4.3 Masszahlen
Eine ganze Stichprobe in einer einzigen Zahl zusammenfassen — das ist die Idee der Masszahlen. Lagemasse (Mittelwert, Median, Modus) sagen, wo die Daten liegen. Streumasse (Standardabweichung, Quartilsdifferenz) sagen, wie weit sie auseinandergehen. Erst beide zusammen ergeben ein vollständiges Bild.
- Lagemasse (Mittelwert, Median, Modus) und Streumasse (Standardabweichung, Quartilsdifferenz) von kleinen Stichproben auch ohne Hilfsmittel und von grossen Stichproben mit Hilfsmitteln berechnen, interpretieren sowie auf ihre Plausibilität hin prüfen
- entscheiden, wann welche Masszahl relevant ist
🎯 Lernziele — das kann ich nach dieser Seite
- Ich kann die Lagemasse Mittelwert, Median und Modus berechnen und deuten.
- Ich kann die Streumasse Spannweite, Quartilsdifferenz und Standardabweichung berechnen und deuten.
- Ich kann begründen, wann der Median und wann der Mittelwert das passendere Lagemass ist (Robustheit).
- Ich kann Masszahlen grosser Stichproben mit der Tabellenkalkulation bestimmen.
- Ich kann aus Masszahlen den Boxplot konstruieren und umgekehrt Masszahlen aus ihm ablesen.
Einstieg — Welche Klasse ist besser?
In zwei Mathe-Klassen wurde die gleiche Prüfung geschrieben. Beide Klassen haben denselben Mittelwert von 4.5. Verschiebe den Regler unten und beobachte, was mit den Noten in Klasse B passiert — und was mit dem Mittelwert:
Was du beobachtest: Der Mittelwert bleibt fix bei 4.5, egal wie du den Regler einstellst. Trotzdem sehen die Klassen sehr unterschiedlich aus — bei voller Spreizung liegen einzelne Noten weit ausserhalb, bei null Spreizung sind beide Klassen identisch. Mittelwert alleine erzählt also nicht die ganze Geschichte. Du brauchst eine zweite Zahl, die misst, wie breit die Werte verteilt sind. In diesem Kapitel lernst du beide Arten von Masszahlen — und siehst, wann welche relevant ist.
Lagemasse — wo liegt die Mitte? ↩ 4.1
Arithmetisches Mittel (Mittelwert) \(\bar{x}\)
Eigenschaft: Der Mittelwert nutzt jeden Wert. Dadurch reagiert er stark auf Ausreisser (siehe weiter unten „Robustheit").
Median \(\tilde{x}\)
- Bei ungeradem n: der Wert an Position \(\frac{n+1}{2}\).
- Bei geradem n: der Mittelwert der beiden Werte an Positionen \(\frac{n}{2}\) und \(\frac{n}{2}+1\).
Modus (Modalwert) \(\hat{x}\)
Die Grösse 40 kommt dreimal vor — das ist der Modus.
Wichtig: Der Modus ist das einzige Lagemass, das auch für kategoriale Daten funktioniert. Bei „Lieblingsfach" gibt es keinen Mittelwert — aber sehr wohl ein häufigstes Fach.
✏️ Mini-Check — Lagemasse
Der Median von 2, 3, 7, 9, 14 ist …
- \(7\)
- \(6\)
- \(9\)
Lösung anzeigen
Der häufigste Wert einer Stichprobe heisst .
Lösung anzeigen
Berechne den Mittelwert von 4, 5, 6, 9.
Lösung anzeigen
Bestimme den Median von 3, 5, 9, 11 — was ist bei gerader Anzahl zu tun?
Lösungsweg anzeigen
Streumasse — wie breit verteilt?
Spannweite \(R\)
Standardabweichung \(s\)
| \(x_i\) | \(x_i - \bar{x}\) | \((x_i - \bar{x})^2\) |
|---|---|---|
| 4.0 | −0.5 | 0.25 |
| 4.3 | −0.2 | 0.04 |
| 4.4 | −0.1 | 0.01 |
| 4.5 | 0.0 | 0.00 |
| 4.5 | 0.0 | 0.00 |
| 4.6 | 0.1 | 0.01 |
| 4.7 | 0.2 | 0.04 |
| 5.0 | 0.5 | 0.25 |
| Summe | 0.60 | |
STABW.S).
Quartile und Quartilsdifferenz ↗ 4.2
- Q1 (unteres Quartil): Median der unteren Hälfte — 25 % der Werte sind kleiner oder gleich Q1.
- Q2 = Median \(\tilde{x}\) — 50 % der Werte sind kleiner oder gleich Q2.
- Q3 (oberes Quartil): Median der oberen Hälfte — 75 % der Werte sind kleiner oder gleich Q3.
Berechnungsmethode: Q1 ist der Median der unteren Hälfte der sortierten Liste, Q3 der Median der oberen Hälfte (Median-der-Hälften-Methode, auch Tukey-Methode). Bei ungeradem \(n\) wird der Median selbst nicht in die Hälften einbezogen.
- Untere Hälfte: 2.5, 3.0, 3.8, 4.5 → \(Q_1 = \frac{3.0+3.8}{2} = 3.4\)
- Median: \(\tilde{x} = \frac{4.5+4.5}{2} = 4.5\)
- Obere Hälfte: 4.5, 5.2, 6.0, 6.5 → \(Q_3 = \frac{5.2+6.0}{2} = 5.6\)
- Quartilsdifferenz: \(\text{QD} = 5.6 - 3.4 = 2.2\)
🔗 Verbindung zum Boxplot (Kapitel 4.2)
Die fünf Zahlen für jeden Boxplot sind genau: min, Q1, Median, Q3, max. Die Box reicht von Q1 bis Q3, ihre Breite ist die Quartilsdifferenz. Die Whisker reichen zum kleinsten und grössten Wert. Wer die Quartile berechnet, kann den Boxplot zeichnen — und umgekehrt.
✏️ Mini-Check — Streumasse
Die Spannweite der Werte 2 bis 14 ist …
- \(12\)
- \(14\)
- \(16\)
Lösung anzeigen
Die Standardabweichung misst die typische Streuung um den .
Lösung anzeigen
Wie gross ist \(s\) für die Daten 4, 4, 4, 4?
Lösung anzeigen
Warum ist die Quartilsdifferenz \(Q_3 - Q_1\) oft aussagekräftiger als die Spannweite?
Lösungsweg anzeigen
Grosse Stichproben — Tabellenkalkulation
Bei \(n = 8\) ist Handrechnung noch zumutbar. Bei \(n = 200\) Prüfungsergebnissen oder \(n = 1500\) Verkaufszahlen ist eine Tabellenkalkulation der einzige sinnvolle Weg. Die deutschen Funktionsnamen in Excel und LibreOffice Calc:
| Masszahl | Formel | Hinweis |
|---|---|---|
| Mittelwert | =MITTELWERT(A1:A200) | arithmetisches Mittel |
| Median | =MEDIAN(A1:A200) | auch bei Ausreissern stabil |
| Modus | =MODUS.EINF(A1:A200) | häufigster Wert; bei stetigen Daten oft sinnlos |
| Standardabweichung | =STABW.S(A1:A200) | Stichprobe (mit \(n-1\)) — Standard |
| 1. Quartil | =QUARTILE.INKL(A1:A200; 1) | Q1 |
| 3. Quartil | =QUARTILE.INKL(A1:A200; 3) | Q3 |
| Quartilsdifferenz | =QUARTILE.INKL(...;3) − QUARTILE.INKL(...;1) | QD händisch zusammensetzen |
Die Funktion QUARTILE.INKL in Excel verwendet eine andere Methode als die in
diesem Kapitel gelernte: sie rechnet mit linearer Interpolation zwischen
benachbarten Rangwerten (Methode nach Hyndman-Fan, Variante 7), während wir hier nach der
Median-der-Hälften-Methode (auch Tukey-Methode) arbeiten. Bei kleinen
Stichproben können beide Methoden unterschiedliche Werte für \(Q_1\) und \(Q_3\)
liefern. Bei \(n \geq 50\) wird die Differenz typischerweise klein, kann aber auch dann
noch um eine Datenpunkt-Position abweichen. Für Schul-Rechnungen ist die hier gelernte
Methode verbindlich; wer Excel-Ergebnisse vergleicht, sollte die Methodik-Differenz
kennen.
AVERAGE, MEDIAN, MODE, STDEV.S, QUARTILE.INC — gleiche Bedeutung, andere Namen.
✏️ Mini-Check — Tabellenkalkulation
Die Funktion für den Mittelwert lautet …
- =MITTELWERT()
- =SUMME()
- =ANZAHL()
Lösung anzeigen
=MEDIAN(A1:A20) liefert den des Bereichs.
Lösung anzeigen
Worin unterscheiden sich =STABW.S und =STABW.N?
Lösung anzeigen
Warum bei \(n = 200\) die Tabellenkalkulation statt Handrechnung?
Lösungsweg anzeigen
Robustheit — Mittelwert oder Median?
Die wichtigste Entscheidung in der Datenanalyse: Welches Lagemass passt zu meinen Daten? Die Antwort hängt davon ab, ob es Ausreisser gibt.
📝 Hinweis: Die Werte sind bereits aufsteigend sortiert. Bei realen Daten erst sortieren, dann den mittleren Wert ablesen — siehe die Fehler-Box unten.
Mittelwert
→ Niemand verdient ungefähr so viel. Der Wert ist durch den Ausreisser stark verzerrt.
Median
→ Beschreibt den „typischen" Lohn realistisch. Ausreisser haben keinen Einfluss.
Der Median ist der mittlere Wert der sortierten Liste. Aus der Urliste \(8, 3, 5, 1, 7\) den dritten Wert \(5\) als Median anzugeben, ist falsch begründet: erst sortieren (\(1, 3, 5, 7, 8\)), dann den mittleren Wert ablesen — hier kommt zufällig wieder \(5\) heraus. Bei \(8, 3, 9, 1, 7\) hingegen wäre die Urlisten-Mitte \(9\), der korrekte Median nach Sortieren (\(1, 3, 7, 8, 9\)) aber \(7\). Die Regel: sortieren ist nicht optional.
✏️ Mini-Check — Robustheit
Ausreisser beeinflussen am stärksten …
- den Median
- den Mittelwert
- den Modus
Lösung anzeigen
Der Median ist gegenüber Ausreissern.
Lösung anzeigen
Vergleiche {4, 6, 8} und {4, 6, 80}: Median und Mittelwert?
Lösung anzeigen
Warum wird bei Löhnen meist der Median berichtet?
Lösungsweg anzeigen
Aufgaben
In den Theorie-Beispielen oben begegnen dir Klasse A und Klasse B — sie illustrieren immer dasselbe Konzept (Streuung bei gleichem Mittelwert) mit denselben acht Notenwerten. In den Aufgaben A5 und A7 unten kommen Klasse X und Klasse Y hinzu — bewusst andere Buchstaben, weil sie andere Datensätze enthalten und für Vergleichsaufgaben dienen. Die Namen sind nicht austauschbar.
A1 · Kleine Stichprobe händisch
- Sortiere die Werte und berechne Mittelwert, Median und Modus.
- Bestimme Q1, Q3 und die Quartilsdifferenz.
- Sortiert: 12, 12, 14, 15, 17, 18, 20 (n = 7). Mittelwert: \(\bar{x} = \dfrac{14+18+12+20+15+17+12}{7} = \dfrac{108}{7} \approx 15.43\). Median (Position 4 der sortierten Liste): \(\tilde{x} = 15\). Modus: \(\hat{x} = 12\) (kommt zweimal vor, alle anderen Werte einmal).
- Untere Hälfte (ohne Median bei ungeradem n): 12, 12, 14 → \(Q_1 = 12\). Obere Hälfte: 17, 18, 20 → \(Q_3 = 18\). Quartilsdifferenz: \(\text{QD} = 18 - 12 = 6\).
Wer diese Aufgabe in Excel mit =QUARTILE.INKL(...;1) nachrechnet, erhält
\(Q_1 = 13\) (und \(Q_3 = 17.5\)) — Excel interpoliert linear zwischen Rangwerten, statt
die untere Hälfte als eigene Stichprobe zu behandeln. Beide Resultate sind korrekt
nach ihrer jeweiligen Definition. Für Handrechnungen im Unterricht gilt
die hier verwendete Tukey-Methode.
A2 · Standardabweichung berechnen
Mittelwert: \(\bar{x} = \frac{28.4+28.6+28.5+28.9+28.6}{5} = \frac{143.0}{5} = 28.60\)
Abweichungen und Quadrate:
| \(x_i\) | \(x_i - \bar{x}\) | \((x_i - \bar{x})^2\) |
|---|---|---|
| 28.4 | −0.20 | 0.0400 |
| 28.6 | 0.00 | 0.0000 |
| 28.5 | −0.10 | 0.0100 |
| 28.9 | 0.30 | 0.0900 |
| 28.6 | 0.00 | 0.0000 |
| Summe | 0.1400 | |
\(s = \sqrt{\dfrac{0.14}{5-1}} = \sqrt{0.035} \approx 0.19\) s.
Die Zeiten streuen also nur um etwa zwei Zehntelsekunden um den Mittelwert — eine sehr konstante Schwimmerin.
A3 · Mittelwert oder Median?
- Durchschnittliche Körpergrösse aller Schülerinnen einer Klasse.
- Durchschnittliches Vermögen der Bewohnerinnen eines Quartiers, in dem auch eine Milliardärin wohnt.
- Durchschnittliche Wartezeit am Bankschalter, gemessen über eine Woche.
- Durchschnittlicher Notendurchschnitt aller Schülerinnen einer Schule.
- Mittelwert genügt — Körpergrössen sind annähernd symmetrisch verteilt, ohne extreme Ausreisser.
- Median deutlich besser — die Milliardärin verzerrt den Mittelwert massiv. Der Median beschreibt die typische Bewohnerin realistisch.
- Median oft besser — Wartezeiten sind meist rechtsschief: viele kurze Wartezeiten, einzelne sehr lange. Der Median sagt, was du „normalerweise" erwarten musst.
- Mittelwert genügt — Notendurchschnitte sind in einem festen Bereich (1–6), starke Ausreisser sind nicht möglich.
A4 · Tabellenkalkulation
- Mittelwert
- Median
- Standardabweichung der Stichprobe
- Quartilsdifferenz (in einer einzigen Formel)
- Anzahl der Werte, die grösser als der Mittelwert sind. (Tipp: Funktion ZÄHLENWENN.)
=MITTELWERT(A2:A151)=MEDIAN(A2:A151)=STABW.S(A2:A151)=QUARTILE.INKL(A2:A151;3) − QUARTILE.INKL(A2:A151;1)=ZÄHLENWENN(A2:A151;">"&MITTELWERT(A2:A151))
Bei e) ist das &-Zeichen wichtig: es verbindet den Vergleichsoperator ">" mit dem Wert des Mittelwerts zu einer einzigen Zeichenkette, die ZÄHLENWENN als Kriterium akzeptiert.
Eine echte Ein-Funktions-IQR-Funktion gibt es in Excel/LibreOffice nicht. Praktikable Alternativen:
- Mit Hilfszellen: in B1
=QUARTILE.INKL(A2:A151;3), in B2=QUARTILE.INKL(A2:A151;1), dann in B3=B1−B2. Vorteil: Q1 und Q3 sind auch einzeln sichtbar. - Alternative Quartile-Konvention:
=QUARTILE.EXC(A2:A151;3) − QUARTILE.EXC(A2:A151;1)verwendet die Hyndman-Fan-Variante 6 — gibt bei kleinen Stichproben andere Werte (siehe Kasten „Excel-Quartile ≠ Handrechnung").
A5 · Zwei Klassen vergleichen
| Klasse X | Klasse Y | |
|---|---|---|
| Mittelwert | 4.6 | 4.6 |
| Median | 4.7 | 5.1 |
| Standardabweichung | 0.8 | 1.5 |
| Quartilsdifferenz | 1.0 | 2.4 |
- Welche Klasse hat ein homogeneres Ergebnis? Begründe.
- In welcher Klasse ist die Verteilung schief? Wie erkennst du das aus den Masszahlen?
- In welcher Klasse vermutest du eher Ausreisser? Begründe.
- Klasse X ist homogener: kleinere Standardabweichung (0.8 vs. 1.5) und kleinere Quartilsdifferenz (1.0 vs. 2.4). Die Ergebnisse liegen näher beieinander.
- Klasse Y ist schief: Mittelwert (4.6) und Median (5.1) liegen 0.5 Punkte auseinander. Da der Median höher ist als der Mittelwert, ist die Verteilung linksschief — der „Schwanz" mit den niedrigen Werten zieht den Mittelwert nach unten. In Klasse X (4.6 vs. 4.7) liegen die beiden fast gleich auf, also nahezu symmetrisch.
- Klasse Y: grosse Streumasse plus deutlicher Unterschied zwischen Mittelwert und Median deuten auf einzelne weit nach unten abweichende Werte (Ausreisser) hin.
A6 · Eigene Daten analysieren
- Eine Urliste und eine sortierte Liste.
- Mittelwert, Median, Modus, Standardabweichung, Q1, Q3, Quartilsdifferenz.
- Einen Boxplot von Hand (oder mit Tabellenkalkulation).
- Einen kurzen Interpretationstext (3–5 Sätze): Was sagen die Masszahlen über deine Daten? Gibt es Ausreisser? Welches Lagemass passt besser?
Da diese Aufgabe individuell ist, hier nur ein Kontroll-Schema:
- Stimmt deine Anzahl Werte? Hast du n korrekt gezählt?
- Liegt der Median zwischen Q1 und Q3? (Sonst hast du dich verrechnet.)
- Ist die Standardabweichung positiv und in einer plausiblen Grössenordnung verglichen mit dem Mittelwert?
- Wenn Mittelwert und Median weit auseinander liegen → suche im Boxplot oder Histogramm nach Ausreissern. Prüfe, ob der Median das bessere Lagemass ist.
- Tipp: Lass eine zweite Person dieselbe Stichprobe in der Tabellenkalkulation nachrechnen — so findest du Tippfehler.
Beispiel-Lösung mit fiktivem Datensatz (Bildschirmzeit in Minuten, \(n = 15\)):
- Mittelwert: \(\bar{x} = \dfrac{2420}{15} \approx 161.3\) min
- Median (Position \(\tfrac{15+1}{2} = 8\)): \(\tilde{x} = 155\) min
- Modus: 180 (zweimal, alle anderen einmal)
- \(Q_1\) (Median der unteren 7 Werte 75…145): \(Q_1 = 110\) min
- \(Q_3\) (Median der oberen 7 Werte 165…320): \(Q_3 = 200\) min
- QD: \(200 - 110 = 90\) min
- Standardabweichung: \(s \approx 64.5\) min (Quadratwurzel der Varianz \(s^2 \approx 4159\), berechnet mit \(\tfrac{1}{n-1}\sum (x_i - \bar{x})^2\); händisch mühsam, Tabellenkalkulation empfohlen).
Interpretation (3 Sätze): Die mittlere Bildschirmzeit liegt bei rund 161 min/Tag, der Median bei 155 min — die beiden Lagemasse stimmen fast überein, die Verteilung ist also annähernd symmetrisch. Der höchste Wert (320 min) liegt aber rund 2.5 Standardabweichungen über dem Mittelwert und ist ein klarer Ausreisser nach oben. Da der Median weniger empfindlich auf diesen Ausreisser reagiert, ist er hier das etwas robustere Lagemass — der Unterschied zum Mittelwert ist mit 6 min jedoch klein.
A7 · Zwei Klassen vergleichen — Lage und Streuung
Zwei Klassen schreiben dieselbe Prüfung. Die Notenlisten:
- Klasse X: 4.0, 4.2, 4.5, 4.5, 4.8, 5.0, 5.0, 5.3
- Klasse Y: 2.5, 3.0, 4.0, 4.5, 5.0, 5.5, 6.0, 6.5
- Berechne für beide Klassen Mittelwert, Median und Spannweite.
- Welche Klasse zeigt das homogenere Bild? Begründe mit einer Masszahl.
- Eine Aussage lautet: „Klasse X ist besser als Klasse Y, weil der Mittelwert höher ist." Diskutiere kurz, was an dieser Aussage stimmt und was sie ausblendet.
- Klasse X: \(\bar{x} = \tfrac{37.3}{8} \approx 4.66\), Median \(= \tfrac{4.5 + 4.8}{2} = 4.65\), Spannweite \(= 5.3 - 4.0 = 1.3\). Klasse Y: \(\bar{y} = \tfrac{37}{8} = 4.625\), Median \(= \tfrac{4.5 + 5.0}{2} = 4.75\), Spannweite \(= 6.5 - 2.5 = 4.0\).
- Klasse X ist homogener — Spannweite \(1.3\) gegenüber \(4.0\) bei Y. Die meisten X-Lernenden liegen knapp um \(4.5\), bei Y reichen die Noten von „knapp nicht bestanden" bis „sehr gut".
- Die Mittelwerte sind fast identisch (\(4.66\) vs. \(4.625\)). Die Aussage „X ist besser" stützt sich also auf eine winzige Differenz und ignoriert die deutlich grössere Streuung in Y. Korrekter wäre: „Im Mittel praktisch gleich; X homogener, Y stärker gespreizt." Wer urteilt, sollte beide Aspekte (Lage + Streuung) berücksichtigen.
Zusammenfassung
Eine Stichprobe ist erst dann beschrieben, wenn du beide Aspekte angibst: Lage (wo liegt die Mitte?) und Streuung (wie breit verteilt sind die Daten?). Mittelwert und Standardabweichung gehen zusammen — Median und Quartilsdifferenz gehen zusammen. Mische die Paare nicht.
| Masszahl | Symbol | Was sagt sie? | Wann besonders nützlich |
|---|---|---|---|
| Mittelwert | \(\bar{x}\) | Schwerpunkt der Daten | Symmetrische Verteilung, keine Ausreisser |
| Median | \(\tilde{x}\) | Mitte der sortierten Liste (50/50) | Schiefe Verteilung, Ausreisser, Vergleiche |
| Modus | \(\hat{x}\) | Häufigster Wert | Kategoriale Daten, multimodale Verteilungen |
| Spannweite | \(R\) | Abstand grösster − kleinster Wert | Schneller Überblick; empfindlich für Ausreisser |
| Standardabweichung | \(s\) | Streuung um den Mittelwert (quadratisches Mittel) | Symmetrische Daten, präzise Streuungsangabe |
| Quartilsdifferenz | \(Q_3 - Q_1\) | Breite der mittleren 50 % | Robust, passt zu Median und Boxplot |
Zusatzmaterial
Zum Ausdrucken und Mitnehmen — Theorie, Formelsammlung, Karteikarten und Aufgaben mit Lösungen.