Grundlagenfach · Lerngebiet 1 · Arithmetik/Algebra · 45 Lektionen

1.2 Zahlen und zugehörige Grundoperationen

Zahlen kann man auf verschiedene Arten darstellen: als Bruch, in Prozent, als Dezimalzahl. Hier ordnest du jede Zahl in eine der vier Zahlenmengen \(\mathbb{N}, \mathbb{Z}, \mathbb{Q}, \mathbb{R}\) ein, beschreibst Bereiche mit Intervallen und rechnest die vier Grundoperationen sauber — auch ohne Taschenrechner.

📋 Kompetenzen nach RLP 2030 — Teilgebiet 1.2
  • Zahlen darstellen (Bruch-, Prozent- und Dezimaldarstellung), nach Typ klassieren (\(\mathbb{N}, \mathbb{Z}, \mathbb{Q}, \mathbb{R}\)) und elementare Eigenschaften erklären (Vorzeichen, Betrag, Rundung, Ordnungsrelationen)
  • Zahlenmengen symbolisch und grafisch beschreiben, insbesondere Intervalle auf der Zahlengeraden
  • Grundoperationen in verschiedenen Zahlenmengen unter Einhaltung der Regeln (Vorzeichenregeln, Hierarchie der Operationen) durchführen auch ohne Hilfsmittel
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
  • Ich kann Zahlen nach \(\mathbb{N}, \mathbb{Z}, \mathbb{Q}, \mathbb{R}\) klassieren und die Inklusionskette \(\mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset \mathbb{R}\) begründen.
  • Ich kann Zahlen zwischen Bruch-, Dezimal- und Prozentdarstellung umwandeln und rationale von irrationalen Zahlen unterscheiden.
  • Ich kann die Vorzeichenregeln bei den Grundoperationen sicher anwenden.
  • Ich kann Betrag, Rundung und Ordnungsrelationen erklären und verwenden.
  • Ich kann Zahlenmengen und Intervalle symbolisch und auf der Zahlengeraden darstellen.

Einstieg — Werkstatt-Bestandsliste

In einer Werkstatt werden über eine Woche hinweg Bestände gezählt, Temperaturen gemessen und Anteile berechnet. Dabei tauchen ganz verschiedene Zahlentypen auf:

MessungWertZahlentyp
Anzahl Werkstücke im Lager \(5\) natürliche Zahl \((\mathbb{N})\)
Lager-Veränderung über Nacht \(-2\) ganze Zahl \((\mathbb{Z})\)
Anteil Ausschuss \(\tfrac{3}{40} = 7.5\%\) rationale Zahl \((\mathbb{Q})\)
Aussentemperatur am Montagmorgen \(-3.5\,°C\) rationale Zahl \((\mathbb{Q})\)
Diagonale eines 1×1-Quadrats (Werkbank)\(\sqrt{2} \approx 1.414\) irrationale Zahl, in \(\mathbb{R}\)

Damit Rechnungen in unterschiedlichen Situationen funktionieren, hat die Mathematik die Zahlen in Zahlenmengen geordnet. Jede Erweiterung — von \(\mathbb{N}\) zu \(\mathbb{Z}\), zu \(\mathbb{Q}\), zu \(\mathbb{R}\) — löst genau ein Problem, das in der kleineren Menge nicht lösbar war.

Klick auf eine Messung in der Animation und schau, in welche Zahlenmengen der Wert gehört — und in welche nicht.

Werkstatt-Werte auf der Zahlengeraden

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Die \(5\) liegt in allen vier Mengen — was natürlich ist, ist automatisch ganz, rational und reell. \(\sqrt{2}\) liegt nur in \(\mathbb{R}\): irrational heisst reell, aber kein Bruch ganzer Zahlen.
5 ∈ ℕ ⊂ ℤ ⊂ ℚ ⊂ ℝ
Werkstatt-Messungen
5 −2 3/40 −3.5 √2
Wo wohnt diese Zahl?
\(\mathbb{N}\) natürlich
\(\mathbb{Z}\) ganz
\(\mathbb{Q}\) rational
\(\mathbb{R}\) reell
5 ist eine natürliche Zahl — und damit automatisch auch ganz, rational und reell.

Dieselbe Zahl, ein zweiter Blick: das Venn-artige Diagramm zeigt die Inklusionen \(\mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset \mathbb{R}\) als verschachtelte Boxen. Die in der Animation oben gewählte Zahl erscheint direkt in der kleinsten Menge, in die sie passt.

ℝ — reell
\(\sqrt{2},\;\pi,\;e\)
ℚ — rational
\(\tfrac{3}{4},\;-2.5,\;0.\overline{3}\)
ℤ — ganz
\(-2,\;-1,\;0\)
ℕ — natürlich
\(0,\;1,\;2,\;5,\;42\)

Die Lücke zwischen \(\mathbb{Q}\) und \(\mathbb{R}\) (also \(\mathbb{R} \setminus \mathbb{Q}\)) heisst Menge der irrationalen Zahlen. Beispiele: \(\sqrt{2}\), \(\sqrt{3}\), \(\pi\), \(e\). Sie sind reelle Zahlen, aber kein Bruch ganzer Zahlen.

✏️ Mini-Check — Zahlentypen erkennen
Multiple Choice

Zu welcher Beschreibung passt \(\sqrt{2}\)?

  • rational
  • reell, aber nicht rational
  • ganz
Lösung anzeigen
B. \(\sqrt{2}\) ist irrational: ein Punkt auf der Zahlengeraden, aber kein Bruch ganzer Zahlen.
Lückentext

Die Inklusionskette lautet \(\mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset\) .

Lösung anzeigen
\(\mathbb{R}\) — die reellen Zahlen umfassen alle Punkte der Zahlengeraden.
Kurze Rechnung

Zu welcher kleinsten Standard-Zahlenmenge gehört \(-3.5\)?

Lösung anzeigen
\(\mathbb{Q}\) — denn \(-3.5 = -\tfrac{7}{2}\) ist ein Bruch, aber keine ganze Zahl.
Transfer

\(-2\) ist eine ganze Zahl. Ist \(-2\) auch rational und reell? Und natürlich?

Lösungsweg anzeigen
Rational und reell: ja — wegen der Inklusionskette, konkret \(-2 = \tfrac{-2}{1} \in \mathbb{Q} \subset \mathbb{R}\). Natürlich: nein — \(\mathbb{N}\) enthält keine negativen Zahlen.

Definitionen — die vier Standard-Zahlenmengen

📘 Definition · Zahlenmengen \(\mathbb{N},\, \mathbb{Z},\, \mathbb{Q},\, \mathbb{R}\)
SymbolNameBeschreibungBeispiele
\(\mathbb{N}\) natürliche Zahlen \(\{0, 1, 2, 3, \ldots\}\) \(0,\;5,\;42\)
\(\mathbb{Z}\) ganze Zahlen \(\{\ldots, -2, -1, 0, 1, 2, \ldots\}\)\(-2,\;0,\;7\)
\(\mathbb{Q}\) rationale Zahlen \(\left\{\dfrac{p}{q} \mid p \in \mathbb{Z},\, q \in \mathbb{N},\, q \neq 0 \right\}\)\(\tfrac{3}{4},\; -2.5,\;7\)
\(\mathbb{R}\) reelle Zahlen alle Punkte der Zahlengeraden \(\sqrt{2},\;\pi,\;-1.5\)

Inklusionskette:

\[ \mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset \mathbb{R} \]

Jede natürliche Zahl ist auch eine ganze, jede ganze auch eine rationale, jede rationale auch eine reelle Zahl. Die Erweiterungen sind echt — z.B. ist \(-1 \in \mathbb{Z}\), aber \(-1 \notin \mathbb{N}\); und \(\sqrt{2} \in \mathbb{R}\), aber \(\sqrt{2} \notin \mathbb{Q}\).

Welche Zahlenmenge?

Klick auf die kleinste Menge, in der die Zahl liegt.

✏️ Mini-Check — Zahlenmengen
Multiple Choice

Welche Zahl ist nicht rational?

  • \(0.75\)
  • \(0.\overline{3}\)
  • \(\pi\)
Lösung anzeigen
C. \(0.75 = \tfrac{3}{4}\) und \(0.\overline{3} = \tfrac{1}{3}\) sind Brüche; \(\pi\) ist irrational (weder abbrechend noch periodisch).
Lückentext

\(\mathbb{Q}\) ist die Menge aller Brüche \(\tfrac{p}{q}\) mit \(p \in \mathbb{Z}\), \(q \in \mathbb{N}\), \(q \neq\) .

Lösung anzeigen
\(0\) — Division durch null ist nicht definiert.
Kurze Rechnung

Ist \(7 \in \mathbb{Q}\)? Begründe kurz.

Lösung anzeigen
Ja: \(7 = \tfrac{7}{1}\) — jede ganze Zahl ist auch rational.
Transfer

Die Erweiterungen der Inklusionskette sind «echt». Was heisst das — belege es mit je einem Beispiel für \(\mathbb{Z}\) und \(\mathbb{R}\).

Lösungsweg anzeigen
Jede grössere Menge enthält Elemente, die in der kleineren fehlen: \(-1 \in \mathbb{Z}\), aber \(-1 \notin \mathbb{N}\); und \(\sqrt{2} \in \mathbb{R}\), aber \(\sqrt{2} \notin \mathbb{Q}\).

Drei Darstellungen rationaler Zahlen

Eine rationale Zahl lässt sich in drei äquivalenten Formen schreiben — als Bruch, als Dezimalzahl und als Prozentangabe. Welche Form passt, hängt vom Kontext ab.

BruchDezimalProzentBemerkung
\(\dfrac{1}{2}\) \(0.5\) \(50\%\) abbrechende Dezimaldarstellung
\(\dfrac{3}{4}\) \(0.75\) \(75\%\) abbrechend
\(\dfrac{1}{3}\) \(0.\overline{3}\)\(33.\overline{3}\%\)periodisch (Periode 3)
\(\dfrac{2}{7}\) \(0.\overline{285714}\)\(\approx 28.57\%\)periodisch (Periode 6)
\(-\dfrac{7}{4}\) \(-1.75\) \(-175\%\) negativ; Vorzeichen vor dem Bruch
📘 Wichtiger Satz

Eine reelle Zahl ist rational genau dann, wenn ihre Dezimaldarstellung abbricht oder periodisch wird. Eine reelle Zahl ist irrational, wenn ihre Dezimaldarstellung weder abbricht noch periodisch ist (z.B. \(\sqrt{2} = 1.41421356\ldots\), \(\pi = 3.14159265\ldots\)).

Konverter — Bruch ↔ Dezimal ↔ Prozent

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Jeder Bruch ergibt eine abbrechende oder periodische Dezimalzahl — das ist das Kennzeichen rationaler Zahlen. Ob sie abbricht, entscheiden die Primfaktoren des gekürzten Nenners: nur 2 und 5 → abbrechend, sonst periodisch.

Verschiebe den Schieber für Zähler und Nenner und beobachte alle drei Darstellungen.

3
4
Drei Darstellungen
\(\dfrac{\textcolor{#1a4f8a}{3}}{\textcolor{#b85c00}{4}} \;=\; 0.75 \;=\; 75\%\)
✏️ Mini-Check — Bruch, Dezimal, Prozent
Multiple Choice

\(\tfrac{3}{4}\) in Prozent?

  • \(34\%\)
  • \(75\%\)
  • \(43\%\)
Lösung anzeigen
B. \(\tfrac{3}{4} = 0.75 = 75\%\).
Lückentext

Eine reelle Zahl ist genau dann rational, wenn ihre Dezimaldarstellung abbricht oder wird.

Lösung anzeigen
periodisch — sonst ist die Zahl irrational.
Kurze Rechnung

Wandle \(\tfrac{5}{8}\) in Dezimal- und Prozentdarstellung um.

Lösung anzeigen
\(\tfrac{5}{8} = 0.625 = 62.5\%\).
Transfer

Schreibe \(0.\overline{4} = 0.444\ldots\) als Bruch.

Lösungsweg anzeigen
Ansatz: \(z = 0.\overline{4}\). Dann \(10z = 4.\overline{4}\), Differenz: \(10z - z = 4\), also \(9z = 4\) und \(z = \tfrac{4}{9}\).

Weitere Theorie — Vorzeichen, Betrag, Rundung, Intervalle

Vorzeichenregeln ↗ 1.3

Bei Multiplikation und Division gilt: „gleiches Vorzeichen → plus, ungleiches Vorzeichen → minus". Konkret in vier Fällen:

VorzeichenMultiplikationDivision
+ · +  respektive  + : + \((+6) \cdot (+2) = +12\) \((+12) : (+4) \;=\; \dfrac{+12}{+4} \;=\; +3\)
+ · −  respektive  + : − \((+6) \cdot (-2) = -12\) \((+12) : (-4) \;=\; \dfrac{+12}{-4} \;=\; -3\)
− · +  respektive  − : + \((-6) \cdot (+2) = -12\) \((-12) : (+4) \;=\; \dfrac{-12}{+4} \;=\; -3\)
− · −  respektive  − : − \((-6) \cdot (-2) = +12\) \((-12) : (-4) \;=\; \dfrac{-12}{-4} \;=\; +3\)

Bei Addition und Subtraktion gibt es keine solche Tabelle — dort entscheidet die Stellung auf der Zahlengeraden.

🟢 Beispiel · Rechnen mit Vorzeichen

\((-3) \cdot (-4) = +12\) — minus mal minus = plus.

\((-3) + (-4) = -7\) — beide negativ, Beträge addieren, Vorzeichen behalten.

\(7 - (-2) = 7 + 2 = 9\) — minus von minus = plus.

\(\dfrac{-15}{3} = -5\) und \(\dfrac{-15}{-3} = +5\).

Doppelminus-Regel

Zwei aufeinanderfolgende Minuszeichen heben sich gegenseitig auf. Diese Regel hat zwei Erscheinungsformen, die im Folgenden ständig verwendet werden — auch in ↗ 1.3 beim Auflösen von Klammern:

FormRegelSprechweise
Subtraktion einer negativen Zahl \(a - (-b) = a + b\) „minus minus = plus"
Negative Zahl multipliziert \((-a) \cdot (-b) = +ab\) „minus mal minus = plus"
🟢 Beispiel · Doppelminus in drei Situationen

(a) \(5 - (-3) = 5 + 3 = 8\) (Subtraktion einer negativen Zahl).

(b) \((-6) \cdot (-2) = +12\) (Produkt zweier negativer Zahlen).

(c) \(-(-(-4)) = -(4) = -4\) (drei Minuszeichen: das erste Paar hebt sich auf, das einzelne bleibt).

💡 Faustregel — Vorzeichen zählen

Bei einer Kette aus Minuszeichen kannst du sie einfach zählen: eine gerade Anzahl ergibt am Schluss ein Plus, eine ungerade Anzahl ein Minus. Beispiel: \(-(-(-(-5))) = +5\) (vier Minuszeichen → gerade → plus).

Betrag (Absolutwert)

📘 Definition · Betrag

Der Betrag einer Zahl \(a \in \mathbb{R}\) ist ihre Distanz zur Null auf der Zahlengeraden:

\[ |a| \;=\; \begin{cases} a, & a \geq 0 \\ -a, & a < 0 \end{cases} \]

Der Betrag ist nie negativ. Beispiele: \(|7| = 7\), \(|-3| = 3\), \(|0| = 0\).

Betrag als Abstand auf der Zahlengeraden

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Der Betrag misst eine Länge, keine Richtung — deshalb ist er nie negativ. \(|a|\) ist der Abstand von \(a\) zur Null, und \(|a - b|\) der Abstand von \(a\) zu \(b\). Weil ein Abstand nicht von der Reihenfolge abhängt, gilt \(|a - b| = |b - a|\). Auf diesem Abstandsbild beruhen später alle Betragsgleichungen und Toleranzangaben.

Verschiebe die beiden Punkte und lies die Abstände ab.

−3
2
Betrag und Abstand
Grün: \(|a|\), der Abstand von \(a\) zur Null. Violett: \(|a - b|\), der Abstand der beiden Punkte — er ist symmetrisch, also gleich \(|b - a|\).

Ordnungsrelationen

Auf der Zahlengeraden liegen kleinere Zahlen weiter links. Die Ordnungsrelationen \(<,\; \leq,\; >,\; \geq\) erlauben Vergleiche:

\(-5 < 3\) −5 liegt links von 3
\(\tfrac{2}{3} < \tfrac{3}{4}\) weil \(\tfrac{2}{3} \approx 0.667 < 0.750\)
\(-7 < -2\) bei negativen Zahlen: kleinerer Betrag nach Vorzeichen-Wechsel = grösser
💡 Strategie — Brüche vergleichen

Für den Vergleich zweier Brüche \(\tfrac{a}{b}\) und \(\tfrac{c}{d}\) gibt es zwei zuverlässige Wege:

  • Dezimal-Vergleich: beide Brüche in Dezimaldarstellung umrechnen (\(\tfrac{2}{3} \approx 0.667\), \(\tfrac{3}{4} = 0.750\)) — danach ist der Vergleich offensichtlich.
  • Hauptnenner: beide auf den gemeinsamen Nenner \(b \cdot d\) bringen, dann nur die Zähler vergleichen (\(\tfrac{2}{3} = \tfrac{8}{12},\; \tfrac{3}{4} = \tfrac{9}{12} \Rightarrow \tfrac{8}{12} < \tfrac{9}{12}\)).

Die Dezimal-Variante ist auf dem Taschenrechner schneller, die Hauptnenner-Variante zeigt das Ergebnis exakt — beide Wege müssen dasselbe Ergebnis liefern.

📘 Grundoperationen mit Brüchen
OperationRegelBeispiel
Addieren / Subtrahierenauf den gemeinsamen Nenner (Hauptnenner) bringen, dann die Zähler addieren bzw. subtrahieren\(\tfrac{2}{3} + \tfrac{1}{4} = \tfrac{8}{12} + \tfrac{3}{12} = \tfrac{11}{12}\)
MultiplizierenZähler mal Zähler, Nenner mal Nenner\(\tfrac{3}{5} \cdot \tfrac{10}{9} = \tfrac{30}{45} = \tfrac{2}{3}\)
Dividierenmit dem Kehrwert des zweiten Bruchs multiplizieren\(\tfrac{4}{7} : \tfrac{2}{3} = \tfrac{4}{7} \cdot \tfrac{3}{2} = \tfrac{6}{7}\)

Kürzen: Zähler und Nenner durch denselben gemeinsamen Teiler dividieren — der Wert des Bruchs bleibt gleich (\(\tfrac{30}{45} = \tfrac{2}{3}\), gekürzt durch \(15\)). Endergebnisse immer so weit wie möglich kürzen.

Runden

Beim Runden auf n Nachkommastellen gilt die Regel: „5 oder grösser → aufrunden". Die letzte Spalte zeigt das Runden auf 3 signifikante Stellen in wissenschaftlicher Notation (Mantisse mit 3 Stellen mal 10er-Potenz).

Zahlauf 0 Stellenauf 1 Stelleauf 2 Stellenauf 3 signifikante Stellen
\(3.14159\) 3 3.1 3.14 \(3.14 \cdot 10^0\)
\(7.85\) 8 7.9 7.85 \(7.85 \cdot 10^0\)
\(-2.475\) −2 −2.5 −2.48 \(-2.48 \cdot 10^0\)
\(0.000\,041\,28\)0 0.0 0.00 \(4.13 \cdot 10^{-5}\)
\(284\,500\) 284500284500.0284500.00\(2.85 \cdot 10^{5}\)

Signifikante Stellen sind alle Ziffern ab der ersten von Null verschiedenen Ziffer — bei \(0.000\,041\,28\) also \(4,\,1,\,2,\,8\), bei \(284\,500\) je nach Quelle 4 bis 6 (Endnullen sind mehrdeutig; in wissenschaftlicher Notation eindeutig). Vorteil: die Genauigkeit ist klar erkennbar, unabhängig von der Grössenordnung der Zahl.

⚠ Erst am Schluss runden!

Wer Zwischenresultate rundet, sammelt Fehler. Faustregel: rechne mit voller Genauigkeit, runde erst das Endergebnis. Wenn Zwischenrundung doch nötig ist, mindestens 2 Stellen mehr behalten als das gewünschte Endergebnis.

Intervalle — Teilmengen von \(\mathbb{R}\)

Ein Intervall ist eine zusammenhängende Teilmenge der reellen Zahlen. Die Klammer-Richtung sagt, ob die Grenze dazugehört (Klammer zeigt zum Intervall hin: ja; Klammer zeigt weg: nein). Klick auf eine Zeile und sieh dir das konkrete Beispiel daneben an — in formaler Schreibweise und auf der Zahlengeraden.

Intervalle · drei Schreibweisen für dieselbe Menge

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Die drei Schreibweisen sagen dasselbe — deshalb steht am Zahlenstrahl dieselbe Klammer wie in der Schreibweise darüber. Nach innen geöffnete Klammer und \(\leq\) gehören zusammen (Rand gehört dazu), nach aussen geöffnete Klammer und \(<\) ebenso (Rand gehört nicht dazu). Bei \(\infty\) ist die Klammer immer offen — unendlich ist keine Zahl und kann nie dabei sein.
SchreibweiseMengen-SchreibweiseBeispiel
\([a;\, b]\) \(\{x \in \mathbb{R} \mid a \leq x \leq b\}\) \([2;\, 5]\)
\(]a;\, b[\) \(\{x \in \mathbb{R} \mid a < x < b\}\) \(]{-1};\, 3[\)
\([a;\, b[\) \(\{x \in \mathbb{R} \mid a \leq x < b\}\) \([0;\, 4[\)
\(]-\infty;\, b]\) \(\{x \in \mathbb{R} \mid x \leq b\}\) \(]-\infty;\, 2]\)
\([a;\, +\infty[\) \(\{x \in \mathbb{R} \mid x \geq a\}\) \([{-1};\, +\infty[\)
Gewähltes Intervall
\([2;\, 5]\)
\(\{x \in \mathbb{R} \mid 2 \leq x \leq 5\}\)
Beide Endpunkte gehören dazu — eckige Klammern, am Zahlenstrahl nach innen geöffnet.
⚠ Bei \(\infty\) immer nach aussen geöffnete Klammer

Unendlich ist keine Zahl, sondern ein Symbol für „beliebig gross". Es kann nie als Intervall-Endpunkt „dabei" sein. Daher gilt stets …; \(\infty\)[ bzw. ]\(-\infty\); … — niemals …; \(\infty\)].

✏️ Mini-Check — Vorzeichen, Betrag, Intervalle
Multiple Choice

\((-6) \cdot (-2) = \;?\)

  • \(-12\)
  • \(+12\)
  • \(-8\)
Lösung anzeigen
B. Gleiche Vorzeichen → plus: \((-6) \cdot (-2) = +12\).
Lückentext

\(|-3| =\) .

Lösung anzeigen
\(3\) — der Betrag ist die Distanz zur Null und nie negativ.
Kurze Rechnung

Bestimme \(-(-(-5))\).

Lösung anzeigen
Drei Minuszeichen — ungerade Anzahl → minus: \(-(-(-5)) = -5\).
Transfer

Gehören \(2\) und \(7\) zum Intervall \(]2;\, 7]\)?

Lösungsweg anzeigen
\(2\) nicht — die Klammer \(]2\) ist offen, der Randwert ist ausgeschlossen. \(7\) ja — \(7]\) ist geschlossen, der Randwert gehört dazu.

Aufgaben

🟠 A1Zahlen klassifizieren

Ordne jede Zahl der kleinsten Standardmenge zu, in der sie liegt.

  1. \(7\)
  2. \(-12\)
  3. \(\dfrac{5}{8}\)
  4. \(0.\overline{6}\)
  5. \(\sqrt{9}\)
  6. \(\sqrt{5}\)
  7. \(\pi\)
🟢 Lösung
  1. \(7 \in \mathbb{N}\)
  2. \(-12 \in \mathbb{Z}\)
  3. \(\tfrac{5}{8} = 0.625 \in \mathbb{Q}\)
  4. \(0.\overline{6} = \tfrac{2}{3} \in \mathbb{Q}\)
  5. \(\sqrt{9} = 3 \in \mathbb{N}\)
  6. \(\sqrt{5} \approx 2.236\ldots\) — irrational, also \(\in \mathbb{R}\)
  7. \(\pi\) — irrational, also \(\in \mathbb{R}\)
🟠 A2Darstellungen umrechnen

Schreibe jede Zahl in den anderen beiden Darstellungen (Bruch · Dezimal · Prozent). Brüche möglichst gekürzt.

  1. \(\dfrac{3}{8}\)
  2. \(0.45\)
  3. \(120\%\)
  4. \(\dfrac{7}{20}\)
🟢 Lösung
  1. \(\tfrac{3}{8} = 0.375 = 37.5\%\).
  2. \(0.45 = \tfrac{45}{100} = \tfrac{9}{20} = 45\%\).
  3. \(120\% = 1.20 = \tfrac{6}{5}\).
  4. \(\tfrac{7}{20} = 0.35 = 35\%\).
🟠 A3Rechnen — auch ohne Hilfsmittel

Berechne ohne Taschenrechner. Beachte Vorzeichen- und Hierarchieregeln.

  1. \((-7) + 12 - (-3)\)
  2. \((-4) \cdot (-3) + (-5) \cdot 2\)
  3. \(20 - 3 \cdot (4 - 7)\)
  4. \(\dfrac{2}{3} + \dfrac{3}{4} - \dfrac{1}{6}\)
  5. \(\dfrac{3}{5} \cdot \dfrac{10}{9}\)
  6. \(\dfrac{4}{7} : \dfrac{2}{3}\)
🟢 Lösung
  1. \(-7 + 12 + 3 = 8\).
  2. \((-4)(-3) + (-5)(2) = 12 - 10 = 2\).
  3. Klammer zuerst: \(4 - 7 = -3\). Dann \(20 - 3 \cdot (-3) = 20 + 9 = 29\).
  4. Hauptnenner 12: \(\tfrac{8}{12} + \tfrac{9}{12} - \tfrac{2}{12} = \tfrac{15}{12} = \tfrac{5}{4}\).
  5. \(\tfrac{3 \cdot 10}{5 \cdot 9} = \tfrac{30}{45} = \tfrac{2}{3}\) (gekürzt durch 15). Endwert: \(\tfrac{2}{3}\).
  6. \(\tfrac{4}{7} : \tfrac{2}{3} = \tfrac{4}{7} \cdot \tfrac{3}{2} = \tfrac{12}{14} = \tfrac{6}{7}\) (gekürzt durch 2). Endwert: \(\tfrac{6}{7}\).
🟠 A4Beträge berechnen

Berechne \(\;|{-3} - 7| - |2 - 5|\;\) und gib das Ergebnis ein.

🟠 A5Intervalle übersetzen

Schreibe jede Beschreibung als Intervall.

  1. Alle reellen Zahlen, die mindestens \(-2\) und höchstens 5 sind
  2. Alle reellen Zahlen kleiner als 3
  3. Alle reellen Zahlen mit \(-1 < x \leq 4\)
  4. \(\{x \in \mathbb{R} \mid x \geq 0\}\)
🟢 Lösung
  1. \([-2;\,5]\)
  2. \(]-\infty;\,3[\)
  3. \(]-1;\,4]\)
  4. \([0;\,+\infty[\)
🟠 A6Anwendung — Mischtemperatur

An einem Wintertag werden drei Temperaturen gemessen (morgens, mittags, abends): \(-3.5\,°C\), \(+1.2\,°C\) und \(-0.8\,°C\). Berechne den Tagesdurchschnitt aus diesen drei Messungen auf eine Nachkommastelle. Stelle das Ergebnis als Bruch und als Dezimalzahl dar. In welcher Zahlenmenge liegt der Wert?

🟢 Lösung

Summe: \(-3.5 + 1.2 + (-0.8) = -3.1\). Durchschnitt: \(-3.1 / 3 = -\tfrac{31}{30} = -1.0\overline{3}\,°C\).

Auf eine Nachkommastelle gerundet: \(-1.0\,°C\). Als Bruch: \(-\tfrac{31}{30}\). Als Dezimalzahl periodisch: \(-1.0\overline{3}\). Die Zahl ist eine rationale Zahl, liegt also in \(\mathbb{Q}\) (und in \(\mathbb{R}\)).

🟠 A7Rabatt-Vergleich an der Tankstelle Vertiefung

Eine Tankstelle bietet drei Rabattvarianten auf 1 Liter Benzin zum Grundpreis 1.80 CHF:

  • (A) 0.15 CHF Abzug pro Liter
  • (B) 8 % Rabatt
  • (C) 1/12 günstiger (Bruch-Angabe auf der Tafel)

Welche Variante ist am günstigsten? Vergleiche durch Umrechnen in die gleiche Darstellung (Dezimal).

🟢 Lösung

(A) Endpreis = \(1.80 - 0.15 = 1.65\,\text{CHF}\).

(B) Rabatt \(8\,\% = 0.08\), Abzug \(= 1.80 \cdot 0.08 = 0.144\,\text{CHF}\). Endpreis \(= 1.80 - 0.144 = 1.656\,\text{CHF}\).

(C) Rabatt \(= \tfrac{1}{12} \cdot 1.80 = 0.15\,\text{CHF}\). Endpreis \(= 1.80 - 0.15 = 1.65\,\text{CHF}\).

Ranking: (A) und (C) gleich gut bei 1.65 CHF, (B) leicht teurer bei 1.656 CHF. Dass (A) und (C) gleich sind, ist kein Zufall: \(\tfrac{1}{12} \cdot 1.80 = 0.15\) — die Bruch-Angabe wurde gerade so gewählt.

Zusammenfassung

⭐ Merksatz

Jede neue Zahlenmenge entsteht, weil die alte ein Problem nicht lösen kann: \(\mathbb{Z}\) erlaubt Subtraktion, \(\mathbb{Q}\) erlaubt Division, \(\mathbb{R}\) erlaubt Wurzeln und Grenzwerte. \(\sqrt{2}\) ist der Beweis dafür, dass \(\mathbb{Q}\) nicht ausreicht.

Zahlenmengen \(\mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset \mathbb{R}\)
Rationale Zahl Bruch \(p/q\) mit \(p \in \mathbb{Z},\; q \in \mathbb{N}^*\) — Dezimaldarstellung abbrechend oder periodisch
Irrationale Zahl nicht-abbrechend, nicht-periodisch (z.B. \(\sqrt{2},\;\pi\))
Drei DarstellungenBruch ↔ Dezimal ↔ Prozent
Vorzeichen-Tabelle+·+ = +, +·− = −, −·− = +
Betrag \(|a| \geq 0\) — Distanz zur Null
Intervalle \([\ldots]\) geschlossen, \(]\ldots[\) offen, \(\infty\) immer mit Klammer nach aussen
Rundung 5 oder grösser → aufrunden; erst am Ende runden

Zusatzmaterial

Externe Videos & Aufgabensammlungen

🎬 Erklärvideos (Playlists)
📝 Aufgabensammlungen