Schwerpunktfach · Lerngebiet 3 · Funktionen · 55 Lektionen

3.5 Trigonometrische Funktionen

Die trigonometrischen Funktionen Sinus, Cosinus und Tangens sind periodisch — sie wiederholen ihre Werte in festen Abständen und beschreiben damit jede Schwingung: vom Wechselstrom über die Schallwelle bis zum Riesenrad. Hier leitest du ihre Graphen am Einheitskreis her, untersuchst Periodizität und Symmetrien, transformierst die Kurven mit Amplitude, Periode und Verschiebung und modellierst harmonische Schwingungen.

📋 Kompetenzen nach RLP 2030 — Teilgebiet 3.5
  • den Funktionsverlauf der Sinus-, Cosinus- und Tangensfunktion visualisieren sowie die elementaren Eigenschaften kennen (Periodizität, Symmetrien) mit und ohne Hilfsmittel
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
  • Ich kann die Graphen von \(\sin x\), \(\cos x\) und \(\tan x\) am Einheitskreis herleiten und ohne Hilfsmittel skizzieren.
  • Ich kann Definitions- und Wertemenge, Periodenlänge, Nullstellen und Symmetrien der drei Funktionen angeben — inklusive der Pole der Tangensfunktion.
  • Ich kann die Kongruenz von Sinus- und Cosinuskurve nutzen: \(\cos x = \sin\left(x + \tfrac{\pi}{2}\right)\).
  • Ich kann die Wirkung der Parameter in \(y = a \cdot \sin\bigl(b(x-u)\bigr) + v\) beschreiben und Graphen schrittweise entwickeln.
  • Ich kann bei der allgemeinen Sinusfunktion \(y = a \sin(bx + c)\) Amplitude, Periodenlänge \(p = \tfrac{2\pi}{b}\) und Verschiebung \(x_0 = -\tfrac{c}{b}\) bestimmen — auch umgekehrt aus dem Graphen.
  • Ich kann harmonische Schwingungen \(y = A \sin(\omega t + \varphi)\) mit Periodendauer, Frequenz und Phasenverschiebung deuten und berechnen.

Einstieg — eine Fahrt im Riesenrad

Ein Riesenrad hat den Radius \(30\) m, seine Achse liegt \(35\) m über dem Boden, und eine Umdrehung dauert \(12\) Minuten. Du steigst am tiefsten Punkt ein (\(5\) m). Wie hoch bist du nach \(t\) Minuten?

\[ h(t) = 35 - 30 \cdot \cos\!\left(\frac{2\pi}{12}\, t\right) \quad [\text{m}] \]

Die Höhe pendelt zwischen \(5\) m und \(65\) m — und nach jeder vollen Umdrehung wiederholt sich alles. Genau dieses Verhalten heisst periodisch.

🎡 Riesenrad: \(h(t) = 35 - 30\cos\!\left(\tfrac{2\pi}{12}t\right)\)

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Oben und unten (Hoch- und Tiefpunkt) ändert sich die Höhe kaum, auf halber Höhe am schnellsten. Nach \(12\) Minuten wiederholt sich alles exakt: \(h(t + 12) = h(t)\) — die Kurve ist periodisch mit Periodendauer \(12\) min.

Radius 30 m · Achshöhe 35 m · Umlaufzeit 12 min · zwei volle Umdrehungen

4.0 min
Auswertung
h(4.0) = 50.00 m
📘 Was sehen wir?

Die Höhe folgt keiner Geraden, keiner Parabel und keiner Exponentialkurve — sie schwingt:

  • Die Werte wiederholen sich nach jeder Umlaufzeit: \(h(t+12) = h(t)\) — Periodizität.
  • Die Kurve entsteht aus der Drehbewegung: Die Höhe des Punktes auf dem Rad ist eine Cosinus-Kurve — gestreckt, gespiegelt und verschoben.
✏️ Mini-Check — Einstieg
Multiple Choice

Nach welcher Zeit wiederholt sich die Höhe des Riesenrad-Punktes exakt?

  • nach 6 Minuten
  • nach 12 Minuten
  • nach 30 Minuten
Lösung anzeigen
B. Eine volle Umdrehung dauert \(12\) Minuten — das ist die Periodendauer: \(h(t + 12) = h(t)\).
Lückentext

Eine Funktion, deren Werte sich in festen Abständen wiederholen, heisst .

Lösung anzeigen
periodisch — der feste Abstand ist die Periodenlänge.
Kurze Rechnung

Berechne die Höhe nach \(6\) Minuten.

Lösung anzeigen
\(h(6) = 35 - 30 \cos(\pi) = 35 + 30 = 65\) m — der höchste Punkt.
Transfer

Zwischen welchen Höhen pendelt die Kabine, und wie liest man das an der Funktionsgleichung ab?

Lösungsweg anzeigen
\(\cos\) liegt immer zwischen \(-1\) und \(1\), also liegt \(h\) zwischen \(35 - 30 = 5\) m und \(35 + 30 = 65\) m. Die \(35\) ist die Mittellage, die \(30\) die maximale Auslenkung — die Amplitude.

Definition — vom Einheitskreis zur Funktion

Am ↩ Einheitskreis (5.4) gehört zu jedem Winkel \(x\) (im Bogenmass) ein Punkt \(P\) — seine \(y\)-Koordinate ist \(\sin x\), seine \(x\)-Koordinate ist \(\cos x\). Lässt man \(x\) alle reellen Zahlen durchlaufen, entsteht aus dieser Zuordnung eine Funktion:

📘 Definition — Trigonometrische Funktionen

Die Zuordnungen

\[ f(x) = \sin x, \qquad f(x) = \cos x \qquad (x \in \mathbb{R}) \] \[ f(x) = \tan x \qquad \left(x \in \mathbb{R} \setminus \left\{\tfrac{\pi}{2} + k\pi\right\},\ k \in \mathbb{Z}\right) \]

heissen Sinus-, Cosinus- und Tangensfunktion (Winkelfunktionen). Das Argument \(x\) ist der Winkel im Bogenmass; da der Punkt \(P\) beliebig viele Umdrehungen in beide Richtungen machen kann, sind Sinus und Cosinus für alle reellen \(x\) definiert.

Vom Kreis zur Kurve — die drei Graphen

Drehe den Punkt auf dem Einheitskreis — rechts entsteht der Funktionsgraph. Wechsle zwischen \(\sin\), \(\cos\) und \(\tan\):

Einheitskreis-Abrollung: \(x \mapsto \sin x,\ \cos x,\ \tan x\)

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Sinus und Cosinus pendeln zwischen \(-1\) und \(1\) und wiederholen sich nach \(2\pi\). Der Tangens (Tangentenabschnitt bei \(x = 1\)) wächst bei \(\tfrac{\pi}{2}\) über alle Grenzen — dort hat die Funktion einen Pol, und seine Periode ist nur \(\pi\).

Winkel \(x\) in Schritten von \(\tfrac{\pi}{12}\); links Einheitskreis, rechts Graph; Funktionswert rot

7π/12
Auswertung
sin(7π/12) ≈ 0.97; x ≈ 105°
✏️ Mini-Check — Definition und Herleitung
Multiple Choice

Was ist \(\sin x\) am Einheitskreis?

  • die \(x\)-Koordinate des Punktes \(P\)
  • die \(y\)-Koordinate des Punktes \(P\)
  • die Länge des Kreisbogens
Lösung anzeigen
B. Die \(y\)-Koordinate von \(P\) ist \(\sin x\), die \(x\)-Koordinate ist \(\cos x\).
Lückentext

Die Tangensfunktion ist bei \(x = \tfrac{\pi}{2} + k\pi\) nicht definiert — dort hat sie einen .

Lösung anzeigen
Pol (Definitionslücke) — von links gehen die Werte gegen \(+\infty\), von rechts gegen \(-\infty\).
Kurze Rechnung

Gib \(\sin\!\left(\tfrac{\pi}{2}\right)\), \(\cos(\pi)\) und \(\tan(0)\) ohne Taschenrechner an.

Lösung anzeigen
\(\sin\!\left(\tfrac{\pi}{2}\right) = 1\), \(\cos(\pi) = -1\), \(\tan(0) = 0\) — direkt am Einheitskreis ablesbar.
Transfer

Warum ist die Sinusfunktion für alle reellen Zahlen definiert, obwohl ein Winkel doch nur bis \(360°\) geht?

Lösungsweg anzeigen
Der Punkt \(P\) kann beliebig viele Umdrehungen machen — im Gegenuhrzeigersinn (positive Winkel) und im Uhrzeigersinn (negative Winkel). Jedes \(x \in \mathbb{R}\) landet auf einer eindeutigen Position: \(\sin(x + 2k\pi) = \sin x\).

Eigenschaften — Periodizität und Symmetrien

Eigenschaften\(y = \sin x\)\(y = \cos x\)\(y = \tan x\)
Definitionsmenge\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R} \setminus \left\{\tfrac{\pi}{2} + k\pi\right\}\)
Wertemenge\([-1;\, 1]\)\([-1;\, 1]\)\(\mathbb{R}\)
Periodenlänge\(2\pi\)\(2\pi\)\(\pi\)
Nullstellen\(x_0 = k\pi\)\(x_0 = \tfrac{\pi}{2} + k\pi\)\(x_0 = k\pi\)
Symmetrieachsen\(x = \tfrac{\pi}{2} + k\pi\)\(x = k\pi\)—
Symmetriezentren\((k\pi \mid 0)\)\(\left(\tfrac{\pi}{2} + k\pi \,\middle|\, 0\right)\)\(\left(\tfrac{k\pi}{2} \,\middle|\, 0\right)\)
Pole——\(x = \tfrac{\pi}{2} + k\pi\)

Die Symmetrieachsen sind die senkrechten Geraden durch die Hoch- und Tiefpunkte — dort spiegelt sich die Kurve an sich selbst (Achsensymmetrie). Die Symmetriezentren liegen auf den Nullstellen: Um diese Punkte ist der Graph punktsymmetrisch.

(jeweils \(k \in \mathbb{Z}\); alle Angaben gelten analog in Altgrad)

📘 Kongruenz von Sinus und Cosinus

Die beiden Kurven sind kongruent: Eine horizontale Verschiebung um \(\tfrac{\pi}{2}\) führt sie ineinander über. Für alle \(x \in \mathbb{R}\) gilt:

\[ \cos x = \sin\!\left(x + \tfrac{\pi}{2}\right) \qquad\qquad \sin x = \cos\!\left(x - \tfrac{\pi}{2}\right) \]
📘 Beziehungen aus Periodizität und Symmetrie
SinusCosinusTangens
\(\sin(\pi - x) = \sin x\)\(\cos(\pi - x) = -\cos x\)\(\tan(\pi - x) = -\tan x\)
\(\sin(\pi + x) = -\sin x\)\(\cos(\pi + x) = -\cos x\)\(\tan(\pi + x) = \tan x\)
\(\sin(2\pi - x) = -\sin x\)\(\cos(2\pi - x) = \cos x\)\(\tan(2\pi - x) = -\tan x\)

Die drei Winkelfunktionen im Vergleich

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
\(\sin\) hat Nullstellen bei \(k\pi\), \(\cos\) bei \(\tfrac{\pi}{2} + k\pi\) — genau versetzt. Der Tangens springt an jedem Pol von \(+\infty\) nach \(-\infty\) und wiederholt sich schon nach \(\pi\). Die Cosinuskurve ist die um \(\tfrac{\pi}{2}\) nach links verschobene Sinuskurve.

Klicke auf eine Funktion — ihr Graph über zwei Perioden wird angezeigt:

✏️ Mini-Check — Eigenschaften
Multiple Choice

Welche Periodenlänge hat die Tangensfunktion?

  • \(2\pi\)
  • \(\pi\)
  • \(\tfrac{\pi}{2}\)
Lösung anzeigen
B. \(\tan(x + \pi) = \tan x\) — halb so lang wie bei Sinus und Cosinus.
Lückentext

Die Wertemenge von Sinus und Cosinus ist das Intervall — die des Tangens dagegen ganz \(\mathbb{R}\).

Lösung anzeigen
\([-1;\, 1]\) — die Koordinaten eines Punktes auf dem Einheitskreis liegen nie ausserhalb.
Kurze Rechnung

Berechne \(\sin 150°\) exakt ohne Taschenrechner.

Lösung anzeigen
\(\sin(180° - x) = \sin x\), also \(\sin 150° = \sin 30° = \tfrac{1}{2}\).
Transfer

Bestimme alle Lösungen von \(\sin x = \tfrac{1}{2}\) mit \(\cos x < 0\) im Intervall \([0;\, 2\pi]\).

Lösungsweg anzeigen
\(\sin x = \tfrac{1}{2}\) hat die Lösungen \(x_1 = \tfrac{\pi}{6}\) und \(x_2 = \pi - \tfrac{\pi}{6} = \tfrac{5\pi}{6}\). Wegen \(\cos\tfrac{\pi}{6} > 0\) und \(\cos\tfrac{5\pi}{6} < 0\) bleibt nur \(L = \left\{\tfrac{5\pi}{6}\right\}\).

Transformationen, allgemeine Sinusfunktion und Schwingungen

📘 Schieben und Strecken: \(y = a \cdot \sin\bigl(b(x-u)\bigr) + v\)
ParameterWirkung auf den Graphen von \(y = \sin x\)
\(a\)Streckung (\(a > 1\)) bzw. Stauchung (\(a < 1\)) mit Faktor \(a\) in \(y\)-Richtung — die Amplitude
\(b\)Streckung bzw. Stauchung mit Faktor \(\tfrac{1}{b}\) in \(x\)-Richtung — ändert die Periodenlänge
\(u\)Verschiebung um \(u\) in \(x\)-Richtung (nach rechts für \(u > 0\))
\(v\)Verschiebung um \(v\) in \(y\)-Richtung — die Mittellinie liegt bei \(y = v\)

Für \(a\) und \(b\) genügen positive Werte: Negative lassen sich durch eine Verschiebung um \(\pi\) darstellen, denn \(\sin(-x) = -\sin x = \sin(x - \pi)\). Die Regeln gelten analog für Cosinus und Tangens.

Transformations-Baukasten: \(y = a \cdot \sin\bigl(b(x-u)\bigr) + v\)

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
\(a\) streckt nur vertikal (Amplitude), \(b\) staucht horizontal: grösseres \(b\) heisst kürzere Periode \(p = \tfrac{2\pi}{b}\). Die Kurve schwingt immer um die Mittellinie \(y = v\), und \(u\) schiebt das ganze Wellenmuster seitlich.

Grundfunktion \(\sin x\) grau gestrichelt · Mittellinie \(y = v\) orange gestrichelt

1
1
0
0
Funktionsgleichung und Kenngrössen
y = sin(x)
Amplitude 1; Periode p = 2π; Mittellinie y = 0
🟢 Beispiel 1 — Graph schrittweise entwickeln

Skizziere den Graphen von \(y = 3\sin(2x - 4) + 1\).

Lösung: Zuerst in die Form \(y = a\sin\bigl(b(x-u)\bigr) + v\) bringen: \(3\sin(2x-4)+1 = 3\sin\bigl(2(x-2)\bigr)+1\). Dann in vier Schritten aus \(g(x) = \sin x\) entwickeln:

  1. Stauchen mit Faktor \(\tfrac{1}{2}\) in \(x\)-Richtung: \(y_1 = \sin 2x\) (Periode \(\pi\))
  2. Strecken mit Faktor \(3\) in \(y\)-Richtung: \(y_2 = 3\sin 2x\) (Amplitude \(3\))
  3. Schieben um \(2\) nach rechts: \(y_3 = 3\sin\bigl(2(x-2)\bigr)\)
  4. Schieben um \(1\) nach oben: \(y_4 = 3\sin\bigl(2(x-2)\bigr) + 1\) (Mittellinie \(y = 1\))
📘 Definition — Allgemeine Sinusfunktion
\[ y = a \cdot \sin(bx + c) \qquad a, b \in \mathbb{R}^+,\ c \in \mathbb{R} \]
Amplitude (maximale Auslenkung)\(a\)
Periodenlänge\(p = \dfrac{2\pi}{b}\)
Wertemenge\(-a \leq y \leq a\)
Verschiebung auf der \(x\)-Achse («Startpunkt»)\(x_0 = -\dfrac{c}{b}\)

Ausklammern von \(b\) verbindet beide Schreibweisen: \(a\sin(bx + c) = a\sin\bigl(b\bigl(x + \tfrac{c}{b}\bigr)\bigr)\), also \(u = -\tfrac{c}{b}\). Für die allgemeine Cosinusfunktion gilt alles analog.

🟢 Beispiel 2 — Kenngrössen ablesen

Gegeben ist \(y = \tfrac{1}{2}\cos\!\left(\tfrac{3}{4}x - \tfrac{\pi}{4}\right)\). Berechne (a) den Schnittpunkt \(Q\) mit der \(y\)-Achse, (b) die Periodenlänge \(p\), (c) die kleinste positive Nullstelle \(x_N\).

Lösung:

(a) \(x = 0\) einsetzen: \(y = \tfrac{1}{2}\cos\!\left(-\tfrac{\pi}{4}\right) = \tfrac{1}{2} \cdot \tfrac{\sqrt{2}}{2} = \tfrac{\sqrt{2}}{4} \approx 0.354\), also \(Q = \left(0 \,\middle|\, \tfrac{\sqrt{2}}{4}\right)\).

(b) \(b = \tfrac{3}{4}\): \(p = \dfrac{2\pi}{3/4} = \dfrac{8\pi}{3} \approx 8.38\).

(c) Die erste positive Nullstelle von \(\cos\) liegt bei \(\tfrac{\pi}{2}\) — Argument gleichsetzen: \(\tfrac{3}{4}x_N - \tfrac{\pi}{4} = \tfrac{\pi}{2} \Rightarrow x_N = \pi\).

🟢 Beispiel 3 — Funktionsgleichung aus dem Graphen

Von \(y = a\sin(bx + c)\) kennt man den ersten Hochpunkt \(H = \left(\tfrac{1}{5} \,\middle|\, \tfrac{6}{5}\right)\) und die Nullstelle \(x_N = \tfrac{4}{5}\) (fallend). Bestimme die Gleichung.

Lösung: Die Amplitude \(a = \tfrac{6}{5}\) liest man am Hochpunkt ab. \(\sin x\) hat den ersten Hochpunkt bei \(\tfrac{\pi}{2}\) und die anschliessende Nullstelle bei \(\pi\) — das gibt ein Gleichungssystem:

\[ \tfrac{1}{5}b + c = \tfrac{\pi}{2}, \qquad \tfrac{4}{5}b + c = \pi \]

Subtrahieren: \(\tfrac{3}{5}b = \tfrac{\pi}{2} \Rightarrow b = \tfrac{5\pi}{6}\), dann \(c = \tfrac{\pi}{2} - \tfrac{1}{5} \cdot \tfrac{5\pi}{6} = \tfrac{\pi}{3}\):

\[ y = \tfrac{6}{5}\sin\!\left(\tfrac{5\pi}{6}x + \tfrac{\pi}{3}\right) \]
📘 Definition — Harmonische Schwingung

Ändert sich eine Grösse sinusförmig mit der Zeit \(t\), spricht man von einer harmonischen Schwingung:

\[ y = f(t) = A \cdot \sin(\omega t + \varphi) \]
Amplitude (maximale Auslenkung)\(A\)
Kreisfrequenz (Winkelgeschwindigkeit)\(\omega = 2\pi f = \dfrac{2\pi}{T}\) \([\text{rad/s}]\)
Phasenwinkel (Bogenmass)\(\varphi\)
Periodendauer (Zeit für eine Schwingung)\(T = \dfrac{2\pi}{\omega}\)
Frequenz (Wiederholungen pro Sekunde)\(f = \dfrac{1}{T} = \dfrac{\omega}{2\pi}\) \([\text{Hz}]\)
Phasenverschiebung («Startpunkt»)\(t_0 = -\dfrac{\varphi}{\omega}\)

Die Einheit der Frequenz ist Hertz: \(1\ \text{Hz} = 1\ \text{s}^{-1}\). Da \(\omega\) und \(f\) dieselbe Einheit tragen, muss stets klar sein, mit welcher Grösse gerechnet wird.

Zeiger und Schwingung: \(y = A\sin(\omega t)\)

💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Die Sinuskurve ist die Höhe eines rotierenden Zeigers über der Zeit. Eine volle Umdrehung (\(2\pi\)) entspricht einer Periode; die Zeigerlänge \(A\) ist die Amplitude — der grösste Ausschlag.

Links der rotierende Zeiger, rechts die entstehende Zeitspur \(y = A\sin(\omega t)\).

2
200°
Momentanwert
y = 2·sin(200°) ≈ −0.68
⚠ Häufiger Fehler — Taschenrechner im falschen Winkelmodus

\(\sin 30\) ergibt im DEG-Modus \(0.5\), im RAD-Modus aber \(-0.988\). Bei Funktionsgraphen und Schwingungen wird immer im Bogenmass gerechnet — vor jeder Rechnung den Modus prüfen und Gradwerte zuerst umrechnen (\(x_{\text{rad}} = x° \cdot \tfrac{\pi}{180}\)).

⚠ Häufiger Fehler — «grosses \(b\) heisst lange Periode»

Genau umgekehrt: \(p = \tfrac{2\pi}{b}\). Der Faktor \(b = 2\) halbiert die Periode (\(\sin 2x\) schwingt doppelt so schnell), \(b = \tfrac{1}{2}\) verdoppelt sie. Kontrolle: Wellen im Intervall \([0;\, 2\pi]\) zählen — es sind genau \(b\) Stück.

💡 Strategie — Transformationskette in fester Reihenfolge

Erst die Gleichung in die Form \(a\sin\bigl(b(x-u)\bigr)+v\) bringen (Ausklammern von \(b\)!), dann in dieser Reihenfolge entwickeln: (1) Strecken in \(x\) (Periode), (2) Strecken in \(y\) (Amplitude), (3) Schieben in \(x\), (4) Schieben in \(y\). Hoch- und Tiefpunkte findet man, indem man das Argument gleich \(\tfrac{\pi}{2}\) bzw. \(\tfrac{3\pi}{2}\) (Sinus) oder \(0\) bzw. \(\pi\) (Cosinus) setzt.

✏️ Mini-Check — Transformationen und Schwingungen
Multiple Choice

Welche Periodenlänge hat \(y = \sin(4x)\)?

  • \(8\pi\)
  • \(4\pi\)
  • \(\tfrac{\pi}{2}\)
Lösung anzeigen
C. \(p = \tfrac{2\pi}{b} = \tfrac{2\pi}{4} = \tfrac{\pi}{2}\) — grosses \(b\), kurze Periode.
Lückentext

Bei \(y = 5\sin(2x) - 3\) beträgt die Amplitude und die Mittellinie liegt bei \(y = -3\).

Lösung anzeigen
\(5\) — die Kurve pendelt zwischen \(-8\) und \(2\).
Kurze Rechnung

Eine Schwingung hat die Periodendauer \(T = 0.02\) s. Berechne Frequenz und Kreisfrequenz.

Lösung anzeigen
\(f = \tfrac{1}{T} = 50\) Hz und \(\omega = 2\pi f = 100\pi \approx 314.2\ \text{s}^{-1}\).
Transfer

Bestimme die Verschiebung \(x_0\) der Funktion \(y = \sin\!\left(\pi x - \tfrac{\pi}{2}\right)\) und deute sie am Graphen.

Lösungsweg anzeigen
\(x_0 = -\tfrac{c}{b} = -\tfrac{-\pi/2}{\pi} = \tfrac{1}{2}\) — die Sinuswelle «startet» (steigender Nulldurchgang) bei \(x = 0.5\) statt bei \(0\); die Periode beträgt \(p = \tfrac{2\pi}{\pi} = 2\).

Aufgaben

🟠 A1Winkelfunktion am Graphen erkennen

Wähle einen Graphen und entscheide, welche Funktionsgleichung dazu passt.

A1 · Winkelfunktion am Graphen erkennen
💡 Erkenntnis
Erkenntnis
Drei Merkmale genügen. Der Startwert unterscheidet \(\sin\) (bei \(0\)) von \(\cos\) (bei \(1\)). Der Faktor vor der Funktion ist die Amplitude: \(2\sin x\) pendelt zwischen \(-2\) und \(2\). Der Faktor im Argument staucht die Periode: \(\sin 2x\) wiederholt sich schon nach \(p = \pi\) statt nach \(2\pi\). Nur der Faktor im Argument ändert die Periode — die Amplitude lässt sie unberührt.

Welche Gleichung gehört zum angezeigten Graphen?

🟠 A2Graphen skizzieren

Skizziere die folgenden Graphen von Hand im Intervall \(-\pi \leq x \leq 2\pi\). Gehe von der Grundfunktion aus und wende die Transformationsschritte der Reihe nach an. Vergleiche danach mit der Lösung.

  1. \(y = 2\sin\!\left(x - \tfrac{\pi}{6}\right) - 1\)
  2. \(y = \cos x + 1\)
  3. \(y = -\sin\!\left(\tfrac{1}{2}x\right)\)
🟢 Lösung
  1. Blau: Amplitude \(2\), um \(\tfrac{\pi}{6}\) nach rechts und \(1\) nach unten verschoben; Mittellinie \(y = -1\), pendelt zwischen \(-3\) und \(1\).
  2. Grün: Cosinuskurve, um \(1\) nach oben; pendelt zwischen \(0\) und \(2\), berührt die \(x\)-Achse bei \(x = \pi + 2k\pi\).
  3. Violett: Periode verdoppelt (\(p = 4\pi\)) und an der \(x\)-Achse gespiegelt — startet fallend.
🟠 A3Rechnen mit Winkelfunktionen
🟠 a) Exakte Werte ohne Taschenrechner

Berechne exakt (spezielle Dreiecke und Symmetriebeziehungen nutzen) und gib den Wert als Dezimalzahl an:

🟢 Lösung
  1. \(\sin 150° = \sin(180° - 150°) = \sin 30° = \tfrac{1}{2} = 0.5\)
  2. \(\cos 135° = -\cos 45° = -\tfrac{\sqrt{2}}{2} \approx -0.707\)
  3. \(\tan 225° = \tan(180° + 45°) = \tan 45° = 1\)
🟠 b) Kenngrössen der allgemeinen Sinusfunktion

Gegeben ist \(y = 3\sin\!\left(\tfrac{\pi}{3}x + \pi\right)\). Bestimme Periodenlänge \(p\) und Verschiebung \(x_0\).

🟢 Lösung

\(b = \tfrac{\pi}{3}\), also \(p = \dfrac{2\pi}{\pi/3} = 6\). Verschiebung: \(x_0 = -\dfrac{c}{b} = -\dfrac{\pi}{\pi/3} = -3\) (nach links). Amplitude \(a = 3\); Schnittpunkt mit der \(y\)-Achse: \(y(0) = 3\sin\pi = 0\).

🟠 c) Hochpunkt und Periode

Gegeben ist \(y = \tfrac{1}{2}\cos\!\left(\tfrac{3}{4}x - \tfrac{\pi}{4}\right)\). Bestimme die \(x\)-Koordinate des ersten Hochpunktes und die Periodenlänge.

🟢 Lösung

\(\cos x\) hat den ersten Hochpunkt bei Argument \(0\): \(\tfrac{3}{4}x_H - \tfrac{\pi}{4} = 0 \Rightarrow x_H = \tfrac{\pi}{3} \approx 1.047\); Höhe \(y_H = \tfrac{1}{2}\). Periode: \(p = \dfrac{2\pi}{3/4} = \dfrac{8\pi}{3} \approx 8.38\).

🟠 d) Funktionsgleichung aus Graphendaten

Von \(y = a\sin(bx + c)\) sind der erste Hochpunkt \(H = \left(\tfrac{1}{5} \,\middle|\, \tfrac{6}{5}\right)\) und die folgende Nullstelle \(x_N = \tfrac{4}{5}\) bekannt. Bestimme \(b\) und \(c\).

🟢 Lösung

Hochpunkt: \(\tfrac{1}{5}b + c = \tfrac{\pi}{2}\); Nullstelle: \(\tfrac{4}{5}b + c = \pi\). Subtrahieren: \(\tfrac{3}{5}b = \tfrac{\pi}{2} \Rightarrow b = \tfrac{5\pi}{6} \approx 2.618\), dann \(c = \tfrac{\pi}{3} \approx 1.047\). (Amplitude \(a = \tfrac{6}{5}\) direkt aus \(H\).)

🟠 e) Gleichung mit Bedingung

Bestimme die Lösung von \(\sin x = \tfrac{1}{2}\) mit \(\cos x < 0\) im Intervall \([0;\, 2\pi]\) (Bogenmass, drei Dezimalen).

🟢 Lösung

\(x_1 = \arcsin\tfrac{1}{2} = \tfrac{\pi}{6}\) und \(x_2 = \pi - \tfrac{\pi}{6} = \tfrac{5\pi}{6}\). Nur bei \(x_2\) ist der Cosinus negativ: \(x = \tfrac{5\pi}{6} \approx 2.618\).

🟠 A4Wechselspannung

Die Spannung eines Wechselstroms wird beschrieben durch

\[ U(t) = 200 \cdot \sin(50\pi\, t - 0.683) \qquad [U \text{ in V},\ t \text{ in s}] \]
  1. Gib Amplitude, Periodendauer, Frequenz und Phasenverschiebung an.
  2. Berechne \(U\) zum Zeitpunkt \(t = 0\).
  3. Wann ist \(U\) erstmals maximal?
🟢 Lösung
  1. Amplitude \(A = 200\) V; \(\omega = 50\pi \Rightarrow T = \tfrac{2\pi}{50\pi} = 0.04\) s; \(f = \tfrac{1}{T} = 25\) Hz; Phasenverschiebung \(t_0 = -\tfrac{\varphi}{\omega} = \tfrac{0.683}{50\pi} \approx 0.0043\) s.
  2. \(U(0) = 200\sin(-0.683) \approx -126.2\) V (Taschenrechner im RAD-Modus!).
  3. Maximal, wenn das Argument \(\tfrac{\pi}{2}\) beträgt: \(50\pi t - 0.683 = \tfrac{\pi}{2} \Rightarrow t = \tfrac{\pi/2 + 0.683}{50\pi} \approx 0.0143\) s.
🟠 A5Wechselstrom aufstellen

Die Stromstärke \(I\) eines Wechselstroms hat den Maximalwert \(30\) A und die Frequenz \(50\) Hz; zum Zeitpunkt \(t = 0\) beträgt sie \(0\) A (steigend). Drücke \(I\) in der Form \(I = B\sin(\omega t)\) aus.

🟢 Lösung

\(\omega = 2\pi f = 2\pi \cdot 50 = 100\pi \approx 314.16\ \text{rad/s}\). Da \(I(0) = 0\) und steigend, braucht es keinen Phasenwinkel:

\[ I(t) = 30 \cdot \sin(100\pi\, t) \quad [\text{A}] \]
🟠 A6Federpendel

Eine Punktmasse an einer Feder wird um \(\hat{y} = 5.3\) cm ausgelenkt und schwingt harmonisch mit Periodendauer \(T = 5\) s. Zum Zeitpunkt \(t = 0\) befindet sie sich bei \(y = 2.65\) cm und bewegt sich nach oben.

  1. Bestimme die Kreisfrequenz \(\omega\).
  2. Bestimme den Phasenwinkel \(\varphi\) und die Funktionsgleichung \(y = A\sin(\omega t + \varphi)\).
  3. Wo befindet sich die Masse zum Zeitpunkt \(t_1 = 1.3\) s?
🟢 Lösung
  1. \(\omega = \tfrac{2\pi}{T} = \tfrac{2\pi}{5} \approx 1.257\ \text{s}^{-1}\).
  2. \(y(0) = 2.65 = \tfrac{A}{2}\), also \(\sin\varphi = 0.5 \Rightarrow \varphi = \tfrac{\pi}{6} \approx 0.524\) (steigend!). Gleichung: \(y = 5.3\sin(1.257\,t + 0.524)\).
  3. \(y(1.3) = 5.3\sin(1.257 \cdot 1.3 + 0.524) \approx 4.41\) cm.
🟠 A7Pendel mit Start am Maximum Vertiefung

Ein Pendel schwingt harmonisch mit maximaler seitlicher Auslenkung \(30\) cm und Frequenz \(0.5\) Hz. Zum Startzeitpunkt wird es bei maximaler Auslenkung losgelassen.

  1. Drücke die Position in der Form \(P(t) = A\sin(\omega t + \varphi)\) aus.
  2. Zeige, dass sich dieselbe Schwingung auch als reine Cosinusfunktion schreiben lässt.
  3. Begründe mit der Kongruenzbeziehung, warum das immer geht.
🟢 Lösung
  1. \(\omega = 2\pi f = \pi\ \text{s}^{-1}\). Start am Maximum heisst \(\sin\varphi = 1\), also \(\varphi = \tfrac{\pi}{2}\): \(P(t) = 30\sin\!\left(\pi t + \tfrac{\pi}{2}\right)\) [cm].
  2. Mit \(\sin\!\left(x + \tfrac{\pi}{2}\right) = \cos x\) folgt \(P(t) = 30\cos(\pi t)\) — Kontrolle: \(P(0) = 30\) ✓, \(P(1) = -30\) ✓ (nach einer halben Periode auf der Gegenseite).
  3. Sinus- und Cosinuskurve sind kongruent; jede Sinusschwingung mit Phasenwinkel ist eine verschobene Cosinusschwingung und umgekehrt. Welche Form man wählt, ist nur eine Frage des bequemsten «Startpunkts».

Zusammenfassung

⭐ Merksatz

Sinus, Cosinus und Tangens entstehen am Einheitskreis und sind periodisch: \(\sin\) und \(\cos\) pendeln mit Periode \(2\pi\) zwischen \(-1\) und \(1\) und sind kongruent (\(\cos x = \sin(x + \tfrac{\pi}{2})\)); \(\tan\) hat Periode \(\pi\) und Pole bei \(\tfrac{\pi}{2} + k\pi\). In \(y = a\sin\bigl(b(x-u)\bigr) + v\) bestimmt \(a\) die Amplitude, \(b\) die Periode \(p = \tfrac{2\pi}{b}\), \(u\) und \(v\) die Verschiebung. Zeitabhängig als \(y = A\sin(\omega t + \varphi)\) beschreibt dieselbe Mathematik jede harmonische Schwingung — mit \(T = \tfrac{2\pi}{\omega}\) und \(f = \tfrac{1}{T}\).

\(\sin x\)\(\cos x\)\(\tan x\)
\(D\)\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R}\)\(\mathbb{R} \setminus \{\tfrac{\pi}{2} + k\pi\}\)
\(W\)\([-1;\,1]\)\([-1;\,1]\)\(\mathbb{R}\)
Periode\(2\pi\)\(2\pi\)\(\pi\)
Nullstellen\(k\pi\)\(\tfrac{\pi}{2} + k\pi\)\(k\pi\)
Besonderesungerade (punktsym.)gerade (achsensym.)Pole, \(W = \mathbb{R}\)

Clips

Clips zu den Animationen — was jede Animation zeigt

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Transkripte — der gesprochene Text zum Mitlesen

Riesenrad: alle 12 Minuten dieselbe Höhe

  1. 0:00Eine Kabine im Riesenrad fährt zwei volle Umdrehungen. Wo ändert sich ihre Höhe schnell, wo kaum? Und wann wiederholt sich alles?
  2. 0:09Eingestiegen wird auf fünf Metern. Nach einer Minute ist die Kabine erst rund neun Meter hoch, also nur vier Meter gestiegen. Unten ist die Kurve flach, oben zwischen Minute fünf und sechs genauso.
  3. 0:21Nach drei Minuten ist die Kabine auf halber Höhe, fünfunddreissig Meter. In der Minute davor ist sie fünfzehn Meter gestiegen. Hier ist die Kurve am steilsten.
  4. 0:31Nach vierzehn Minuten ist die Kabine zwanzig Meter hoch, genau wie nach zwei Minuten. Dazwischen liegt eine ganze Umdrehung von zwölf Minuten.
  5. 0:41Merke: Nach zwölf Minuten wiederholt sich alles, h von t plus zwölf ist gleich h von t. Die Kurve ist periodisch mit der Periodendauer zwölf Minuten. Am Hoch- und Tiefpunkt ändert sich die Höhe kaum, auf halber Höhe am schnellsten.

Einheitskreis abrollen: die rote Strecke und der Pol

  1. 0:00Links dreht sich der Punkt P auf dem Einheitskreis, rechts entsteht die Kurve. Woher kommt der Funktionswert, und warum reisst der Tangens ab?
  2. 0:09Beim Winkel sieben pi Zwölftel liegt P links oben. Seine Höhe, die rote Strecke, ist rund null Komma neun sieben. Genau diesen Wert trägt die Kurve rechts ab.
  3. 0:19Beim Tangens verlängert man den Radius bis zur Tangente bei x gleich eins. Die rote Strecke dort ist der Funktionswert: bei fünf pi Zwölftel schon rund drei Komma sieben drei. Sie reicht über das Bild hinaus.
  4. 0:32Bei pi Halbe zeigt der Radius senkrecht nach oben, parallel zur Tangente. Es gibt keinen Schnittpunkt, der Tangens ist dort nicht definiert. Die Kurve rechts hat einen Pol und wiederholt sich schon nach pi.
  5. 0:44Merke: Sinus und Cosinus pendeln zwischen minus eins und eins und wiederholen sich nach zwei pi, einer vollen Umdrehung. Der Tangens wächst gegen pi Halbe über alle Grenzen, dort hat er einen Pol. Seine Periode ist nur pi.

Drei Graphen nebeneinander: Nullstellen, Pole, Versatz

  1. 0:00Drei Winkelfunktionen, drei Graphen. Wo werden sie null, wo springen sie, und wie hängen Sinus und Cosinus zusammen?
  2. 0:09Die Sinuskurve schneidet die x-Achse bei null, bei plus minus pi und bei plus minus zwei pi. Allgemein bei k mal pi.
  3. 0:19Die grüne Cosinuskurve schneidet die x-Achse genau in der Mitte dazwischen, bei pi Halbe plus k mal pi. Sie ist die blaue Sinuskurve, um pi Halbe nach links geschoben: Der Hochpunkt bei pi Halbe wandert nach null.
  4. 0:32Der Tangens hat Pole bei pi Halbe plus k mal pi, dort, wo der Cosinus null ist. Links vom Pol steigt er gegen plus unendlich, rechts davon kommt er von minus unendlich. Schon nach pi wiederholt sich die Kurve.
  5. 0:46Merke: Die Nullstellen von Sinus und Cosinus sind um pi Halbe versetzt. Der Cosinus ist die um pi Halbe nach links geschobene Sinuskurve. Der Tangens springt an jedem Pol von plus unendlich nach minus unendlich und hat die Periode pi.

Sinus-Baukasten: grösseres b, kürzere Periode

  1. 0:00Im Baukasten veränderst du vier Parameter der Sinuskurve. Welcher streckt, welcher staucht, welcher schiebt?
  2. 0:09Mit a gleich zwei liegen die Hochpunkte bei zwei, die Tiefpunkte bei minus zwei. Die Kurve wird nur senkrecht gestreckt: Nullstellen und Periode bleiben wie beim grauen Sinus.
  3. 0:20Mit b gleich zwei passen doppelt so viele Wellen ins Bild. Die Periode ist zwei pi durch zwei, also pi. Ein grösseres b macht die Periode kürzer, nicht länger.
  4. 0:30Jetzt u gleich pi Halbe und v gleich eins. Die Kurve schwingt um die gestrichelte Mittellinie y gleich eins, zwischen null und zwei. u schiebt das Wellenmuster um pi Halbe nach rechts, die Form bleibt.
  5. 0:43Merke: a streckt nur senkrecht und ist die Amplitude. b staucht waagrecht: Die Periode ist zwei pi durch b, ein grösseres b gibt eine kürzere Periode. Die Kurve schwingt um die Mittellinie y gleich v, und u schiebt sie seitlich.

Zeiger und Welle: eine Umdrehung, eine Periode

  1. 0:00Links dreht sich ein Zeiger, rechts wächst eine Welle. Wie hängen die beiden zusammen?
  2. 0:09Der Zeiger hat die Länge zwei und steht bei zweihundert Grad. Seine Spitze liegt rund null Komma sechs acht unter der Mittellinie. Die gestrichelte Linie trägt genau diese Höhe in die Kurve ein.
  3. 0:21Nach dreihundertsechzig Grad, also zwei pi, steht der Zeiger wieder am Anfang. Eine Umdrehung hat genau eine ganze Welle gezeichnet.
  4. 0:31Mit einem Zeiger der Länge drei und vierhundertfünfzig Grad zeigt die Spitze senkrecht nach oben. Die Kurve erreicht ihren grössten Ausschlag: drei. Die Zeigerlänge ist die Amplitude.
  5. 0:42Merke: Die Sinuskurve ist die Höhe eines rotierenden Zeigers über der Zeit. Eine volle Umdrehung, zwei pi, ergibt eine Periode. Die Zeigerlänge A ist die Amplitude, der grösste Ausschlag.

Winkelfunktion erkennen: Startwert, Höhe, Periode

  1. 0:00In Aufgabe A1 ordnest du einem Graphen seine Gleichung zu. Drei Merkmale genügen: der Startwert, der Höchstwert und die Periode.
  2. 0:09Zuerst der Startwert: Graph zwei beginnt bei x gleich null auf eins. Das ist der Cosinus. Der Sinus würde bei null starten.
  3. 0:19Graph vier startet bei null, also Sinus. Er pendelt aber zwischen minus zwei und zwei: Der Faktor vor dem Sinus ist die Amplitude zwei. Die Periode bleibt zwei pi.
  4. 0:30Graph drei startet bei null und reicht bis eins. Er wiederholt sich aber schon nach pi, bis zwei pi passen zwei Wellen. Das ist Sinus von zwei x.
  5. 0:39Merke: Der Startwert unterscheidet Sinus und Cosinus. Der Faktor vor der Funktion ist die Amplitude. Nur der Faktor im Argument ändert die Periode, die Amplitude lässt sie unberührt.

Trigonometrische Funktionen: vom Kreis zur Kurve

  1. 0:00Am Einheitskreis gehört zu jedem Winkel eine Höhe. Bisher war das ein Wert zu einem Winkel. Jetzt tragen wir alle diese Werte nebeneinander auf — und aus dem Kreis wird eine Kurve.
  2. 0:11Vier Stellen genügen, um die Kurve zu legen. Bei null ist die Höhe null. Bei einem viertel Umlauf, also pi halbe, ist sie eins. Bei pi wieder null, bei drei pi halbe minus eins — und bei zwei pi sind wir zurück am Anfang.
  3. 0:24Trägt man alle Werte auf, entsteht diese Welle. Sie schwingt zwischen minus eins und eins und wiederholt sich nach zwei pi.
  4. 0:32Der Cosinus ist die Breite statt der Höhe. Seine Kurve sieht gleich aus, startet aber oben statt in der Mitte.
  5. 0:40Zum Mitnehmen: Die Sinuskurve ist der abgerollte Einheitskreis. Der Winkel läuft nach rechts, die Höhe nach oben.

Trigonometrische Funktionen: die Tangenskurve und ihre Pole

  1. 0:00Der Tangens ist kein neuer Baustein. Er ist Sinus durch Cosinus. Und genau das entscheidet, wie seine Kurve aussieht.
  2. 0:08Die erste Frage bei einem Bruch: Wann wird der Nenner null? Der Cosinus ist null bei pi halbe, und dann wieder nach jedem pi. Genau dort ist der Tangens nicht definiert.
  3. 0:18So sieht sie aus. Zwischen zwei Polen steigt sie von minus unendlich bis plus unendlich — und dann fängt derselbe Ast wieder an.
  4. 0:26Und noch ein Unterschied. Sinus und Cosinus wiederholen sich nach zwei pi. Der Tangens schon nach pi — halb so früh.
  5. 0:36Zum Mitnehmen: Der Tangens ist ein Bruch. Wo sein Nenner null wird, hat er eine Lücke — und zwischen zwei Lücken liegt genau eine Periode.

Trigonometrische Funktionen: Periode, Nullstellen, Symmetrie

  1. 0:00Drei Kurven, drei Steckbriefe. Wer sie einmal nebeneinander gesehen hat, muss sie nicht auswendig lernen — man liest sie am Bild ab.
  2. 0:08Zuerst die Nullstellen. Der Sinus ist null bei null, pi, zwei pi — also bei jedem Vielfachen von pi. Der Cosinus ist um pi halbe versetzt. Und der Tangens hat dieselben Nullstellen wie der Sinus, denn sein Zähler ist der Sinus.
  3. 0:22Die Symmetrie sieht man sofort. Der Cosinus ist spiegelbildlich zur y-Achse. Der Sinus dagegen dreht sich um den Ursprung: links unten, was rechts oben steht.
  4. 0:34In Formeln heisst das: Beim Cosinus ändert ein Vorzeichen im Argument nichts. Beim Sinus und beim Tangens wandert es nach vorn.
  5. 0:43Zum Mitnehmen: Sinus und Cosinus laufen zwischen minus eins und eins und wiederholen sich nach zwei pi. Der Tangens kennt keine Schranken und wiederholt sich schon nach pi.

Trigonometrische Funktionen: dieselbe Kurve, um π/2 versetzt

  1. 0:00Wer die beiden Kurven nebeneinander legt, sieht es sofort: Das ist zweimal dieselbe Welle. Nur beginnt die eine dort, wo die andere schon oben ist.
  2. 0:09Der Cosinus ist bei null schon oben. Der Sinus erreicht das erst bei pi halbe. Der Cosinus ist also der Sinus, um pi halbe nach links geschoben.
  3. 0:19Als Formel: Cosinus von x ist Sinus von x plus pi halbe. Nach links schieben heisst im Argument plus — das ist die übliche Stolperstelle.
  4. 0:28Kurz nachprüfen, statt es zu glauben. Bei null: Sinus von pi halbe ist eins, und Cosinus von null ist auch eins. Bei pi halbe: Sinus von pi ist null, Cosinus von pi halbe ist null. Es stimmt.
  5. 0:42Zum Mitnehmen: Es gibt nur eine Wellenform. Sinus und Cosinus sind zwei Namen für denselben Verlauf, um pi halbe gegeneinander versetzt.

Trigonometrische Funktionen: was a, b, u und v bewirken

  1. 0:00Aus der einen Sinuskurve wird jede andere — mit vier Zahlen. Jede hat genau eine Aufgabe.
  2. 0:08a streckt in die Höhe: die Amplitude, der Abstand von der Mitte bis zum Hochpunkt. v hebt die ganze Kurve an — es legt die Mittellinie fest.
  3. 0:17b staucht in die Breite. Nicht b ist die Periode, sondern zwei pi durch b — je grösser b, desto enger die Wellen. Und u schiebt nach rechts, weil es vom x abgezogen wird.
  4. 0:28Alles zusammen an einem Beispiel: zwei mal Sinus von drei mal Klammer x minus pi sechstel, plus eins. Amplitude zwei, Periode zwei pi durch drei, um pi sechstel nach rechts, Mittellinie bei eins. Die Kurve pendelt also zwischen minus eins und drei.
  5. 0:45Zum Mitnehmen: a und v arbeiten senkrecht, b und u waagrecht. Und die einzige Zahl, die man nicht direkt abliest, ist die Periode — sie ist zwei pi durch b.

Allgemeine Sinusfunktion: Amplitude, Periode und Verschiebung ablesen

  1. 0:00In Aufgaben steht die Klammer meist ausmultipliziert: a mal Sinus von b x plus c. Dann liest man die Verschiebung nicht mehr direkt ab — man muss sie ausrechnen.
  2. 0:10Der Grund steht in einer Zeile. Klammert man b aus, wird aus c geteilt durch b die Verschiebung — mit umgekehrtem Vorzeichen.
  3. 0:18Ein Beispiel: drei mal Sinus von zwei x minus pi halbe. Die Amplitude ist drei. Die Periode ist zwei pi durch zwei, also pi. Und die Verschiebung: minus c durch b, das ist pi halbe durch zwei, also pi viertel nach rechts.
  4. 0:33Und im Bild stimmt es: Die Kurve läuft bei pi viertel steigend durch die Achse, ihr Hochpunkt liegt bei drei, und nach pi beginnt sie von vorn.
  5. 0:42Rückwärts geht es genauso. Aus dem Bild liest man Amplitude und Periode ab, daraus folgt b, und aus der Nullstelle die Verschiebung. Erst dann schreibt man die Gleichung hin.
  6. 0:52Zum Mitnehmen: Amplitude direkt, Periode durch Teilen, Verschiebung durch Teilen und Vorzeichenwechsel.

Harmonische Schwingung: Periodendauer, Frequenz und Phase

  1. 0:00In der Anwendung heisst dieselbe Funktion anders. Aus x wird die Zeit t, aus b die Kreisfrequenz omega, aus der Verschiebung die Phase.
  2. 0:09Zwei Grössen kommen dazu. Die Periodendauer T ist die Zeit für eine volle Schwingung — zwei pi durch omega. Und die Frequenz f ist ihr Kehrwert: wie viele Schwingungen in einer Zeiteinheit.
  3. 0:21Das Riesenrad vom Anfang der Seite: Radius dreissig Meter, Achse fünfunddreissig Meter hoch, eine Umdrehung in zwölf Minuten. Die Höhe ist fünfunddreissig minus dreissig mal Cosinus von zwei pi durch zwölf mal t.
  4. 0:35Periodendauer: zwei pi geteilt durch pi sechstel ergibt zwölf Minuten — genau eine Umdrehung. Und die Frequenz ist ein Zwölftel pro Minute, also eine Umdrehung je zwölf Minuten.
  5. 0:46Zwei Umdrehungen im Bild: Start bei fünf Metern, nach drei Minuten auf Achshöhe, nach sechs Minuten oben bei fünfundsechzig, nach zwölf wieder unten.
  6. 0:56Zum Mitnehmen: Eine Schwingung ist eine Sinusfunktion mit anderen Buchstaben. Wer die Kreisfrequenz hat, hat Periodendauer und Frequenz.

Zusatzmaterial

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