkt \(A\) aus zerlegen es in \(n - 2\) Dreiecke.

2. Vierecks-Hierarchie

TypZusätzliche BedingungEigenschaften
allgemeines Viereck\(\alpha+\beta+\gamma+\delta = 360°\)
Trapezein Paar paralleler SeitenMittellinie \(m = \tfrac{1}{2}(a+c)\)
Parallelogrammbeide Seitenpaare parallelGegenseiten gleich; Diagonalen halbieren sich
RechteckParallelogramm mit einem 90°-Winkelalle Winkel 90°; Diagonalen gleich lang
RhombusParallelogramm mit allen Seiten gleichDiagonalen senkrecht, halbieren die Winkel
QuadratRechteck und Rhombus zugleichhöchste Symmetrie
Drachenzwei Paar gleicher benachbarter Seiteneine Symmetrieachse, Diagonalen senkrecht

3. Umfang und Fläche

FormUmfangFläche
Quadrat (\(a\))\(4a\)\(a^2\)
Rechteck (\(a, b\))\(2(a+b)\)\(a \cdot b\)
Parallelogramm (\(a\) = Seite, \(g\) = Grundseite, \(h\) = Höhe)\(2(a+b)\)\(g \cdot h\)
Trapez (\(a, c\) parallel, \(h\) Höhe)\(a+b+c+d\)\(\tfrac{1}{2}(a+c)\cdot h\)
Rhombus (Seite \(a\), Diagonalen \(e, f\))\(4a\)\(\tfrac{1}{2}\,e \cdot f\)
Drachen (Seitenpaare \(a, b\); Diagonalen \(e, f\))\(2(a+b)\)\(\tfrac{1}{2}\,e \cdot f\)
⭐ Mittellinie im Trapez

Die Mittellinie ist die Strecke, die die Mittelpunkte der nicht-parallelen Schenkel verbindet:

\[m = \tfrac{1}{2}(a + c),\qquad A_{\text{Trapez}} = m \cdot h.\]

4. Sehnen- und Tangentenviereck

⭐ Sehnenviereck

Alle vier Eckpunkte liegen auf einem gemeinsamen Kreis (dem Umkreis).

Charakterisierung: \[\alpha + \gamma = 180°,\qquad \beta + \delta = 180°\] (gegenüberliegende Innenwinkel ergänzen sich auf \(180°\)).

⭐ Tangentenviereck

Es gibt einen Inkreis, der alle vier Seiten berührt.

Charakterisierung: \[a + c = b + d\] (Summen gegenüberliegender Seiten gleich).

Ein Viereck kann gleichzeitig Sehnen- und Tangentenviereck sein (bizentrisch). Das Quadrat ist das einfachste Beispiel.

5. Regelmässige Vielecke

Ein regelmässiges n-Eck hat alle \(n\) Seiten gleich lang und alle \(n\) Innenwinkel gleich gross. Es hat einen Umkreis (Radius \(R\)) und einen Inkreis (Radius \(r\), auch Apothem genannt).

GrösseFormel
Zentriwinkel\(\zeta_n = \dfrac{360°}{n}\)
Innenwinkel\(\alpha_n = \dfrac{(n-2) \cdot 180°}{n} = 180° - \zeta_n\)
Seitenlänge\(s = 2R \cdot \sin(\zeta_n/2)\)
Inkreisradius (Apothem)\(r = R \cdot \cos(\zeta_n/2)\)
Umfang\(U = n \cdot s\)
Fläche\(A = \tfrac{1}{2}\,U \cdot r = n \cdot \tfrac{1}{2}\,s \cdot r\)
💡 Drei Sonderfälle ohne Trigonometrie

n = 3 (gleichseitiges Dreieck): \(\zeta_3 = 120°,\;\alpha_3 = 60°,\;r = R/2,\;s = R\sqrt{3}\).

n = 4 (Quadrat): \(\zeta_4 = 90°,\;\alpha_4 = 90°,\;r = R\sqrt{2}/2,\;s = R\sqrt{2}\).

n = 6 (Sechseck): \(\zeta_6 = 60°,\;\alpha_6 = 120°,\;r = R\sqrt{3}/2,\;s = R\) (das Sechseck zerfällt in sechs gleichseitige Dreiecke mit Seite \(R\)).

Alle drei folgen aus dem halben gleichseitigen Dreieck (Verhältnis \(1 : \sqrt{3} : 2\)) oder dem halben Quadrat (Verhältnis \(1 : 1 : \sqrt{2}\)).

6. Plausibilitäts-Tipps

  1. Hierarchie nutzen. Aus „Rechteck" folgt automatisch alles, was ein Parallelogramm kann.
  2. Mittellinie als „effektive Grundseite" beim Trapez. \(A = m \cdot h\) ist die kompakteste Form.
  3. Diagonalen-Fläche. Wenn die Diagonalen senkrecht stehen (Rhombus, Drachen, Quadrat), gilt \(A = \tfrac{1}{2}\,e \cdot f\).
  4. Sechseck ↔ Kreis. Bei \(n = 6\) ist \(s = R\) — daraus folgt sofort \(U_6 = 6R\) (Vergleich zum Kreisumfang \(2\pi R \approx 6.28 R\)).