5.1 Grundlagen
Geometrie beginnt mit einer guten Skizze: sie macht die Aufgabe lesbar und liefert eine Plausibilitätsprüfung für jedes Resultat. Hier übst du das Skizzieren als Werkzeug und lernst die zwei Winkelmasse Grad und Radiant kennen, die ab Lerngebiet 5.4 gleichwertig im Einsatz sind.
- Aufgabenstellungen mit Skizzen visualisieren und diese zur Abschätzung der Plausibilität des berechneten Resultats verwenden
- Grad und Radiant gleichwertig als Winkelmass einsetzen
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
- Ich kann Winkel mit Scheitel und Schenkeln definieren und nach griechischen Buchstaben benennen.
- Ich kann Winkel zwischen Grad- und Bogenmass umrechnen.
- Ich kann Winkeltypen (spitz, recht, stumpf, gestreckt, überstumpf) und Winkelpaare (Scheitel-, Neben-, Stufen-, Wechselwinkel) erkennen und nutzen.
- Ich kann geometrische Situationen normgerecht skizzieren und beschriften.
- Ich kann Resultate mit Plausibilitätsstrategien überprüfen.
Einstieg — eine Skizze sagt mehr als drei Sätze
Geometrie beginnt nicht mit einer Formel, sondern mit einer Skizze. Sie ist das wichtigste Werkzeug, das du in diesem Lerngebiet kennenlernst — und sie wird dich durch alle 50 Lektionen begleiten.
Nur aus dem Text musst du dir die Situation im Kopf zusammenbauen. Mit einer kleinen Skizze ist alles auf einen Blick klar — und das Beste: die Skizze rechnet mit:
Was du beobachtest: \(d\) ist immer länger als die längere Seite, aber kürzer als die Summe der beiden Seiten. Bei gleicher Länge und Breite (Quadrat) ist \(d\) etwa \(1.41\)-mal so lang wie die Seite. Wie genau berechnet man die Diagonale, ohne sie auf der Skizze abzumessen? Das ist eine der zentralen Fragen der Geometrie und wird im Kapitel über Dreiecke beantwortet ↗ 5.2a. Was wir jetzt schon sehen: eine Skizze strukturiert die Aufgabe, schlägt einen Lösungsansatz vor und kontrolliert das Resultat auf Plausibilität.
Definitionen
- Grad (Symbol °): der volle Kreis hat \(360°\). Jeder Grad teilt sich in 60 Bogenminuten (\('\)) und jede Bogenminute in 60 Bogensekunden (\(''\)).
- Radiant (Symbol rad, oft weggelassen): der volle Kreis hat \(2\pi\) rad. Ein Radiant ist die Bogenlänge auf dem Einheitskreis (Radius 1).
Darstellungen — Winkel live umrechnen
Verändere den Winkel mit dem Schieber. Der Bogen, die Grad- und die Radiant-Anzeige passen sich sofort an. So siehst du, wie die beiden Masse synchron mitlaufen.
Eselsbrücke: Multipliziere mit \(\dfrac{\pi}{180°}\), um Radiant zu bekommen; mit \(\dfrac{180°}{\pi}\), um Grad zu bekommen. Die Einheit, die du haben möchtest, steht im Zähler.
Tabelle der Standardwinkel
| Grad | Bruch von π | Radiant (Dezimal) | Wo es vorkommt |
|---|---|---|---|
| 0° | 0 | 0 | Startwinkel, Ruhelage |
| 30° | \(\frac{\pi}{6}\) | 0.524 | Standardwinkel · halbe 60° |
| 45° | \(\frac{\pi}{4}\) | 0.785 | halbierter rechter Winkel |
| 60° | \(\frac{\pi}{3}\) | 1.047 | gleichseitiges Dreieck |
| 90° | \(\frac{\pi}{2}\) | 1.571 | rechter Winkel |
| 180° | \(\pi\) | 3.142 | gestreckter Winkel |
| 270° | \(\frac{3\pi}{2}\) | 4.712 | drei Viertel-Drehung |
| 360° | \(2\pi\) | 6.283 | volle Drehung |
Umrechnen üben — mit Zufallswinkel
Die Tabelle der Standardwinkel auswendig zu können hilft, ersetzt aber das Rechnen nicht. Der Trainer wirft dir einen zufälligen Winkel zu — mal in Grad, mal im Bogenmass. Rechne selbst, tippe dein Resultat ein und lass es prüfen.
✏️ Mini-Check — Winkel und Umrechnung
Der Vollwinkel misst …
- \(180°\)
- \(360°\)
- \(90°\)
Lösung anzeigen
Der rechte Winkel misst Grad.
Lösung anzeigen
Rechne \(180°\) ins Bogenmass um.
Lösung anzeigen
Welches Bogenmass hat \(45°\)?
Lösungsweg anzeigen
Winkeltypen und Winkelpaare
Geometrische Winkel werden nach ihrer Grösse benannt. Die Begriffe brauchst du in jedem späteren Kapitel.
Trainer — selbst klassifizieren
Hier kannst du das Erkennen üben. Stelle einen Winkel ein und klicke den Typ, den du vermutest. Das Widget gibt dir sofort Rückmeldung. Mit «Zufallswinkel» bleibt die Gradzahl verdeckt — dann entscheidest du allein nach der Form.
Winkelpaare — drei häufige Fälle
Wenn zwei Winkel zusammen auftreten, gibt es drei Standard-Beziehungen, die du erkennen können musst.
Schneidet eine Gerade zwei Parallelen \(g \parallel h\), so wiederholen sich an beiden Schnittpunkten dieselben Winkel:
- Stufenwinkel (F-Lage) liegen an gleicher Stelle beider Schnittpunkte — sie sind gleich gross (grün markiert).
- Wechselwinkel (Z-Lage) liegen zwischen den Parallelen auf entgegengesetzten Seiten der Schneidenden — sie sind ebenfalls gleich gross.
Beides gilt nur bei parallelen Geraden. Umgekehrt beweist die Gleichheit solcher Winkel, dass die beiden Geraden parallel sein müssen.
Probiere es aus: Die beiden markierten Winkel bleiben gleich gross, wie auch immer du die Schneidende \(s\) drehst, bis \(h\) nicht mehr parallel zu \(g\) liegt. Genau diese Eigenschaft trägt später den Beweis der Innenwinkelsumme im Dreieck ↗ 5.2a.
✏️ Mini-Check — Winkeltypen und Winkelpaare
Ein Winkel von \(120°\) ist …
- spitz
- stumpf
- überstumpf
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Scheitelwinkel sind immer gross.
Lösung anzeigen
Ein Winkel misst \(65°\). Wie gross ist sein Nebenwinkel?
Lösung anzeigen
An zwei Parallelen mit einer Schneidenden: Was gilt für Stufen- und Wechselwinkel?
Lösungsweg anzeigen
Skizzieren als Workflow — und Plausibilität prüfen
Eine gute Skizze entsteht in vier nachvollziehbaren Schritten. Trainiere diese Reihenfolge — sie spart Zeit und verhindert Fehler.
Zwei Skizzen zur selben Aufgabe
Links steht eine Skizze, wie sie unter Zeitdruck entsteht: hingeworfen, unbeschriftet, der rechte Winkel nirgends vermerkt. Rechts entsteht dieselbe Skizze Schritt für Schritt nach dem Workflow. Schiebe den Regler durch die vier Schritte.
Plausibilitätsprüfung — drei Strategien
- Grössenordnung: Eine Zimmerdiagonale von 200 m wäre absurd, von 5 m plausibel. Vergleiche mit bekannten Längen.
- Schranken: Eine Diagonale ist immer länger als jede Einzelseite — und kürzer als deren Summe (Dreiecksungleichung). Eine Hypotenuse ist immer länger als jede Kathete.
- Spezialfall: Setze Sonderwerte ein (\(\alpha = 0°\), \(\alpha = 90°\), \(b = a\), \(r \to 0\)) und prüfe, ob deine Formel sinnvolle Resultate liefert.
Vor der Rechnung: Die Hypotenuse muss länger als 12 cm und kürzer als \(5 + 12 = 17\) cm sein. Das Resultat \(\sqrt{5^2 + 12^2} = \sqrt{169} = 13\) cm passt in dieses Intervall — plausibel. Wenn jemand „17 cm" oder „11 cm" schriebe, wären das sofort erkennbare Fehler.
Plausibilität live ausprobieren
Wähle die Schenkellängen eines rechtwinkligen Dreiecks. Die Hypotenuse wird live berechnet und gleichzeitig die obere und untere Schranke gezeigt. Du siehst direkt: das Resultat liegt immer dazwischen.
\(180°\) ist die Innenwinkelsumme im Dreieck. Beim Viereck sind es \(360°\), beim Fünfeck \(540°\) usw. — allgemein \((n - 2) \cdot 180°\) für ein \(n\)-Eck. Wer das stur mit \(180°\) ansetzt, kommt bei Vierecken auf einen Widerspruch. Ebenso aufpassen bei Aussen- vs. Innenwinkel: Aussenwinkel sind die Ergänzung zu \(180°\), nicht zu \(360°\).
✏️ Mini-Check — Skizzieren und Plausibilität
Eine gute Skizze ist …
- massstabsgetreu konstruiert
- grob, aber vollständig beschriftet
- möglichst klein
Lösung anzeigen
Gegebene Grössen werden in der Skizze , gesuchte markiert.
Lösung anzeigen
Plausibilität: Kann ein Innenwinkel eines Dreiecks \(195°\) betragen?
Lösung anzeigen
Dein Taschenrechner liefert für einen Winkel \(1.05\) statt erwarteter \(60°\). Was ist passiert?
Lösungsweg anzeigen
Aufgaben
Welcher Winkeltyp liegt vor? Ordne jedem Wert die richtige Bezeichnung zu (spitz, recht, stumpf, gestreckt, überstumpf, voll).
- \(\alpha = 47°\)
- \(\beta = \dfrac{\pi}{2}\)
- \(\gamma = 215°\)
- \(\delta = \pi\)
- \(\varepsilon = 113°\)
- \(\zeta = 2\pi\)
- spitz (zwischen 0° und 90°)
- recht (\(\frac{\pi}{2} = 90°\))
- überstumpf (zwischen 180° und 360°)
- gestreckt (\(\pi = 180°\))
- stumpf (zwischen 90° und 180°)
- voll (\(2\pi = 360°\))
Erstelle zu jeder der folgenden Aufgaben eine beschriftete Skizze (gegebene Werte mit Zahlen, Gesuchtes mit Variablen). Du musst sie nicht rechnen — nur skizzieren und beschriften.
- Eine Leiter von 4.5 m Länge lehnt an einer Wand, der Fusspunkt ist 1.2 m von der Wand entfernt. In welcher Höhe \(h\) berührt die Leiter die Wand?
- Zwei Kreise mit den Radien 3 cm und 5 cm berühren sich von aussen. Wie weit \(d\) sind ihre Mittelpunkte voneinander entfernt?
- Ein gleichseitiges Dreieck hat den Umfang 36 cm. Wie hoch \(h\) ist es?
- Ein Wanderer geht 600 m geradeaus, dreht um 60° nach links und geht weitere 400 m. Wie weit \(d\) ist er Luftlinie vom Startpunkt entfernt?
Beispielskizzen — deine eigenen können anders aussehen, wichtig sind Beschriftung und korrekte Beziehungen:
In 2) ist das Resultat ohne Rechnung schon klar: \(d = r_1 + r_2 = 8\) cm. Bei 1)–4) gilt: deine Skizze macht den Lösungsweg sichtbar — und das ist der eigentliche Lerninhalt dieser Aufgabe.
Wandle in Radiant um, exakt als Bruch von \(\pi\) und gerundet auf 3 Nachkommastellen.
- 40°
- 135°
- 225°
- 15°
- \(40° \cdot \frac{\pi}{180°} = \frac{2\pi}{9} \approx 0.698\) rad
- \(135° \cdot \frac{\pi}{180°} = \frac{3\pi}{4} \approx 2.356\) rad
- \(225° \cdot \frac{\pi}{180°} = \frac{5\pi}{4} \approx 3.927\) rad
- \(15° \cdot \frac{\pi}{180°} = \frac{\pi}{12} \approx 0.262\) rad
Wandle in Grad um.
- \(\dfrac{\pi}{5}\)
- \(\dfrac{7\pi}{6}\)
- \(\dfrac{3\pi}{8}\)
- \(2\) (also 2 rad, ohne π)
- \(\frac{\pi}{5} \cdot \frac{180°}{\pi} = 36°\)
- \(\frac{7\pi}{6} \cdot \frac{180°}{\pi} = \frac{7 \cdot 180°}{6} = 210°\)
- \(\frac{3\pi}{8} \cdot \frac{180°}{\pi} = \frac{3 \cdot 180°}{8} = 67.5°\)
- \(2 \cdot \frac{180°}{\pi} \approx 114.59°\)
- Wie gross ist das Komplement von 27°?
- Wie gross ist das Supplement von 142°?
- Zwei Geraden schneiden sich. Einer der vier entstehenden Winkel beträgt 73°. Wie gross sind die anderen drei?
- In einem rechtwinkligen Dreieck ist ein Winkel 32°. Wie gross sind die anderen beiden Winkel?
- \(90° - 27° = 63°\) (Komplement)
- \(180° - 142° = 38°\) (Supplement)
- Gegenüber 73° (Scheitelwinkel), daneben jeweils \(180° - 73° = 107°\) (Nebenwinkel). Also: 73°, 107°, 73°, 107°.
- Winkelsumme im Dreieck: \(180° - 90° - 32° = 58°\). Die beiden anderen Winkel sind 90° und 58°.
Drei Schülerinnen rechnen die Aufgabe „Ein Rechteck ist 8 m lang und 6 m breit. Wie lang ist die Diagonale?". Folgende Antworten kommen heraus:
- Anna: 10 m
- Boran: 14 m
- Cécile: 4 m
Welche Antwort ist plausibel? Begründe ohne explizite Rechnung — nur über Schranken.
Schranken: Die Diagonale eines Rechtecks ist immer länger als die längere Seite (8 m) und kürzer als die Summe der beiden Seiten (\(8 + 6 = 14\) m).
- Cécile (4 m) — unmöglich, kürzer als beide Seiten.
- Boran (14 m) — unmöglich, das wäre die Summe der Seiten (Dreieck entartet).
- Anna (10 m) — plausibel, liegt zwischen 8 und 14. Kontrolle: \(\sqrt{64+36} = \sqrt{100} = 10\) ✓.
Ein Architekt plant ein Walmdach mit einer Dachneigung von 35°. Im Bauplan ist die Neigung in Radiant angegeben, weil das Statikprogramm so rechnet. Welcher Radiant-Wert (auf 4 Nachkommastellen) muss eingetragen werden? Welcher Anteil eines Vollkreises ist das?
Umrechnung Grad → Radiant:
\[ 35° \cdot \dfrac{\pi}{180°} = \dfrac{35\pi}{180} = \dfrac{7\pi}{36} \approx 0.6109 \text{ rad} \]Anteil am Vollkreis:
\[ \dfrac{35°}{360°} = \dfrac{7}{72} \approx 9.7\,\% \]Im Statikprogramm 0.6109 eintragen. Der Architekt prüft mit dem Anteil: knapp 10 % eines Vollkreises ist plausibel für ein eher flaches Walmdach.
Ein Schiff fährt mit Kurs 75° (gemessen von Nord, im Uhrzeigersinn). Es soll einen Kursabweich-Befehl von „\(+\dfrac{\pi}{6}\) rad" ausführen. Welcher neue Kurs ergibt sich in Grad? Skizziere die Situation und prüfe das Resultat auf Plausibilität.
\(\frac{\pi}{6}\) rad in Grad:
\[ \dfrac{\pi}{6} \cdot \dfrac{180°}{\pi} = 30° \]Neuer Kurs:
\[ 75° + 30° = 105° \]Plausibilität: 105° ist immer noch ein gültiger Kurs (zwischen 0° und 360°), und das Schiff fährt jetzt etwas südlicher als vorher (vorher Kurs 75° ≈ Ostnordost, jetzt 105° ≈ Ostsüdost). Die Drehung um \(+30°\) im Uhrzeigersinn entspricht „nach Steuerbord drehen".
Wähle einen Gegenstand in deiner Wohnung oder Schule (Tisch, Bilderrahmen, Türöffnung, Bücherregal). Miss zwei Längen und einen Winkel. Erstelle:
- eine beschriftete Skizze mit deinen Messwerten (Zahl und Einheit);
- den Winkel in beiden Massen — Grad und Radiant;
- eine Plausibilitätsprüfung: passt die Diagonalenlänge nach Pythagoras zum Messwert? Sind rechte Winkel wirklich rechtwinklig?
Da diese Aufgabe individuell ist, hier eine Kontroll-Liste:
- Stehen alle Gegebenen mit Zahl und Einheit auf der Skizze?
- Sind rechte Winkel mit dem kleinen Quadrat-Symbol markiert?
- Stimmt deine Radiant-Umrechnung? Kontrolliere mit dem Faktor \(\frac{\pi}{180°}\).
- Ergibt eine Hypothesen-Rechnung (z.B. Pythagoras für die Diagonale) ein Resultat, das zu deiner gemessenen Länge passt? Wenn nicht: war der Winkel wirklich rechtwinklig oder war die Messung ungenau?
Du sollst die Höhe einer Fahnenstange bestimmen, ohne sie zu erklettern. Ein 1.50 m hoher Stab steht 12 m von der Fahnenstange entfernt. In dem Moment, in dem der Schatten des Stabs genau 0.8 m lang ist, misst du den Schatten der Fahnenstange — er beträgt 5.6 m.
Diese Aufgabe ist ein klassischer Strahlensatz — die formale Behandlung folgt in 5.2d Zentrische Streckung & Ähnlichkeit. Hier reicht die Idee „gleicher Sonnenwinkel ⇒ gleiches Verhältnis".
- Skizziere die Situation mit Sonnenstrahlen, Fahnenstange und Stab.
- Verwende die Tatsache, dass die Sonne unter dem gleichen Winkel scheint, um die Fahnenstangenhöhe zu berechnen.
- Welche Annahme über die Sonnenstrahlen liegt der Rechnung zugrunde?
- Skizze: zwei ähnliche rechtwinklige Dreiecke. Das kleine Dreieck hat Höhe \(1.50\,\text{m}\) und Schattenlänge \(0.8\,\text{m}\). Das grosse Dreieck hat Höhe \(h\) und Schattenlänge \(5.6\,\text{m}\). Sonnenstrahl bildet jeweils die Hypotenuse.
- Gleicher Sonnenwinkel → gleiches Verhältnis Höhe/Schattenlänge: \(\tfrac{h}{5.6} = \tfrac{1.50}{0.8} = 1.875\). Also \(h = 5.6 \cdot 1.875 = 10.5\,\text{m}\). Die Angabe „12 m Entfernung" wird dafür nicht gebraucht — bei der Schatten-Methode zählt nur das Verhältnis Höhe : Schattenlänge, nicht der Standort des Stabs. ↗ 5.2d
- Die Sonnenstrahlen sind parallel, weil die Sonne so weit entfernt ist, dass ihre Strahlen am Boden praktisch parallel ankommen. Diese Annahme macht die zwei Dreiecke geometrisch ähnlich, sodass das Verhältnis aus dem kleinen Dreieck direkt aufs grosse übertragbar ist.
Zusammenfassung
Geometrie beginnt nicht mit der Formel, sondern mit der Skizze. Wer skizziert, sieht den Lösungsweg vor sich; wer prüft, erkennt Fehler, bevor sie ins Resultat einfliessen. Grad und Radiant sind zwei Sprachen für dasselbe — wer beide spricht, kann jede Aufgabe und jedes Lehrbuch verstehen.
| Konzept | Kernidee | Praktische Anwendung |
|---|---|---|
| Skizze | vereinfachte Darstellung mit allen Beziehungen, nicht massstabsgetreu | Aufgabe strukturieren, Lösungsweg finden, Plausibilität prüfen |
| Workflow | Lesen → Skizzieren → Beschriften → Prüfen | Reihenfolge in jeder Geometrie-Aufgabe |
| Grad | \(360°\) = voller Kreis | Alltag, Bauwesen, Geographie |
| Radiant | \(2\pi\) rad = voller Kreis | Analysis, Physik, Programmierung |
| Umrechnung | \(180° = \pi\) rad | Faktor \(\frac{\pi}{180°}\) bzw. \(\frac{180°}{\pi}\) |
| Winkeltypen | spitz, recht, stumpf, gestreckt, überstumpf, voll | klassifizieren in Dreiecken und Vielecken |
| Winkelpaare | komplementär (90°), supplementär (180°), Scheitel-/Nebenwinkel | fehlende Winkel berechnen ohne Messen |
Clips
Clips zu den Animationen — was jede Animation zeigt
Transkripte — der gesprochene Text zum Mitlesen
Grundstück und Diagonale: erst skizzieren, dann rechnen
- 0:00In der Animation stellst du Länge und Breite eines Grundstücks ein, und die Skizze zeigt den Weg über die Diagonale. Was kann man ablesen, und was muss man rechnen?
- 0:09Länge vierundzwanzig und Breite achtzehn Meter stehen in der Skizze. Gesucht ist die gestrichelte Diagonale d. Mit Pythagoras ist sie die Wurzel aus neunhundert, also dreissig Meter.
- 0:21Ist eine Seite viel kürzer, etwa vierzig auf vier Meter, landet d knapp über vierzig, bei rund vierzig Komma zwei Meter. Die Diagonale bleibt länger als die längere Seite und kürzer als l plus b.
- 0:33Merke: Die Skizze zeigt, was gegeben und was gesucht ist. Die Diagonale kommt aus dem Satz des Pythagoras, die Fläche aus l mal b. So berechnest du nicht aus Versehen die falsche Grösse.
Grad und Radiant: zwei Skalen, eine Drehung
- 0:00Im Visualisierer drehst du einen Winkel, und die Anzeige nennt ihn in Grad und in Radiant. Wie hängen die beiden Zahlen zusammen?
- 0:09Bei hundertachtzig Grad zeigt die Anzeige genau Pi, rund drei Komma eins vier zwei. Das ist die feste Kopplung: Grad mal Pi durch hundertachtzig ergibt Radiant.
- 0:20Bei zweihundertsiebzig Grad steht drei Pi halbe. Der Winkeltyp wechselt hier nicht, er bleibt überstumpf. Grenzen liegen nur bei neunzig, hundertachtzig und dreihundertsechzig Grad.
- 0:31Bei sechzig Grad ist das Bogenmass Pi Drittel, rund eins Komma null vier sieben. Die Bogenlänge auf dem Einheitskreis ist genau dieselbe Zahl. So ist das Bogenmass definiert.
- 0:42Merke: Grad und Radiant messen dieselbe Drehung, gekoppelt über hundertachtzig Grad gleich Pi. Die Typgrenzen liegen bei neunzig, hundertachtzig und dreihundertsechzig Grad, nicht bei zweihundertsiebzig.
Zufallswinkel: ungekürzt ist richtig, aber nicht fertig
- 0:00Der Trainer zieht einen Winkel, und du rechnest ihn in Radiant oder in Grad um. Was meldet er, wenn der Bruch nicht gekürzt ist?
- 0:09Sechzig Grad mal Pi durch hundertachtzig Grad ergibt Pi Drittel. Eingegeben als ein Drittel mal Pi, meldet der Trainer: richtig.
- 0:18Jetzt sechzig durch hundertachtzig. Der Trainer zählt es als richtig gerechnet, meldet aber: noch nicht gekürzt. Beide Brüche bezeichnen denselben Winkel.
- 0:27Rückwärts ist es derselbe Dreisatz: Pi Drittel mal hundertachtzig Grad durch Pi ergibt sechzig Grad. Die Einheit, die du haben willst, steht im Zähler.
- 0:37Merke: Beide Richtungen sind derselbe Dreisatz mit hundertachtzig Grad gleich Pi. Ein ungekürzter Bruch ist richtig gerechnet, aber noch nicht fertig.
Winkeltyp: ein Grad über der Grenze kippt die Klasse
- 0:00Im Klassifikator stellst du einen Winkel ein und tippst auf seinen Typ. Was ändert sich, wenn du nur zwei Grad weiter drehst?
- 0:09Neunundachtzig Grad liegt knapp unter neunzig. Die Antwort spitz ist richtig.
- 0:17Bei einundneunzig Grad ist spitz falsch. Der Winkel liegt ein Grad über der Grenze, er ist stumpf.
- 0:25Beim Zufallswinkel bleibt die Gradzahl verdeckt. Der bewegliche Schenkel zeigt unter die Waagrechte, also ist der Winkel überstumpf.
- 0:33Merke: Der Typ hängt nur an festen Schwellen, bei neunzig, hundertachtzig und dreihundertsechzig Grad. Schon ein Grad darüber kippt die Klasse. Ohne Zahl entscheidet die Lage des beweglichen Schenkels.
Winkelpaare: was α gewinnt, verliert β
- 0:00In drei Reitern veränderst du den Winkel Alpha, und der Partnerwinkel Beta passt sich an. Welche Zahl bleibt dabei stehen?
- 0:09Komplementär: Alpha wächst von fünfunddreissig auf sechzig Grad, Beta schrumpft von fünfundfünfzig auf dreissig. Die Summe bleibt neunzig Grad.
- 0:19Supplementär: Bei hundertzehn Grad bleibt für Beta siebzig. Zusammen sind es hundertachtzig Grad, ein gestreckter Winkel.
- 0:27Am Schnitt zweier Geraden liegen sich die beiden Alpha gegenüber: Scheitelwinkel, beide dreiundsiebzig Grad. Daneben liegt Beta mit hundertsieben Grad, als Nebenwinkel.
- 0:37Merke: Was Alpha gewinnt, verliert Beta. Komplementärwinkel ergänzen sich zu neunzig Grad, Supplementär- und Nebenwinkel zu hundertachtzig, und Scheitelwinkel sind gleich gross.
Stufen- und Wechselwinkel: gleich nur an Parallelen
- 0:00Eine Gerade s schneidet zwei Geraden g und h. Die Animation markiert an beiden Schnittpunkten einen Winkel. Wann sind die beiden gleich gross?
- 0:09Bei fünfundsechzig Grad Neigung liegen die Stufenwinkel an gleicher Stelle, verbunden durch die F-Figur. Beide messen fünfundsechzig Grad, und das bleibt so, wie du s auch drehst.
- 0:20Umgeschaltet auf die Z-Figur und s auf hundertzwanzig Grad gedreht: Die Wechselwinkel liegen zwischen g und h, auf verschiedenen Seiten von s. Auch sie sind gleich, beide hundertzwanzig Grad.
- 0:33Jetzt kippt h um zwölf Grad. Alpha oben bleibt fünfundsechzig Grad, Alpha Strich unten wächst um den orangen Keil auf siebenundsiebzig Grad. Die Gleichheit bricht.
- 0:43Merke: An Parallelen sind Stufenwinkel und Wechselwinkel gleich gross, bei jeder Neigung von s. Und umgekehrt: Sind sie gleich, sind g und h parallel.
Skizze: erst die Beschriftung rechnet mit
- 0:00Links steht eine hingeworfene Rohskizze, rechts entsteht dieselbe Skizze in vier Schritten. Ab welchem Schritt versteht jemand die Aufgabe, ohne den Text zu kennen?
- 0:10In Schritt zwei entsteht die Zeichnung in fester Reihenfolge: Boden, Wand, Leiter. Ohne Werte sagt sie aber nicht mehr als die Rohskizze links.
- 0:19Schritt drei beschriftet: Leiter fünf Meter, Abstand drei Meter, gesucht ist h, und der rechte Winkel an der Wand ist markiert. Erst jetzt könnte man die Skizze weitergeben.
- 0:29In Schritt vier wird gerechnet: die Wurzel aus sechzehn, also vier Meter. Das ist plausibel, denn die Kathete h ist kürzer als die Leiter, die Hypotenuse.
- 0:39Merke: Erst die Beschriftung macht die Skizze lesbar, nicht die saubere Linie. Gegebenes, Gesuchtes und der rechte Winkel gehören hinein.
Hypotenuse: immer zwischen zwei Schranken
- 0:00Du stellst die beiden Katheten a und b ein, die Animation rechnet die Hypotenuse c und zeigt zwei Schranken. Liegt c immer dazwischen?
- 0:09Mit fünf und zwölf ergibt sich c gleich dreizehn. Das liegt zwischen der längeren Kathete zwölf und der Summe siebzehn.
- 0:17Ist eine Kathete sehr kurz, zwanzig und zwei, dann ist c rund zwanzig Komma eins. Die Hypotenuse rückt fast an die längere Kathete heran, bleibt aber grösser.
- 0:28Bei zwei gleich langen Katheten von fünfzehn ist c rund einundzwanzig Komma zwei. Auch das liegt zwischen fünfzehn und dreissig.
- 0:37Merke: Die Hypotenuse liegt immer zwischen der längeren Kathete und der Summe der beiden. Das ist die schnelle Kontrolle für jedes Pythagoras-Resultat.
Winkel: die Arten und wie man sie erkennt
- 0:00Winkel bekommen Namen nach ihrer Grösse. Die Namen sind schnell gelernt — nützlich sind die Beziehungen zwischen zwei Winkeln.
- 0:08Unter neunzig Grad spitz, genau neunzig recht, zwischen neunzig und hundertachtzig stumpf, genau hundertachtzig gestreckt, darüber überstumpf.
- 0:17Erste Beziehung: Zwei Winkel, die zusammen eine gerade Linie bilden, ergänzen sich auf hundertachtzig Grad. Das sind Nebenwinkel.
- 0:26Zweite Beziehung: Kreuzen sich zwei Geraden, sind die gegenüberliegenden Winkel gleich gross. Das sind Scheitelwinkel.
- 0:33Dritte Beziehung: Schneidet eine Gerade zwei Parallelen, sind Stufenwinkel gleich gross und Wechselwinkel ebenfalls. Damit lassen sich Winkel durch eine ganze Figur weiterreichen.
- 0:45Zum Mitnehmen: Nebenwinkel ergänzen sich auf hundertachtzig, Scheitelwinkel sind gleich. Und im Dreieck ergeben alle drei zusammen hundertachtzig Grad.
Zusatzmaterial
Materialien zum Mitnehmen, Üben und Wiederholen. Druckseiten öffnen in neuem Tab.